HELLA STREICHEREIN NACHRUF

Stim­men Bre­mer Künstler*innen und Autor*innen

Collage zusammengestellt von Gundula Konietzny
Col­la­ge zusam­men­ge­stellt von Gun­du­la Konietz­ny

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Lie­be Hel­la, du wider­bors­ti­ge Strei­te­rin für das Schö­ne, Wah­re und Rei­ne, es ist also wahr, Du bist nicht mehr unter uns. Wer soll uns nun über den jähr­li­chen Inge­borg Bach­mann Preis auf­klä­ren? Wer denn, ket­ten­rau­chend wider den Zeit­geist zu Fel­de zie­hen? Good Bye… my Dear… thank you for the music… es wird lee­rer im Vier­tel.

Wann sind wir uns erst­ma­lig über den Weg gelau­fen, 82 im „Römer „als Du bei der Düs­ter­band „Schwar­ze Spie­gel“ in Joy Divi­si­on Manier getrom­melt hast und ich gera­de auf ein­ge­bil­de­tem Höhen­flug mit „Ego/N “ unter­wegs war, unse­re ers­te Sin­gle. Irgend­wann lan­de­ten wir in Dei­ner Bude in der Hum­boldt­stra­ße. Du ent­pupp­test Dich als kom­pe­ten­te Musik­lieb­ha­be­rin, bei Dir gab es Bach & Beat­les, und natür­lich auch viel Post-Punk und zu mei­nem Erstau­nen gar die ers­te von Led Zep­pe­lin, auf dem Cover durf­te ich mich denn also ver­ewi­gen. Spä­ter mit Grün­dung des Bis­tro Bra­zil wur­dest Du schnell Stamm­gast und ver­sorg­test uns fort­an mit den über­ra­schends­ten Mix-Tapes mit so cra­zy Titeln wie „a dif­fe­rent kind of jung­le“ oder „none such music“.

Wir konn­ten uns am Tre­sen stun­den­lang die Bäl­le zuspie­len und uns treff­lich strei­ten, ob „Their Sata­nic Majes­tic Request“ von den Stones ein schlim­mer Unfall in der Band­ge­schich­te war oder ein fehl­ge­schla­ge­ner Ver­such, an „Ser­geant Pep­per anzu­do­cken“. Du lie­ßest Dir dei­ne Tapes zumeist in Natu­ra­li­en aus­zah­len, ein guter Deal für bei­de. Ich glau­be, zu mei­nem 60. brach­test du mir ein „Ständ­chen“, auf You Tube ver­ewigt, das mich als den Keith Richard vom Oster­tor über­höh­te.

In den letz­ten Jah­ren, nach­dem ich das Bra­zil auf­ge­ge­ben hat­te, ver­la­ger­te sich unse­re Kom­mu­ni­ka­ti­on mehr auf die social media, anfangs im Vier­tel-Blog, dann auf den Zucker­berg. Wir waren nicht immer einer Mei­nung, jedoch meis­tens, beson­ders wenn es um Lite­ra­tur ging.

Ihren Roman „Höhe­re Wel­ten“ hab ich noch irgend­wo im Regal, er hat mich damals nicht beson­ders ange­spro­chen, viel­leicht muss ich ihn noch mal lesen. Jedoch hät­te ich gern etwas von ihrem nächs­ten Roman zu Gesicht bekom­men, da hielt sie sich aber sehr bedeckt. Was mir noch ein­fällt, ich hät­te sie ger­ne in einer Lite­ra­tur­sen­dung erlebt, sie hät­te sicher so man­ches Quar­tett auf­ge­mischt? Good By…my Dear… thank you for the music… es wird lee­rer im Vier­tel.

Jür­gen Schier­holz

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Als ich in der Hor­ner Stra­ße wohn­te, fuhr Hel­la oft mit ihrem gro­ßen schwar­zen Fahr­rad an mir vor­bei. Kei­ne Zeit inne­zu­hal­ten. In Eile und ein wenig außer Atem rief sie ein krat­zi­ges „Haal­lo!“ zu mir her­über. Ein herz­li­ches, gut gemein­tes Hal­lo. Für einen Augen­blick kamen mir dann alte Zei­ten in den Sinn. Ich dach­te dar­an, wie Hel­la Anja und mich über­re­de­te, als Engel an einer anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Weih­nachts­auf­füh­rung teil­zu­neh­men. Dach­te an die Jah­re, als man noch bei Meis­ter Prop­pers Poe­try Slam aus der Fal­le roll­te, um aus der Rol­le zu fal­len. Die hel­len Augen ganz weit auf­ge­ris­sen – dach­te an auf­ge­kratz­te Mei­nungs­be­kun­dun­gen, die ehr­lich und direkt waren. Heu­te ver­mis­se ich oft­mals die­se Art von Men­schen, die eben nicht aus Grün­den der Kor­rekt­heit, um nicht anzu­ecken oder um unan­tast­bar zu blei­ben, drei Mal über­le­gen, ehe sie einen Kon­junk­tiv for­mu­lie­ren. Ein wei­te­res Ori­gi­nal aus dem Bre­mer Vier­tel ist gegan­gen, nimmt ein Stück Ver­traut­heit mit sich. Hel­la, ich wer­de dich ver­mis­sen.                                                                                         

Jani­ne Lancker

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Hel­la Strei­cher — in memo­ri­am
Hel­la Strei­cher war ein Ori­gi­nal — nicht zu über­se­hen -
vor­zugs­wei­se mit Pudel­müt­ze und Ruck­sack -
nicht zu über­hö­ren — mit ihren vor­lau­ten Kom­men­ta­ren
und noch bes­ser — mit Gitar­re und Gesang.

Ihre Bekannt­schaft war ein posi­ti­ves Erleb­nis — sie war so viel­sei­tig
begabt — auch als Foto­gra­fin — dass jede Begeg­nung mit ihr
inter­es­sant war.

Ein zufäl­li­ges Tref­fen an der Con­tres­car­pe führ­te zum inten­si­ven
Gespräch bei Kaf­fee und Kuchen (und natür­lich Ziga­ret­te) und
für mich berei­chern­de Gedan­ken auf dem Heim­weg. Dan­ke dafür!

Mein Wunsch für Hel­la -
möge sie ihre höhe­ren Wel­ten errei­chen!

Lau­ma Zvid­ri­na

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Wenn ich an Hel­la Strei­cher den­ke, dann höre ich sie. Ihre Stim­me, impul­siv, insis­tie­rend, rück­halt­los, unge­schützt ihre eige­ne Mei­nung kund­tun, impul­siv, emo­ti­ons­ge­la­den. Wütend auf alles, was ein­schränkt, vor­schreibt, vor­gibt, etwas zu sein, ihr Gespür für das Unech­te, Auf­ge­setz­te, Auf­ge­bläh­te, auf selbst­er­nann­te Vor­schrei­ber und Vor­schrif­ten.

Wenn ich an Hel­la Strei­cher den­ke, höre ich sie auf der Trom­mel schla­gen, lachen, den Rhyth­mus hal­ten oder ihre eige­nen Tex­te spre­chen, mehr­deu­tig, hin­ter­grün­dig, auf­be­geh­rend, auf­bre­chend, frech, vor­wit­zig, wort­wit­zig.

Oder ihre Gedich­te, Lang­ge­dich­te, eher melan­cho­lisch über Novem­ber­ne­bel und Lebens­freu­de im Novem­ber. Und immer auch über sich selbst als Autorin, als Arbei­te­rin mit der Spra­che, unbe­irrt und genau, so wie sie auch frem­de Tex­te lek­to­riert hat, rück­halt­los, rück­sichts­los gegen sich selbst und ande­re. Rigo­ros mit ihrem Urteil, nicht berech­nend, nicht kal­ku­lie­rend, unver­nünf­tig, beharr­lich.

Und sie konn­te auch schmei­cheln, lie­bens­wür­dig sein, bit­tend um Aner­ken­nung, Zuge­hö­rig­keit, Akzep­tanz, auf­ge­nom­men wer­den, ange­nom­men wer­den, ankom­men, Sein.                                                                   

Inge Buck

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Schwer atmend war sie, stets hell wach und nah. In den Gesprä­chen hiel­ten sich Spie­le­ri­sches und Erns­tes die Waa­ge.

Sie hör­te genau zu, hielt einen Augen­blick inne – und dann hat­te man mit ihrer Ent­geg­nung das Gefühl, ins Herz geschlos­sen zu wer­den.

Fal­sche Freund­lich­keit kann­te sie nicht. Ich mach­te mir oft Sor­gen. Um sie

Mar­tin Büh­rig

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Hel­la litt lebens­lang unter ihrer fami­liä­ren Her­kunft, leb­te ihr Leben als ein­zi­ges Enkel­kind von JULIUS STREICHER, Her­aus­ge­ber des STÜRMER und wäh­rend der Nürn­ber­ger Pro­zes­se ange­klagt, zum Tode ver­ur­teilt und hin­ge­rich­tet. Bis zuletzt ist/war sie allein im Besitz des (vor allem schrift­li­chen) Nach­las­ses ihres Groß­va­ters. Einer­seits war sie stolz dar­auf, Intel­li­genz und Talent ihres Groß­va­ters geerbt zu haben, ander­seits litt sie dar­un­ter, ihn nicht lie­ben zu kön­nen (zu dür­fen).

Schon in der Schu­le, erzähl­te sie mir, durf­te sie nicht bei den Ande­ren sit­zen, son­dern, von ihnen getrennt, ganz hin­ten abseits auf einem Ein­zel­platz — auf­grund ihrer fami­liä­ren Her­kunft, jeden­falls deu­te­te sie das für sich so. Dass sie nach ihrem erfolg­rei­chen Stu­di­um kei­ne Lehr­amts­stel­le fin­den konn­te, lässt sich nicht mehr nach­voll­zie­hen. Bis auf die letz­ten Jah­re, wo sie als Deutsch­leh­re­rin für Immi­gran­ten ein­ge­setzt wur­de und die frü­hen Jah­re in einer Buch­hand­lung, leb­te sie von HARTZ IV.

Auch unter den Bre­mer Autor*innen galt sie mehr oder weni­ger als Enfant ter­ri­ble, wur­de nicht all­zu ernst genom­men, blieb auf ihrer Klug­heit sit­zen.

Situa­ti­ons­be­dingt bat ich im Jah­re 2014 die klu­ge Hel­la um ihre Hil­fe bei der Ver­öf­fent­li­chung mei­nes Gedicht­ban­des UND DER SCHATTEN SANG; sie ist im Impres­sum für das Lek­to­rat aus­ge­wie­sen. Nach eini­gem Zögern wil­lig­te sie ein: „Aber nur unter mei­nen Bedin­gun­gen: aus­schließ­lich per Tele­fon, kei­ne Dis­kus­sio­nen, kei­ne Pri­vat­ge­sprä­che, kei­ner­lei Ablen­kun­gen – nur der jewei­li­ge Text!“

Nun, glück­li­cher­wei­se blieb der Groß­teil der Gedich­te unbe­an­stan­det. Aber der Rest hat­te es in sich; meist klei­ne Sachen, ein Wort, eine Zei­le: „Das kannst du bes­ser!“ — „Was willst/wolltest du sagen?“ — „Nein, von mir kommt kein Vor­schlag, das kannst du ganz allei­ne — ich lege jetzt den Hörer auf die Sei­te, frei geschal­tet, laut gestellt — und du über­legst dir inzwi­schen, was du hier eigent­lich sagen/schreiben wolltest/willst.“

Das gan­ze Pro­ze­de­re war eine ein­zi­ge Tor­tur. Aber am Ende hat­te ich mein Buch irgend­wie ganz und gar selbst lek­to­riert.

Sieg­fried Mar­quardt

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3 Men­schen, 2 Ziga­ret­ten, 1 Lai­bach­kra­wat­te.
Ers­te Wor­te, zwei­te Begeg­nun­gen, drit­te Besu­che.

In Höhe­re Wel­ten,
hin­ein in tie­fen Ernst
führst du uns über Gren­zen hin­weg
getra­gen von Klang und Rhyth­mus.
Musik ist es, die alles ver­bin­det.

Doch der Abend wirft ein Tuch aufs Land…”, höre ich nun in mei­nen Gedan­ken.
Mein Blick wan­dert in Wei­te wie Flü­gel­schlag, es riecht nach Rauch.

Dan­ke, Hel­li.

Vio­la Bau­er

8

Auf ein­mal fort. Ver­schwun­den von der Stra­ße, von der Ecke, vor dem Tabak­la­den, wo man sich traf, flüch­ti­ge Begeg­nun­gen: Wie geht es dir? Vor mehr als ein paar Jah­ren zum letz­ten Mal. Auf ein­mal nicht mehr auf­ge­taucht auf Lesun­gen, Autoren­tref­fen, bei lite­ra­ri­schen Ver­an­stal­tun­gen. Und nie nach­ge­fragt. Auch vor dem Ver­schwin­den schon ver­schwun­den. Und eigent­lich nie so rich­tig da gewe­sen. Laut­los wie die Schmet­ter­lin­ge, die ster­ben jetzt…

Mar­lis Thiel

 

Hel­la Strei­cher: gebo­ren 1955 in Bre­men, leb­te dort. Stu­di­um der Ger­ma­nis­tik, Sozio­lo­gie und Publi­zis­tik in Göt­tin­gen. Als Gym­na­si­al­leh­re­rin man­gels Plan­stel­len für die Fächer­kom­bi­na­ti­on Deutsch/Politik stel­len­los geblie­ben, stu­dier­te sie fort­an das ›Läben‹: als Fabrik­ar­bei­te­rin, in einem medi­zi­ni­schen Labor und im Buch­han­del. Neben­her kom­po­nier­te sie, trom­mel­te in diver­sen Bands, ver­öf­fent­lich­te die LP/CD »Friß oder stirb« (The Scar­let Let­ter; Über­schall Records, 1990) und schrieb »Höhe­re Wel­ten. Ein deut­scher All­tags­ro­man« (BoD, 2003), außer­dem Gedich­te und Essays für ein Bre­mer Sze­nema­ga­zin. Seit 2001 erschie­nen Tex­te von ihr im Inter­net sowie gele­gent­lich in Antho­lo­gien.

Erfolgreicher Jahresabschluss im Kukoon

Mit der Abschluss­le­sung der dies­jäh­ri­gen Pro­sa-Werk­statt unter der Lei­tung des Autors Micha­el Wil­den­hain beging das Lite­ra­tur­kon­tor am 6. Dezem­ber sei­nen tra­di­tio­nel­len Jah­res­ab­schluss. Dies­mal wur­de erst­mals ins Kul­tur­zen­trum Kuko­on in der Neu­t­stadt gela­den. Es lasen fünf Teilnehmer*innen der Werk­statt: Bet­ti­na Beut­ler-Prahm, The­re­sa Heyn, Hel­ge Hom­mers, Julia San­der und Lau­ra Mül­ler-Hen­nig.

Mit dem Abend blick­te das Lite­ra­tur­kon­tor auf ein erfolg­rei­ches Jahr 2019 zurück: Neben 30 Bre­mer Buch­Pre­mie­ren wur­den Lese­rei­hen wie Lit­Clips und die Lite­ra­Tour Nord durch- und wei­ter­ge­führt. Hin­zu kam die Wie­der­auf­nah­me der Rei­he Dop­pel­pack sowie die Neu­ein­füh­rung der Rei­he OUT LOUD. Außer­dem wur­de zum zwei­ten Mal die Lan­ge Lese­nacht ›Bre­men liest!‹ ver­an­stal­tet. Dar­über hin­aus gab es u.a. ver­schie­de­ne Work­shops, Lesun­gen im Rah­men von Fes­ti­vals, zahl­rei­che Buch­vor­stel­lun­gen, zwei wei­te­re Mini­Lit-Hef­te sowie die Ver­öf­fent­li­chung des Buchs ›So nimmt man das Leben mit‹.

All das und noch mehr war dank vie­ler Projektmitarbeiter*innen und Kooperationsparter*innen auch im 36. Jahr des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor e.V. mit so gro­ßem Erfolg mög­lich. Hier­für sagen wir DANKE!

Fotos: Rike Oehlerking
Fotos: Rike Oeh­ler­king

Eure Heimat ist unser Albtraum“

Lesung von Fat­ma Ayd­e­mir und Hen­g­ameh Yag­hoo­bi­fa­rah, Don­ners­tag, 05. Sep­tem­ber 2019
Am Don­ners­tag­abend, 05. Sep­tem­ber, lud das Kuko­on in der Neu­stadt zur Lesung aus dem Essay­band „Eure Hei­mat ist unser Alb­traum“ ein. Gele­sen wur­de von zwei­en der 12 betei­lig­ten Autor*innen, Fat­ma Ayd­e­mir und Hen­g­ameh Yag­hoo­bi­fa­rah, die auch Herausgeber*innen des Buches sind. Beson­ders jun­ge, kul­tur- und poli­tik­in­ter­es­sier­te Per­so­nen waren an der Ver­an­stal­tung inter­es­siert. Somit war das Kuko­on wirk­lich über­füllt und eini­ge muss­ten sogar wie­der gehen, da irgend­wann jeg­li­cher Platz besetzt war und sich das Publi­kum schon auf den Trep­pen und Tischen sam­mel­te und sich auch im hin­te­ren Bereich des Lokals und auf der Büh­ne eng tum­mel­te. Ent­spre­chend des über­füll­ten Rau­mes war es auch sehr warm und sti­ckig, was sich durch den häu­fig erklin­gen­den Wunsch nach Luft und kal­ten Geträn­ken im Publi­kum äußer­te. Den­noch war die Stim­mung sehr posi­tiv, da sich ein ste­ti­ges Sum­men durch die vie­len ange­reg­ten Gesprä­che der Men­schen ver­neh­men ließ.

Um 20 Uhr begann nun die eigent­li­che Ver­an­stal­tung und die bei­den Autor*innen und die Mode­ra­to­rin wur­den mit erwar­tungs­vol­lem Applaus begrüßt. Zu Beginn erzähl­ten die bei­den Autor*innen von der Idee zu dem Werk und erläu­ter­ten die post-migran­ti­sche Per­spek­ti­ve aus der her­aus das Buch geschrie­ben wur­de. Im Fol­gen­den wur­de der Hei­mat­be­griff dis­ku­tiert und die Kri­tik, die der Buch­ti­tel nach der Ver­öf­fent­li­chung aus­ge­löst hat­te. Auch Ste­reo­ty­pe, Vor­ur­tei­le und poli­ti­sche Ereig­nis­se der ent­fern­ten, sowie der noch nicht ganz so ent­fern­ten Ver­gan­gen­heit sprach der gele­se­ne Text und die Dis­kus­si­on an. Die gele­se­nen Tex­te dreh­ten sich außer­dem um Exis­tenz­angst und inwie­weit zum Bei­spiel Silen­cing und Migra­ti­on die eige­ne Iden­ti­tät beein­flus­sen. Zudem wur­de auf den gleich­na­mi­gen Schreib­work­shop mit Fat­ma Ayd­e­mir und Hen­g­ameh Yag­hoo­bi­fa­rah und das damit ver­bun­de­ne The­ma selbst­er­mäch­tig­ten Schrei­bens Bezug genom­men.

Zum Schluss, nach einer Dis­kus­si­on über Queer­ness und „wei­ßen“ Femi­nis­mus bran­de­te tosen­der Applaus auf, was den sowie­so schon begeis­ter­ten spon­ta­nen Bei­fall mit­ten­drin noch ein­mal über­traf. Nach dem Ende des Pro­gram­mes bestand nun die Mög­lich­keit, den bei­den Autor*innen per­sön­lich Fra­gen zu stel­len und ein Exem­plar des vor­ge­stell­ten Buches zu ergat­tern.

Text: Sinik­ka Schulz (Prak­ti­kan­tin im Lite­ra­tur­kon­tor)

Bremen liest!“, Freitag, 30.08.2019, ab 19 Uhr

Das viel­fäl­ti­ge Pro­gramm der bun­ten Ver­an­stal­tung „Bre­men liest!“ bot so eini­ge Mög­lich­kei­ten, den Frei­tag­abend zu genie­ßen. Zum Bei­spiel um 19 Uhr in der gut gefüll­ten Buch­hand­lung Sieg­lin im Vier­tel, wo man die teil­wei­se recht amü­san­ten Kurz­ge­schich­ten von Hei­drun Immen­dorf kos­ten konn­te. Noch mehr Gäs­te hat­ten sich um 20 Uhr in der Hum­boldt Buch­hand­lung ver­sam­melt, was bei dem war­men Wet­ter und der Grö­ße der Buch­hand­lung ein wenig erstaun­lich war. Gegen die etwas höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren hal­fen küh­le Geträn­ke und Knab­ber­zeug sowie die wun­der­vol­le Lesung von Ernes­to Sala­zar-Jimé­nez hin­weg. Er las aus sei­nem Pro­sa­pro­jekt „Leich­tig­keit der Ein­sam­keit“, was sich als genau­so poe­tisch und fein­füh­lig her­aus­stell­te, wie es klingt. Die bemerk­ba­re Unsi­cher­heit des Autors stör­te kaum und ließ ihn nur umso sym­pa­thi­scher erschei­nen. Er brach­te sei­ne Emo­tio­nen mit geflü­gel­ten Wor­ten und hin­rei­ßend bild­haf­ter Spra­che zum Aus­druck.

Um 21 Uhr stand die Lesung von Lui Kohl­mann auf dem Pro­gramm. Da die Buch­hand­lung Bun­ten­tor aller­dings bereits schon bis auf den letz­ten Platz belegt war, ging es direkt wei­ter ins Kuko­on. Dort konn­te man mit einer offe­nen Büh­ne, einem sym­pa­thi­schen Mode­ra­tor und der DJa­ne Gül­ba­har Kül­tür gemüt­lich den Abend aus­klin­gen las­sen. Auch hier boten die gele­se­nen Tex­te eini­ge Gele­gen­hei­ten zum Ein­tau­chen in die Gefühls­wel­ten ihrer Autoren oder Prot­ago­nis­ten. Sie brach­ten einen zum Schmun­zeln und zum Nach­den­ken. Dies war bei den lecke­ren Geträn­ken und der ent­spann­ten, fami­liä­ren Atmo­sphä­re des Kuko­ons ein wirk­lich gelun­ge­ner Abschluss einer tol­len Ver­an­stal­tung.

Text: Sinik­ka Schulz (Prak­ti­kan­tin im Lite­ra­tur­kon­tor)

Wir Strebermigranten“ — Emilia Smechowski (23.08.2019)

Es ist Frei­tag­abend und im Lager­haus haben sich weit über 100 Gäs­te ein­ge­fun­den zur Lesung mit der Autorin Emi­lia Sme­chowsk, die ihr Buch „Wir Stre­ber­mi­gran­ten“ vor­stellt. Dies fin­det im Rah­men der neu­en Lese­rei­he Out Loud statt. Obwohl auf­grund des Zug­ver­kehrs ein wenig zu spät, beginnt Sme­chow­si gekonnt sou­ve­rän und äußerst char­mant mit ihrem Pro­gramm.

Durch die sym­pa­thi­sche Frau fühlt man sich als Zuschauer/Zuhörer per­sön­lich ange­spro­chen und sehr nah dran am Gesche­hen, was nicht zuletzt an der mul­ti­me­dia­len Ein­bin­dung des Publi­kums liegt. Dies geschieht durch ein beson­de­res Pro­gramm auf den Smart­pho­nes der Zuschau­er, mit denen sie Fra­gen beant­wor­ten und auch selbst Fra­gen stel­len kön­nen, wel­che dann mit­hil­fe eines Bea­mers gut sicht­bar auf eine Lein­wand pro­ji­ziert und durch die Mode­ra­to­rin auf­ge­nom­men wer­den. Dadurch kön­nen die Gäs­te nicht bloß als lau­schen­de Wand im ver­dun­kel­ten Hin­ter­grund agie­ren, son­dern auch aktiv par­ti­zi­pie­ren und das Abend­pro­gramm mit­ge­stal­ten.

Beim Titel des vor­ge­stell­ten Wer­kes habe ich mich im Vor­feld gefragt, was die­ser zu bedeu­ten hat. Wie pas­sen die bei­den Wör­ter „Stre­ber“ und „Migrant(en)“ zusam­men? Genau die­se Fra­ge nach den bei­den titel­ge­ben­den Nomen wird durch die Mode­ra­to­rin zu Beginn erör­tert, sodass die Bedeu­tung der bei­den Wor­te schon ein­mal geklärt ist. Im Fol­gen­den wer­den diver­se Fra­gen und The­men bespro­chen, wie zum Bei­spiel die Geschich­te der pol­ni­schen Ein­wan­de­rer­fa­mi­lie sowie die damit ver­bun­de­nen Vor­ur­tei­le und Kon­flik­te, wie bei­spiels­wei­se Sprach­bar­rie­ren. Zudem macht die fol­gen­de Dis­kus­si­on neu­gie­rig auf das The­ma Migra­ti­on in Deutsch­land. Dis­ku­tiert wird außer­dem über die Begrif­fe Hei­mat und Iden­ti­tät, die ­- so Sme­chow­ski — jeder für sich selbst defi­nie­ren müs­se.

Text: Sinik­ka Schulz (Prak­ti­kan­tin im Lite­ra­tur­kon­tor)

MiniLit zu Gast auf dem Zine-Festival

Vom 14. — 16. Juni war das Lite­ra­tur­kon­tor mit sei­ner Mini­Lit-Rei­he zu Gast auf dem zwei­ten Bre­mer Zine-Fes­ti­val im Güter­bahn­hof, das von Kul­tur­netz e.V. und der Hoch­schu­le für Küns­te Bre­men orga­ni­siert wur­de. Das kom­plet­te Wochen­en­de über war das Lite­ra­tur­kon­tor bei dem Fes­ti­val mit einem eige­nen Stand vor Ort und hat dort alle Hef­te vor­ge­stellt und zum kos­ten­lo­sen Mit­neh­men aus­ge­legt. Dar­über hin­aus gab es im Rah­men des Fes­ti­vals drei Lesun­gen mit jeweils zwei Autorin­nen, die bereits Tex­te in der Mini­Lit-Rei­he ver­öf­fent­licht haben.
Am Frei­tag­nach­mit­tag ging es los mit den Lesun­gen von Lau­ra Mül­ler-Hen­nig und Madi­ta Krüg­ler, die unter strah­lend blau­em Him­mel auf der Büh­ne vor dem Tor 40 jeweils eine gute Vier­tel­stun­de für knapp 20 inter­es­sier­te Zuhörer*innen gele­sen haben. Einen Tag spä­ter, am Sams­tag, wur­den die Lesun­gen drin­nen in der Hal­le fort­ge­setzt. Wäh­rend um sie her­um der wuse­li­ge Mes­se­tru­bel an den vie­len ver­schie­de­nen Stän­den wei­ter­ging, lasen Lena Mareen Bruns und Lui Kohl­mann Tex­te aus der Mini­Lit-Rei­he. Den Schluss­punkt setz­ten Jani­ne Lancker und Gian­na Lan­ge am Sonn­tag­nach­mit­tag wie­der auf der klei­nen Open­air-Büh­ne vor 20 bis 25 Zuhörer*innen im Hof des Güter­bahn­hofs. Kurz dar­auf ging auch das zwei­te Zine-Fes­ti­val zu Ende. Es war schön, dabei zu sein. Dan­ke an alle, die das Fes­ti­val auf die Bei­ne gestellt haben.

Wei­te­re Infos zum Fes­ti­val