autorenstipendium

Vergabe des Bremer Autorenstipendium 2019

Zur För­de­rung des lite­ra­ri­schen Nach­wuch­ses ver­gibt der Sena­tor für Kul­tur auch im Jahr 2019 zwei Sti­pen­di­en zu je 2500,- Euro an Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler, die ihren Wohn­sitz in Bremen/Bremerhaven oder dem angren­zen­den Umland haben. Die Sti­pen­di­en sol­len dazu die­nen, bereits begon­ne­ne deutsch­spra­chi­ge lite­ra­ri­sche Arbei­ten fer­tig­zu­stel­len und Autorin­nen und Autoren zu för­dern, deren Arbeit eine lite­ra­ri­sche Befä­hi­gung erken­nen lässt.

Nach der öffent­li­chen Aus­schrei­bung der Sti­pen­di­en haben sich seit Ende Juni 50 Autoren und Autorin­nen um das Sti­pen­di­um bewor­ben – so vie­le wie seit vie­len Jah­ren nicht! Die fünf­köp­fi­ge Jury war von der ins­ge­samt hohen Qua­li­tät der ein­ge­sand­ten Tex­te beein­druckt, lob­te die Viel­falt der Ide­en und Gen­res, muss­te sich schließ­lich aber für zwei der anony­mi­sier­ten Bewer­bun­gen ent­schei­den. Fol­gen­de Ent­schei­dung wur­de dabei getrof­fen:

Das Autoren­sti­pen­di­um 2019 geht an Lau­ra Mül­ler-Hen­nig und an Anne­gret Ach­ner.

Begrün­dung der Jury
In ihrem Roman­pro­jekt „Die Oma im Baum“ erzählt Lau­ra Mül­ler-Hen­nig von der knapp sie­ben­jäh­ri­gen Mona, die am Bre­mer Stadt­rand in finan­zi­ell pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen bei ihrer allein­er­zie­hen­den Mut­ter auf­wächst. In ihrer Erzähl­wei­se lehnt sich die Autorin dabei gekonnt an die Per­spek­ti­ve der Sie­ben­jäh­ri­gen an und ent­fal­tet in Epi­so­den ver­schie­de­ne Erin­ne­run­gen an die Kind­heit ihrer Prot­ago­nis­tin. Vor allem der Tod der Oma und das
Ver­schwin­den ihrer bes­ten Freun­din Esra hin­ter­las­sen Spu­ren in Monas Träu­men, auf Möbeln und in Räu­men. Der Text ist dabei sehr sou­ve­rän und sti­lis­tisch sicher erzählt, er ent­wi­ckelt eine eige­ne Stim­me und eine beein­dru­ckend bild­rei­che, poe­ti­sche Spra­che, mit der die Autorin gekonnt kind­li­che Ima­gi­na­ti­ons­kraft mit blitz­licht­ar­ti­gen Erin­ne­run­gen ver­bin­det. Selbst (oder gera­de) die nüch­ter­ne Unter­su­chung im MRT oder eine Nar­ko­se
wer­den aus der Per­spek­ti­ve der klei­nen Mona zu einer Erin­ne­rung des Wun­der­ba­ren, das sich eben­so in die Lebens­rea­li­tät der Prot­ago­nis­tin ein­fügt wie die fried­li­che Erin­ne­rung, dass sie ihre tote Oma gelas­sen im Trench­coat im Baum sit­zen sieht.

In ihrem Roman­pro­jekt „Bei­fang“ wid­met sich Anne­gret Ach­ner dem hoch­ak­tu­el­len The­ma Über­fi­schung. Vor die­sem Hin­ter­grund ent­wi­ckelt sie eine außer­or­dent­lich span­nend begin­nen­de Kri­mi­nal­ge­schich­te, die auch sti­lis­tisch in ihrer Erzähl­wei­se über­zeugt. Der alte Fischer Knud­sen, sein Nef­fe Enno und der Bio­lo­gie­stu­dent Jan, der ein Prak­ti­kum auf Knud­sens Kut­ter absol­viert, zie­hen bei einem nächt­li­chen Fisch­fang auf der Nord­see eine Lei­che an Bord, die sich im Netz ver­hakt hat. Die­ser „Fang“ ist der Aus­gangs­punkt für einen poli­ti­schen Kri­mi über ille­ga­le Fische­rei, die Machen­schaf­ten der Fisch­ma­fia und das gra­vie­ren­de Umwelt­pro­blem Über­fi­schung. Der Text basiert dabei auf einer offen­bar äußerst gründ­li­chen Recher­che, denn die Autorin scheint sowohl mit dem poli­ti­schen The­ma ver­traut zu sein, als auch mit dem Milieu ihrer Figu­ren, das sehr  authen­tisch wirkt, nicht zuletzt durch das rhyth­mi­sche sprach­li­che Lokal­ko­lo­rit. Zudem gelingt es der Autorin nicht nur, geschickt Span­nung auf­zu­bau­en, son­dern auch im Pro­log ihren kind­li­chen, spä­ter jugend­li­chen
Prot­ago­nis­ten Jan sehr glaub­haft dar­zu­stel­len.

Zu den Autorin­nen

Foto: Marc Stavros
Foto: Marc Stav­ros

Lau­ra Mül­ler-Hen­nig (*1985) hat im Bereich Thea­ter und Film gear­bei­tet, Medi­en­pro­duk­ti­on und Psy­cho­lo­gie stu­diert und wid­met sich seit meh­re­ren Jah­ren ver­schie­de­nen Kunst­pro­jek­ten – u.a. im Blau­mei­er-Ate­lier und in der Film-Koope­ra­ti­ve „com­pa­gnons“.
Eini­ge ihrer Tex­te hat sie in Kunst­ka­ta­lo­gen, Antho­lo­gi­en und Zeit­schrif­ten ver­öf­fent­licht
sowie in der Mini­Lit-Rei­he des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tors. Dort lei­tet sie seit 2018 eine
regel­mä­ßig statt­fin­den­de Schreib­werk­statt für jun­ge Autor*innen (14 – 19 Jah­re). Für eine ihrer Geschich­ten war sie 2016 für den Fried­rich-Glau­ser-Preis in der Spar­te Kurz­kri­mi nomi­niert. Zudem erhielt sie im Früh­jahr 2019 das vom Lite­ra­tur­kon­tor ver­ge­be­ne Sti­pen­di­um für die Bre­mer Pro­sa­werk­statt bei Micha­el Wil­den­hain.

Anne­gret Ach­ner

Foto: privat
Foto: pri­vat

Anne­gret Ach­ner (*1947) hat nach einem Stu­di­um der Anglis­tik und Ger­ma­nis­tik in Bochum, Tübin­gen und St. Andrews über 30 Jah­re im Bre­mer Schul­dienst gear­bei­tet. Zur­zeit unter­rich­tet sie als Dozen­tin für Eng­lisch an der VHS Bre­men-Nord. Seit der Pen­sio­nie­rung und nach der mühe­vol­len Kor­rek­tur von unzäh­li­gen Deutsch­auf­sät­zen fing sie selbst an zu schrei­ben und bil­de­te sich in Schreib­work­shops fort. Eini­ge ihrer Erzäh­lun­gen und Kurz­kri­mis gewan­nen Prei­se bei Schreib­wett­be­wer­ben und erschie­nen in Antho­lo­gi­en – zuletzt im Kri­mi­band „Ost­frie­sisch kri­mi­nel­le Weih­nacht“ (Well­hö­fer Ver­lag, 2019). Anne­gret Ach­ner ist akti­ve Teil­neh­me­rin beim Lite­ra­tur­fest „Gast­ge­ber Spra­che“ in Bre­men-Nord und sie betreibt einen eige­nen Blog, in dem sie regel­mä­ßig Kurz­ge­schich­ten ver­öf­fent­licht (anne-achner.de).

Zur Jury 2019 gehör­ten Dr. Alex­an­dra Tacke (Refe­ren­tin für Lite­ra­tur beim Sena­tor für Kul­tur), PD Dr. Karen Struve (Uni­ver­si­tät Kiel & Vor­stand Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor), Alex­an­dra Rem­pe (Geschäfts­füh­re­rin Buch­hand­lung Storm), PD Dr. Ian Wat­son (frei­er Autor & Vor­stand virt. Lite­ra­tur­haus) und Hel­ge Hom­mers (Jour­na­list & Sti­pen­di­at 2018).

Die Lesung der Sti­pen­dia­ten 2019, bei der sie ihre Pro­jek­te vor­stel­len und Aus­zü­ge lesen wer­den, fin­det Frei­tag, den 10. Janu­ar 2020, um 20 Uhr im Kuko­on, Bun­ten­tor­stein­weg 29, statt. Die Mode­ra­ti­on des Abends über­neh­men Karen Struve und Ian Wat­son.

Aus­zü­ge aus den Manu­skrip­ten der bei­den Sti­pen­dia­tin­nen fin­den Sie hier»

Einen Arti­kel über Lau­ra Mül­ler-Hen­nig fin­den Sie hier»


 

Zur För­de­rung des lite­ra­ri­schen Nach­wuch­ses ver­gibt der Sena­tor für Kul­tur seit 1979/84 jähr­lich zwei Sti­pen­di­en zu (aktu­ell) je 2500,- Euro an Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler, die ihren Wohn­sitz in Bremen/Bremerhaven oder dem angren­zen­den Umland haben.

Im Auf­trag des Sena­tors für Kul­tur betreut das Lite­ra­tur­kon­tor seit vie­len Jah­ren die Ver­ga­be die­ser bei­den Sti­pen­di­en. Das Kon­tor nimmt die Aus­schrei­bung vor, orga­ni­siert und mode­riert die Arbeit der Jury und ver­an­stal­tet für die aktu­ell aus­ge­zeich­ne­ten Stipendiat*innen im Janu­ar eine gemein­sa­me Lesung, zu der sich die bei­den Stipendiat*innen mit der Annah­me des Sti­pen­di­ums ver­pflich­ten.

Die Sti­pen­di­en sol­len dazu die­nen, bereits begon­ne­ne deutsch­spra­chi­ge lite­ra­ri­sche Arbei­ten fer­tig zu stel­len und Autorin­nen und Autoren zu för­dern, deren Arbeit eine lite­ra­ri­sche Befä­hi­gung erken­nen lässt.

Bremer Autorenstipendium 2019

Bewer­bungs­kri­te­ri­en
Die Aus­schrei­bung rich­tet sich aus­schließ­lich an Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler, die ihren Wohn­sitz in Bremen/Bremerhaven oder dem angren­zen­den Umland haben.

Bewer­bun­gen sind nur mit eige­nen unver­öf­fent­lich­ten Tex­ten mög­lich. Wie­der­hol­te Bewer­bun­gen sind mög­lich, nicht jedoch für Autorin­nen und Autoren, die das Autoren­sti­pen­di­um bereits erhal­ten haben.

Die Bewerber*innen sol­len das 18. Lebens­jahr voll­endet haben.

Es kön­nen Tex­te aus den Gat­tun­gen Pro­sa, Lyrik und lite­ra­ri­scher Essay ein­ge­reicht wer­den. Die Jury ent­schei­det anhand von Text­pro­ben, die den Juro­rin­nen und Juro­ren anonym vor­ge­legt wer­den.

Die Sti­pen­di­en sol­len dazu die­nen, bereits begon­ne­ne deutsch­spra­chi­ge lite­ra­ri­sche Arbei­ten fer­tig zu stel­len und Autorin­nen und Autoren zu för­dern, deren Arbeit eine lite­ra­ri­sche Befä­hi­gung erken­nen lässt.

Erwar­tet wer­den Text­pro­ben von maxi­mal 10 Norm­sei­ten (DIN A4, maxi­mal 30 Zei­len à 60 Anschlä­ge, Schrift:12 Punkt) in sechs­fa­cher Aus­fer­ti­gung. Zudem ein Expo­sé im Umfang von einer DIN-A4-Sei­te – bit­te eben­falls in sechs­fa­cher Aus­füh­rung. Hier­in soll das Pro­jekt beschrie­ben sein, in des­sen Zusam­men­hang der ein­ge­reich­te Text steht.

Dar­über hin­aus bit­ten wir um ein Bewer­bungs­schrei­ben in einem ver­schlos­se­nen Brief­um­schlag mit bio-biblio­gra­fi­scher Über­sicht sowie Namen und Adres­se. Umschlag, Text­pro­ben und Expo­sé dür­fen nicht mit dem Namen des Bewer­bers bzw. der Bewer­be­rin ver­se­hen wer­den, son­dern müs­sen statt­des­sen mit einem Kenn­wort gekenn­zeich­net wer­den!

Wir bit­ten, die Bewer­bungs­un­ter­la­gen an fol­gen­de Adres­se zu sen­den:
Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor, Vil­la Ichon, Gothe­platz 4, 28203 Bre­men

Ein­sen­de­schluss ist der 19. August 2019.

Zur Jury 2019 gehö­ren Dr. Alex­an­dra Tacke (Refe­ren­tin für Lite­ra­tur beim Sena­tor für Kul­tur), PD Dr. Karen Struve (Uni­ver­si­tät Kiel & Vor­stand Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor), Alex­an­dra Rem­pe (Geschäfts­füh­re­rin Buch­hand­lung Storm), PD Dr. Ian Wat­son (frei­er Autor & Vor­stand virt. Lite­ra­tur­haus) und Hel­ge Hom­mers (Jour­na­list & Sti­pen­di­at 2018).

Die Namen der Stipendiat*innen wer­den Ende Sep­tem­ber 2019 bekannt gege­ben.

Die aus­ge­zeich­ne­ten Stipendiat*innen ver­pflich­ten sich mit der Annah­me des Sti­pen­di­ums zu einer gemein­sa­men Lesung im Janu­ar, die das Lite­ra­tur­kon­tor orga­ni­siert.

Kon­takt
Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor / Jens Laloire
Vil­la Ichon, Goe­the­platz 4, 28203 Bre­men
Tel.: 0421 327943
E‑Mail: info@literaturkontor-bremen.de
www.literaturkontor-bremen.de

Die Lis­te aller Preisträger*innen fin­den Sie hier»