Tag 1, Montag, 11. Mai 2020

Lie­be Freun­de,

Da ich als zahn­schwit­zen­der Irrer gese­hen wer­den müss­te, wenn ich mich schrift­lich hin­sicht­lich mei­ner Gefüh­le zu Coro­na und den Maß­nah­men äußern wür­de, bin ich mal lie­ber nicht ganz so blö­de. Es ist alles blö­de, wie jeder weiß, und irgend­wann habe ich mich tat­säch­lich an eine von mir längst ver­ges­se­ne halb­fer­ti­ge Erzäh­lung erin­nert, über ein Lie­bes­paar, das auf einer Ame­ri­ka­rei­se zugrun­de geht, und die ein­fach mal wei­ter­ge­schrie­ben. Ich schrei­be gera­de an einem Kapi­tel, in dem das Paar auf eine Grup­pe jun­ger Neo-Hip­pies trifft.

So fängt es an …

Never trust a hip­pie but some parts of the hip­pie dream are true

Bis zum White Moun­tain Natio­nal Park sind es viel­leicht hun­dert Mei­len. Wir kön­nen da eine Nacht blei­ben, dann wei­ter nach Nor­den durch Mai­ne bis nach Kana­da hin­auf, wür­de ich sagen. Also, Neu-Frank­reich. Auch wenn uns da kei­ner ver­steht. Was meinst du?“ Mer­le hebt die Schul­tern und sieht aus dem Fens­ter, und Simon ver­sucht sich zu sagen, dass das eben ein Zei­chen ihrer behaup­te­ten Unkom­pli­ziert­heit ist und nicht etwa Des­in­ter­es­se an sei­nen lang­wei­li­gen Rei­se­plä­nen. Er sagt all das, was er letz­te Nacht über Howard und June gedacht hat. Mer­le fin­det schon, dass es eine Tra­gö­die ist, wenn Lie­ben­de ster­ben, auch wenn sie alt sind und ewig lan­ge zuvor glück­lich leb­ten. Aber sie fin­det außer­dem, dass es von allen Tra­gö­di­en die kleins­te ist.

Mei­ne ers­te Freun­din, wenn du so willst, Hes­ter, hat­te einen ziem­li­chen Hip­pie­touch und Dre­ad­locks. Wir waren in der zehn­ten Klas­se. Ich war fünf­zehn und sie schon sech­zehn, und wir kamen auf Klas­sen­fahrt zusam­men.“

Die, mit der du nur geknutscht hast, weil du dich nicht vor ihr aus­zie­hen woll­test, weil du zurück mit der Puber­tät warst?“ Mer­le grinst, und Simon grinst zurück. Hab ich dir schon erzählt, oder sieht man mir das immer noch an? Egal. Jeden­falls, ich war kein Hip­pie, son­dern ein Nor­ma­lo, und ich war mit fünf wei­te­ren Nor­ma­los auf einem Zim­mer. An jedem lang­wei­li­gen Abend nach Bett­ru­he beno­te­ten wir das Aus­se­hen aller Mäd­chen aus der Klas­se. Alle fan­den, dass Hes­ter eine glat­te sechs war und dass sie sich nicht wäscht und nach Schnod­der riecht.“

Und was hast du dazu gesagt?“

Nichts. Ich hab ihr ne vier gege­ben. Das war auf­fäl­lig genug.“

Ver­ste­he, du Feig­ling.“ Mer­le stößt Simon an. „Und wie sexy fin­dest du die Hip­pies da drü­ben? Glaubst du, die rie­chen nach Schnod­der?“

Ich fin­de die gut.“

Auf der Camp­si­te gegen­über ste­hen zwei bunt bemal­te Vans, aus denen vor­hin lau­ter jun­ge Hip­pies zusam­men­ström­ten. Jetzt sind aller­dings gera­de alle aus­ge­flo­gen.

Eigent­lich hat­ten Simon und Mer­le die White Moun­tains bloß durch­fah­ren wol­len, aber dann haben sie die Hip­pie-Vans gese­hen und sind ihnen aus Spaß gefolgt. Bis hier­her auf den Cold River Camp­ground, und jetzt sind sie Nach­barn.

Ich glau­be, dass alle Hip­pies aller Zei­ten so ziem­lich nach allem rie­chen, was mensch­li­che Kör­per so her­ge­ben“, sagt Simon, „aber auf eine irgend­wie gute Wei­se.“

Du meinst, es ist sexy, wenn spe­zi­ell Hip­pies nach all ihren Kör­per­flüs­sig­kei­ten rie­chen?“

Nicht expli­zit sexy“, wehrt Simon vor­sichts­hal­ber ab, „aber eben auch nicht schlimm.“

Wie­so, weil sie so tol­le und freie Men­schen sind? Also, ich hab schon mal mit Hip­pies in einer WG gewohnt und nie­mand hat je abge­wa­schen oder das Klo geputzt. Fin­dest du Hip­pies auch dann noch gut, wenn du wüss­test, dass ich lau­ter Kama­su­tra-Orgi­en mit ihnen hat­te?“

Simon stutzt. „Was kommt denn jetzt noch?“ Fragt er mit Ban­gen.

Nichts, war nur Quatsch. Erleich­tert?“

Etwas erleich­tert. Aber lie­ber du und tau­send Hip­pies als du und einer mei­ner Klas­sen­ka­me­ra­den aus der zehn­ten Klas­se.“

Fin­de ich auch“, sagt Mer­le.

Und zwar des­halb, weil Hip­pies im All­ge­mei­nen nicht dem düs­te­ren Traum von Erobe­rung nach­ja­gen. Es liegt am Hip­piet­raum. Sie sind so … da sind sie ja wie­der.“ Simon freut sich rich­tig, so wie als klei­ner Jun­ge im Kino, und der heiß ersehn­te Film beginnt.

Aus dem Wald ist Geläch­ter zu hören und hell klin­gen­de jun­ge Stim­men, und Sekun­den spä­ter kom­men die neu­en Nach­barn zwi­schen den Bäu­men her­vor und lau­fen zu ihren Vans. Alle sie­ben Jun­gen und die vier Mäd­chen.

Sie haben bestimmt alle mit­ein­an­der Sex, denkt Simon. Wenn Men­schen Wesen sind, die ent­we­der zu aggres­si­ven Schim­pan­sen oder Bono­bos ten­die­ren, dann ist klar, woher das Hip­pie-Gen kommt.

Seit die ers­ten Hip­pies vor einem hal­ben Jahr­hun­dert auf die­sem Pla­ne­ten auf­schlu­gen, sind sie nie ganz wie­der ver­schwun­den. Und viel­leicht blei­ben sie ja für immer, ganz gleich, wohin sich der gan­ze gro­ße Rest der Welt dreht. Denn es ist etwas am Traum der Hip­pies – eine Sehn­sucht, oder Wahr­heit, oder Schön­heit – das ein­fach nicht ster­ben will und wie ein Bazil­lus des Guten immer wie­der neue Wir­te fin­det.

Und?“, fragt Mer­le. „Sol­len wir jetzt gleich zu ihnen rüber­ge­hen?“

Unbe­dingt.“

Von den jun­gen Hip­pies aus den Vans ist John der bes­te Sän­ger und Gitar­rist, und als das Feu­er rich­tig auf­lo­dert und schon Glut abge­wor­fen hat, spielt und singt nur noch er. Nir­va­na, die Lemon­heads, Shins und Songs aus der Zeit der ers­ten Hip­pies.

Er kann jeden Song, den Mer­le hören will. Und Mer­le ist fas­zi­niert und um so vie­les begeis­ter­ter als bei Simons Vor­le­sen am Seba­go Lake.

Etwas von PJ Har­vey wäre jetzt gut“, sagt Mer­le und John wirft den Kopf etwas zurück, und sein Haar – es ist so lang und dun­kel wie Mer­les Haar – bewegt sich gut­aus­se­hend mit. John nickt und sagt mit sono­rer Stim­me: „Lass mich mal über­le­gen.“

Er muss nur kurz über­le­gen, um dann so gefühl­voll wie gekonnt eine ziem­lich mas­ku­li­ne Ver­si­on von „I can hard­ly wait“ zu brin­gen.

Mer­le war­tet den Applaus der Grup­pe ab, an dem Simon sich ver­hal­ten betei­ligt, um nicht blöd auf­zu­fal­len, und als er ver­ebbt, sagt sie nur: „Wow!“

Simon nickt dem Hip­pie neben ihm, der ihm die Hand auf die Schul­ter gelegt hat, lächelnd zu.

John macht Pau­se. Er möch­te kali­for­ni­schen Rot­wein und einen Joint, von zar­ten Frau­en­hän­den gedreht. Simon hat so sei­ne Beden­ken, aber er lächelt wei­ter. Aus­ge­rech­net John. So wie John Tra­vol­ta, John Way­ne, John Ram­bo oder – was viel­leicht am aller­schlimms­ten ist – Long John Sil­ver. Wie kann ein John ein Hip­pie sein?

Simon denkt ein­mal mehr an Wieb­ke, das rot­haa­ri­ge Mäd­chen von sei­ner Schu­le, das er als Gelieb­te ver­passt hat. Was hat­te sie, die grund­sätz­lich die rich­ti­ge Inter­pre­ta­ti­on für jedes Phä­no­men der Wirk­lich­keit hat­te, im ent­spre­chen­den Ton­fall gesagt? Sie sag­te: Die Hip­pie­be­we­gung hat die Män­ner sexu­ell befreit, nicht die Frau­en.

Simon sieht Mer­le an, die sei­nem Blick aus­zu­wei­chen ver­sucht. Viel­leicht, weil sie frei sein möch­te von ihm.

Hier, für dich“, sagt das wahr­schein­lich jüngs­te Mäd­chen, das sich als Dawn vor­ge­stellt hat, und gibt den schnell und dabei kunst­voll gebau­ten Joint an Mer­le.

Mer­le zieht genuss­voll und gibt ihn wei­ter an natür­lich John, der zufrie­den in den Ster­nen­him­mel schaut. Natür­lich fällt es Simon schwer, den Joint nicht als phal­li­sches Sym­bol zu deu­ten. Er lehnt als Ein­zi­ger ab, bleibt bei sei­nem Wein und schaut in die Run­de.

Alle ande­ren jun­gen Typen hier sind wei­cher als John. Mehr so wie man sich Hip­pies wünscht und weni­ger wie hedo­nis­ti­sche Sur­fer an den Küs­ten Kali­for­ni­ens oder Hawai­is. Zum Bei­spiel Pete – Poor Pete – wie er sich nann­te. Und dann lach­te er wie ein klei­ner Strolch aus Schwarz­weiß­fil­men von frü­her. Er ist der bes­te Freund der zwei Misch­lings­hun­de, die immer um ihn her­um­strei­chen, und jetzt lie­gen sie zusam­men­ge­rollt auf sei­nen Füßen. Ein so net­ter Typ. Mer­le könn­te mit ihm fast tun, was sie woll­te, Simon wäre fast gar nicht böse, aber ihn hat Mer­le nicht ange­se­hen. Oder eben nur freund­lich ange­se­hen. So wie sie die Mäd­chen hier ange­se­hen hat oder deren Freun­de.

Und kei­nes der Mäd­chen hat Simon ange­se­hen, außer der schwe­ren Hip­pie-Lady mit dem mas­si­ven Kör­per­ge­ruch neben ihm, die ihr Bein gegen sei­nes presst.

Wenn Mer­le das sieht, denkt Simon, wird sie was John angeht kei­ne Hem­mun­gen mehr ken­nen. Aber er zieht sein Bein nicht zurück.

Megan heißt die schwe­re Hip­pie-Dame, und ihr Gesicht ist tat­säch­lich wie ein Pfann­ku­chen, aber auch irgend­wie süß, wenn man so will.

Simon ist sich zwar nicht sicher ob er wirk­lich will, aber er ist trot­zig ent­schlos­sen. Er lächelt ihr zu und sie strahlt zurück. Simon spürt den Druck ihres – man kann es gar nicht anders sagen – Flei­sches und presst nun aktiv sein Bein gegen ihr viel dicke­res Bein, das nach­gibt und sich halb um sei­nes legt.

Jetzt sieht Mer­le zu ihm hin und lächelt. Hohn und Spott lie­gen nicht dar­in, auch nichts Gön­ner­haf­tes, son­dern eine Freund­lich­keit, die sie ihm sel­ten schenkt. So wie man einem pla­to­ni­schen Freund zulä­chelt, auf den man sich stets ver­las­sen kann. Oder ist es ein dank­ba­res Lächeln, das so viel heißt wie: Lieb von dir, dass du das auf dich nimmst, damit ich die Par­ty mei­nes Lebens haben kann?

Es gibt vie­le wei­te­re Oder, aber was es auch ist, Simon kann nichts davon gefal­len. Er wirft Mer­le einen Blick zu. Er weiß nicht, wie er gucken soll und wie sein Blick ihm gerät. Viel­leicht fla­ckert dar­in ein biss­chen Zorn und noch ein biss­chen mehr Unsi­cher­heit, aber ganz sicher liegt dar­in kei­ne Über­zeu­gungs- und so über­haupt kei­ne Anzie­hungs­kraft.

Mor­gen mehr …

Tag 2, Dienstag, 12. Mai 2020

Und wei­ter…

Schließ­lich wen­det sich Mer­le wie­der John zu, als der sei­ne Gitar­re gestimmt hat und einen Nir­va­na-Song spielt. „I´m so hap­py cau­se today I found my friends,” singt er, aber kein biss­chen so unschul­dig und anrüh­rend wie damals Kurt Cobain.

Was jetzt? Die­sem John hin­ter­her­stei­gen, wenn er in den Wald geht, um selbst­ver­liebt gegen den größ­ten Baum zu pis­sen, den er fin­den kann? Es wäre sicher nicht schwer, die­sem Typen ein wenig Angst zu machen. Nur wür­de der Typ des­we­gen nicht auf­hö­ren Mer­le zu gefal­len, und pein­lich wäre es auch.

Simon moch­te immer die Geschich­te, in der der ech­te Kurt Cobain den ursprüng­li­chen Nir­va­na-Drum­mer feu­er­te, weil der den Lieb­ha­ber sei­ner Freun­din ver­prü­gelt hat­te. Eine Macker­po­se, die für eine Band wie Nir­va­na untrag­bar war. Simon moch­te die Geschich­te umso mehr, weil dem Blöd­mann durch sein Macker­ver­hal­ten ein Ver­mö­gen ent­ging. Und nie­mand kennt heu­te sei­nen Namen.

John ver­prü­geln geht also nicht, aber der Drang, so macker­haft er auch sein mag, ist da. Und wahr­schein­lich ist es weni­ger pein­lich als hier bloß zu sit­zen und so zu tun, als sei alles halb so wild. Oder viel­leicht fin­det Mer­le ihn sogar sexy, wenn er John nie­der­streckt. Oder ein­fach nur arm­se­lig. Sicher ist nur, im Augen­blick fin­det sie ganz allein John sexy und die sof­te aber durch­drin­gen­de Männ­lich­keit sei­ner Stim­me.

Simon denkt an alte Film­kla­mot­ten, in denen die Eifer­süch­ti­gen wütend und in unfrei­wil­li­ger Komik davon­stap­fen, wenn die Situa­ti­on uner­träg­lich wird. Auch die­sen Drang gibt es, und Simon ver­spürt ihn unver­kenn­bar und stark. Aber das geht natür­lich auch nicht. Viel­leicht wür­de eine unauf­fäl­li­ge Flucht das augen­blick­li­che Scham­ge­fühl lin­dern, aber dafür käme es umso macht­vol­ler und lang­an­hal­ten­der zurück.

Aber eigent­lich muss er nichts tun, denn da ist ja noch Megan direkt neben ihm, deren Kör­per beharr­lich und macht­voll gegen sei­nen drängt. Sie hat sich so unauf­fäl­lig sie konn­te in sei­ne Rich­tung geneigt, ihre Schul­ter drückt schwer gegen sei­ne, und ihre rie­si­ge Brust fällt auf sei­nen Unter­arm. Der Schweiß­ge­ruch, den sie ver­strömt, ist über­wäl­ti­gend.

Jetzt stützt sie sich hin­ter ihm auf ihrem Arm ab und schiebt ihre Hand von hin­ten in sei­ne Hose unter sei­nen Hin­tern, den er bereit­wil­lig hebt. Ihre Hand arbei­tet sich vor, bis ihr dicker Mit­tel­fin­ger gegen sei­nen noch jung­fräu­li­chen Anus drückt, und für Simon fühlt sich das rich­tig an. Rich­tig gut sogar.

Soll John doch wei­ter sin­gen und lass Mer­le ihn doch anschmach­ten. Er wird auf jeden Fall Din­ge tun, die kras­ser sind als das, was Mer­le sich mit John vor­stel­len mag.

Diver­se Songs und eini­ge Joints spä­ter sind die jun­gen Hip­pies end­lich auf die Idee gekom­men, die alle leben­den und toten Hip­pies immer und in jedem Jahr­zehnt ihres Daseins über­kam. Sie sind nachts im Mond­schein durch den Wald zum Fluss gelau­fen, um nackt zu baden.

Alle jun­gen Hip­pies sprin­gen in kind­li­cher Freu­de in den Fluss, und Petes Hun­de lau­fen auf­ge­regt bel­lend mit ihnen. Mer­le und John sind weni­ger kind­lich. Sie gehen neben­ein­an­der bis sie zur Hüf­te im Was­ser sind, dann tau­chen sie gemein­sam ein, wobei ihre Hin­ter­tei­le für einen Moment syn­chron aus dem Was­ser ragen.

Nur Megan und Simon ste­hen noch eini­ge Meter von­ein­an­der ent­fernt am Ufer. Mer­le und John tau­chen gleich­zei­tig auf, lachen, dann schwimmt Mer­le so schnell sie kann zum ande­ren Ufer und John folgt natür­lich so schnell er kann. Er folgt ihr an Land und hin­ter die Bäu­me, hin­ter denen Mer­le gera­de ver­schwun­den ist.

Der Mond scheint über­all hin, beson­ders auf Megan, die sich ihrer ganz beson­de­ren Nackt­heit nicht schämt. Sie ist ent­we­der sehr tap­fer oder so sehr Hip­pie, dass alles Natür­li­che in irgend­ei­ner Wei­se schön für sie ist. Sogar sie selbst, dabei wür­den sich alle Jun­gen und Män­ner auf die­sem Pla­ne­ten, die sie schön fän­den, fra­gen, was wohl nicht mit ihnen stimmt.

Simon weiß genau, was mit ihm nicht stimmt. Er ist wütend, gede­mü­tigt und will Rache. Eigent­lich kei­ne Gefüh­le, die zu sexu­el­ler Span­nung füh­ren, aber er sieht die­se unge­heu­re Frau an und sein Schwanz reagiert.

War­te noch“, sagt er, als Megan sich anschickt ins Was­ser zu stei­gen. „Ich lang­wei­le mich im Was­ser. Ich weiß eigent­lich nie, was ich dar­in machen soll.“

Tag 3, Mittwoch, 13. Mai 2020

Und wei­ter…

Du kannst alles dar­in machen was du willst.“ Sie macht einen wei­te­ren Schritt Rich­tung Fluss, aber Simon ist gleich dar­auf bei ihr und nimmt ihre Hand. „Nein, ich will dich so, wie du jetzt bist“, sagt Simon. Megan schaut ihn fra­gend an, aber geschmei­chelt ist sie auch, das ist sicher. Sie lässt sich von Simon vom Was­ser weg­zie­hen. „Was meinst du mit: so wie ich jetzt bin?“

Simon holt gespielt tief Luft und sagt: „Ich kann dich nicht so rie­chen und schme­cken wie ich möch­te, wenn du erst im Was­ser warst.“

Oh“, sagt Megan.

Also, was sagst du? Macht es dir was aus?“

Nein, wenn du es unbe­dingt willst, wenn es wich­tig für dich ist, dann ist es schon okay.“ Sie nimmt ihre Klei­der, dreht her­um und stapft vor­an, zurück in den Wald, aus dem sie gekom­men sind. Simon folgt ihr.

Hier ist es gut“, hört er Mega­ns Stim­me aus dem Wald. Als Simon hin­ter die Bäu­me tritt, hat sie ihre Klei­der im Moos aus­ge­brei­tet und sich dar­auf nie­der­ge­las­sen.

Simon geht zu ihr, sie fasst mit bei­den Hän­den sei­ne Hüf­ten, zieht ihn zu sich her­an, und es hat etwas Zere­mo­ni­el­les, wie sie ihn mit ihren Lip­pen umschließt, bis er in ihrem Mund explo­diert. Simon wankt einen Schritt zurück. Er lächelt Megan freund­lich an. „Jetzt will ich das bei dir machen.“ Er legt sich hin und schaut in den Nacht­him­mel. Noch sind da Baum­kro­nen und Ster­ne, und es dau­ert, bis Megan sich auf­ge­rich­tet hat, aber schließ­lich steht sie da und ver­schluckt sogar das Mond­licht. Nicht, dass er es anders gewollt hät­te, aber jetzt gibt es nur noch Schwär­ze, die sich nass und schwe­lend auf ihn her­ab­senkt.

Zuletzt kann Simon eine gefühl­te Minu­te lang nicht atmen, und wie unter Was­ser hört er Mega­ns eben­so lang anhal­ten­des Auf­schrei­en, dann ver­schwin­det die Schwär­ze vor sei­nen Augen und Megan lässt sich neben ihm nie­der.

Das war schön“, sagt sie und strei­chelt sei­ne Brust, über die Flüs­sig­kei­ten in sei­ne Bauch­kuh­le lau­fen und dort eine Pfüt­ze bil­den.

Simon bemerkt erst jetzt, wie weich und zart ihre Stim­me ist. Ist das wirk­lich ihre Stim­me, oder ist es der Hip­piet­raum selbst, der die­sen Klang erzeugt? Oder muss man die­se Süße und Sanft­heit schon in sich haben, um für den Traum über­haupt emp­fäng­lich zu sein?

Ich fand es auch schön“, sagt Simon und wun­dert sich über die Weich­heit sei­ner eige­nen Stim­me. Sein Gesicht ist völ­lig von einem Film über­zo­gen, sein Haar ist ver­klebt, alles genau so wie er es sich in sei­nem Rache­durst aus­ge­malt hat­te, aber Megan hat recht, es war eher schön als geil und dre­ckig. Und der star­ke Geschmack in sei­nem Mund passt zum Mond und den Ster­nen über ihm, und in ein paar Stun­den wird er zur auf­ge­hen­den Son­ne pas­sen. Simon will Megan dich­ter an sich her­an­zie­hen, aber das geht nicht so leicht wie mit Mer­le, sie muss ihm dabei sozu­sa­gen assis­tie­ren.

Wie fühlst du dich jetzt?“, fragt sie.

Gut“, sagt Simon, und es stimmt sogar. „Und du?“

Sehr gut. Aber ich habe mich vor­hin am Feu­er schon gut gefühlt. Du warst wütend auf dei­ne Freun­din. Bist du immer noch wütend?“

Im Moment kein biss­chen mehr. Mor­gen viel­leicht schon. Aber so waren immer­hin wir zusam­men.“

Weil du wütend warst? Das wäre ein eher trau­ri­ger Grund für unser Zusam­men­sein, fin­dest du nicht?“

Irgend­wann hat Simon mal gele­sen, dass die Wahr­heit dem Men­schen zumut­bar ist. Er will ehr­lich sein zu Megan, aber nicht so ehr­lich, dass es ihr weh tut. Er legt sei­ne Hand auf ihre, die schwer auf sei­ner Brust liegt. „Ich fin­de schön, dass wir jetzt zusam­men sind, aber ich hät­te es nicht getan, wenn Mer­le nichts gemacht hät­te. Mit nie­man­dem.“

Ver­ste­he. Und willst du noch, dass Mer­le auf dich wütend ist?“

Ich glau­be, ich hät­te es lie­ber, wenn sie nicht wütend auf mich ist.“ Er weiß selbst nicht, ob das auch nur ein biss­chen stimmt. Er selbst fühlt kei­ne Wut, son­dern ist ganz gelas­sen und sogar ein klein wenig high, und das nicht nur weil sei­ne über­gro­ße Gelieb­te so vie­le Spu­ren auf ihm hin­ter­las­sen hat, wie er woll­te. Er kann nur hof­fen, dass Megan, die ihn ja durch­schaut, nicht auf die Idee kommt, dass ihre ver­meint­li­che Unat­trak­ti­vi­tät Teil sei­nes Rache­plans war, aber viel­leicht kommt sie ja als Hip­pie nicht auf so kru­de Ideen, und die­ser Teil­aspekt bleibt sein schmut­zi­ges klei­nes Geheim­nis.

Pete, Dawn und die Ande­ren sind noch immer am Fluss­ufer. Simon kann nicht genau hören, was sie reden, aber ihre Stim­men lie­gen warm und har­mo­nisch über­ein­an­der. Er wür­de gern mit Sicher­heit wis­sen, ob sie so ver­schwo­ren sind wie damals er und sei­ne teil­wei­se ent­schwun­de­nen Kind­heits­freun­de, oder eigent­lich wie unge­bun­de­ne Ato­me, die ein­fach nur in der glei­chen Rich­tung durch den Kos­mos trei­ben, weil ihre Stoß­rich­tung die­sel­be war. Und es kön­nen belie­big vie­le hin­zu­kom­men, ver­lo­ren gehen oder aus­ge­tauscht wer­den. Viel­leicht, denkt er mit Nietz­sche und den India­nern, sind sie so ego­is­tisch wie Her­den­tie­re, die zwar mit­ein­an­der zie­hen, aber eigent­lich hofft jedes Her­den­tier nur auf den Schutz der Her­de und küm­mert sich ansons­ten nicht um die ande­ren Tie­re. Es hofft bloß, dass das Tier neben ihm statt sei­ner geris­sen wird und es selbst flie­hen kann, weil die Raub­tie­re mit dem unglück­li­chen Art­ge­nos­sen beschäf­tigt sind, das ihm die­sen unfrei­wil­li­gen Dienst erwie­sen hat.

Tag 4, Donnerstag, 14. Mai 2020

und wei­ter…

Ande­rer­seits hat Simon Fil­me von kämp­fen­den Zebras gese­hen, die ver­letz­te Tie­re aus der Her­de gegen Löwen ver­tei­di­gen.

Wol­len wir zurück zu den ande­ren gehen?“ Megan küsst ihn auf den Mund und beginnt auf­zu­ste­hen.

Ja, möch­test du? Okay.“ Simon ist schnel­ler auf den Bei­nen, hebt ihre Klei­der auf und gibt sie ihr. Eigent­lich hat er kei­ne Lust zu gehen. Und schon gar nicht will er jetzt Mer­le tref­fen mit ihrem blö­den John.

Wie ist das eigent­lich mit euch? Wollt ihr für immer Hip­pies blei­ben und her­um­zie­hen? Oder wollt ihr zusam­men für euch so etwas wie Eden fin­den und euch da nie­der­las­sen, wenn ihr zu alt für die­ses Leben seid?“

Du fragst dich: Wie lan­ge kann man ein rich­ti­ger Hip­pie sein, bevor das hip­pie­ge­rech­te Eigen­heim kom­men muss?“ Megan zupft ihr Kleid zurecht. „Jetzt gera­de ist mein Ver­trau­en ins Leben noch groß, und ich wür­de sagen, dass ich noch sehr lan­ge so her­um­zie­hen möch­te. Mit mei­nen Leu­ten, so wie du mit Mer­le zusam­men­blei­ben willst, wie ich ver­mu­te.“

Ja, das will ich wohl. Trotz allem.“ Er nimmt ihre Hand, sie gehen so zurück zum Fluss­ufer, und zu sei­ner Erleich­te­rung sind die Ande­ren gera­de im Auf­bruch, und von Mer­le und John ist nichts zu sehen.

Wir gehen zurück“, ruft Dawn ihnen zu. Die Hun­de stür­men her­an, sprin­gen ein­mal an Megan empor und ren­nen zurück zu Pete.

Bis gleich“, ruft Megan zurück, und alle win­ken und gehen wei­ter.

Simon zieht sich an und greift nach sei­nen Ziga­ret­ten. „Weißt du, es war ganz schön takt­voll von dir, dass du nicht zurück­ge­fragt hast, ob Mer­le und ich über­haupt ein rich­ti­ges Paar sind.“

Wie­so, wegen John?“ Megan winkt lachend ab. „Das macht doch nur so viel mit euch, wie du dar­aus machst.“

Ach ja? Klingt ja fast logisch und noch dazu ganz ein­fach. Es war aber Sex.“ Simon hat sei­ne Ziga­ret­te heiß geraucht und tritt sie in den Sand. „Aber noch­mal zu eurer Grup­pe. Magst du jeden von euch? Ich mei­ne, nicht als bro­thers and sis­ters, son­dern so wie er oder sie ist? Jeder für sich?“

Ja, jeden auf sei­ne Art: Auch John, wenn du das wis­sen woll­test. Viel­leicht sogar ganz beson­ders John.“ Sie lächelt.

Simon zieht kräf­tig an der nächs­ten Ziga­ret­te, aber das bewuss­te lan­ge Aus­at­men hilft über­haupt nicht gegen das Zie­hen in der Magen­ge­gend. Er macht einen Schritt auf Megan zu und stoppt, weil er nicht sicher ist, ob er bedroh­lich wirkt. Und das will er auf gar kei­nen Fall. Aller­dings kann er nicht ver­hin­dern, dass ein Knur­ren in sei­ner Stim­me liegt als aus ihm her­vor­bricht: „John ist kei­ner von euch. Jeder wür­de das sofort bemer­ken. Er ist nicht ein­mal ein Hip­pie, der mit euch träumt, son­dern ein beschis­se­nes Role­mo­del, ein selbst­ver­lieb­ter blö­der Macker, wie es ihn über­all auf der Welt in jeder Sze­ne gibt. Wenn ich mich fra­ge, war­um ein Typ wie der zu euch Hip­pies gesto­ßen ist, dann des­halb, weil er von einem Hip­pie, ganz anders als von einem Rap­per, nichts zu befürch­ten hat, wenn er des­sen Freun­din knallt.“

Aber du bist kein Hip­pie. Also wirst du dir das nicht gefal­len las­sen und ihm die Fres­se polie­ren, oder wie ihr das bei euch nennt?“ Mega­ns Stim­me hat einen lau­ern­den und besorg­ten Unter­ton, aber die Sanft­heit ist noch immer da. Ganz im Gegen­satz zu Simons Gebell, das noch immer pein­lich unan­ge­nehm nach­klingt.

Natür­lich nicht“, sagt er so mil­de wie er kann, schaut zu Boden und denkt ein­mal mehr an Wieb­ke Harms, sei­ne ver­pass­te rot­haa­ri­ge Gelieb­te, und ihre The­se von der sexu­el­len Befrei­ung der Män­ner durch das Hip­pie­tum.

Viel­leicht, kommt ihm in den Sinn, sind Hip­pie­män­ner ja ein­fach nur fei­ger als die ande­ren hete­ro­nor­ma­ti­ven Män­ner aus der nor­ma­len Welt. Sie ficken sich durch alle Weib­chen des Rudels und dar­über hin­aus, und geben ein­an­der dann das Peace­zei­chen, um die eigent­lich vor­ge­se­he­nen Revier­kämp­fe nicht aus­tra­gen zu müs­sen.

Komm, gehen wir zurück“, sagt Megan und will ihn mit sich zie­hen. Simon lässt ihre Hand nicht los, rührt sich aber auch nicht vom Fleck, was einen optisch unauf­fäl­li­gen aber fes­ten Kara­te­stand erfor­dert.

Megan lässt los. „Du willst jetzt aber nicht Mer­le und John abfan­gen, oder? Er ist kein biss­chen so, wie du es dir aus­malst.“

Und ich bin kein Axt­mör­der. Ich will jetzt ein­fach nicht zurück zu den ande­ren. Und nicht weil ich sie nicht mag oder sowas. Wenn du dir Sor­gen machst, dass ich John im Fluss erträn­ke, dann bleib doch ein­fach. Ich bin jetzt gern mit dir zusam­men, aber ich will nicht zurück ans Feu­er.“

Klingt okay für mich. Und zu dem, was du vor­hin gesagt hast, von wegen takt­voll. Ich fin­de übri­gens schon, dass ihr ein rich­ti­ges Paar seid, du und Mer­le. Sogar ein sehr schö­nes.“

Ja, fin­dest du? Schö­ner als du und ich. Oder als Mer­le und John? Oder ist jedes Lie­bes­paar schön?“

Ja, jedes ech­te Lie­bes­paar ist schön.“ Megan gibt ihm einen Klaps auf den Hin­tern, der ihn nach vorn Rich­tung Fluss tau­meln lässt, mit dem lin­ken Fuß ins Was­ser.

Lie­be macht schön. Und ihr seid ein schö­nes Paar. Das ist etwas Beson­de­res. Aber nicht weil ihr so beson­ders seid, ver­stehst du? Ihr seid nicht das eine, alles über­strah­len­de Herr­schafts­paar. Oder, hey Sport­ler, willst du mit dei­ner Braut die Num­mer eins sein und alle Lie­bes­tur­nie­re gewin­nen?“

Ich habe einen Nas­sen, denkt Simon. Er tritt mit dem lin­ken Fuß auf, und aus dem Schuh schmatzt es. Bestimmt hat­te er schon andert­halb Jahr­zehn­te lang kei­nen Nas­sen mehr, aber es ist ein ange­nehm ver­trau­tes Gefühl. Er öff­net die Arme ganz weit und legt sie so weit er kann um Megan. „Ich hof­fe schon mein gan­zes Leben lang, dass ich nicht so blöd bin.“

Sei ein­fach nicht blöd“, sagt Megan noch eine Spur wei­cher und wär­mer als sonst. „Und komm bald nach.“

Mei­ne Schwes­ter hat gesagt, dass ich dich wahr­schein­lich hier fin­den wür­de.“ Es ist Johns sof­te und dabei durch­drin­gend männ­li­che Stim­me in sei­nem Rücken. Simon hat ihn kom­men gehört, ist aber reg­los sit­zen­ge­blie­ben und hat wei­ter auf den Fluss und die Bäu­me dahin­ter gestarrt, deren Wip­fel in leich­ter Bewe­gung sind. Genau die Bäu­me, unter denen Mer­le frei­en Hip­pie­s­ex hat­te.

Simon weiß selbst am bes­ten, dass die Ges­te unecht ist und er den stol­zen India­ner spielt und viel­leicht noch mehr den durch den wil­den Wes­ten strei­fen­den Shao­lin Cai­ne aus der Fern­seh­se­rie von frü­her, der immer alles rich­tig mach­te. Aller­dings war Cai­ne, so wei­se und fried­fer­tig er auch war, in jeder Fol­ge dazu gezwun­gen, sei­ne allen über­le­ge­nen Kampf­küns­te zu demons­trie­ren.

Simon hat drei has­ti­ge Ziga­ret­ten geraucht, nach­dem Megan gegan­gen war, dann sah er Mer­le und John am ande­ren Fluss­ufer. Wäh­rend sie durch den Fluss schwam­men, robb­te er rück­wärts hin­ter die ers­te Baum­rei­he zurück und dach­te wütend: Die­se Fle­cken kriegst du nicht mit Was­ser weg. Er sah zu, wie sie ein­an­der abrie­ben, mit­ein­an­der her­um­al­ber­ten, sich end­lich anzo­gen und schließ­lich Rich­tung Camp­ground gin­gen. Erst woll­te er hin­ter­her­schlei­chen, aber dann kehr­te er bloß zum Fluss zurück, um abzu­war­ten ob Mer­le kom­men wür­de.

Was tust du hier? War­um kommst du nicht zu uns?“ Jetzt ist da auch noch Johns Hand, die sich freund­schaft­lich auf sei­ne Schul­ter legt. Du traust dich ja was, denkt Simon. Ich könn­te die­se Hand neh­men und damit machen, was ich woll­te.

Simon fährt in einer plötz­li­chen Bewe­gung empor.

Okay, Mann, das war schnell“, sagt John, der ein paar Schrit­te zurück­ge­wi­chen ist und sich um eine beschwich­ti­gen­de Hal­tung bemüht. Simon ist damit zufrie­den. Er lässt noch ein paar Sekun­den ver­ge­hen, dann sagt er so soft er kann: „Ich woll­te gera­de zu euch, aber jetzt setz du dich doch zu mir.“

Okay.“ John setzt sich und war­tet, ein biss­chen so wie ein Schü­ler ohne Haus­auf­ga­ben vor Unter­richts­be­ginn.

Simon setzt sich ihm gegen­über. „Wer ist denn dei­ne Schwes­ter?“, fragt er und beugt sich etwas vor.

Mei­ne Schwes­ter Megan. Ich glau­be, in ganz bestimm­ter Wei­se kennst du sie bes­ser als ich. Auch wenn ich sie schon mein gan­zes Leben ken­ne.“

Dei­ne Schwes­ter Megan. Meinst du eine von dei­nen vie­len Schwes­tern, weil ihr doch alle Brü­der und Schwes­tern seid?“

Nein, Megan ist mei­ne gro­ße Schwes­ter. Mei­ne rich­ti­ge Schwes­ter, oder mei­ne leib­li­che Schwes­ter, um es ganz deut­lich zu machen. Und ganz sicher ist sie mei­ne über alles gelieb­te Schwes­ter, die alle Schlä­ge mei­nes Stief­va­ters auf sich genom­men hat, die eigent­lich für mich bestimmt waren.“

Oh, ver­ste­he.“ Simon lässt den Mund offen ste­hen, bis sich davor eine Bla­se bil­det, die „Plopp“ macht. Sei­ne Feind­se­lig­keit ver­liert sich, denn auf irgend­ei­ne Wei­se gleicht das die Sache aus. Zumin­dest, wenn man einer ganz bestimm­ten kru­den Män­ner­lo­gik folgt, die er zwar immer gehasst hat, aber die ganz offen­sicht­lich bestim­mend für ihn ist, trotz Curt Cobain, Alter­na­tiv Rock und Phi­lo­so­phie­stu­di­um.

Magst du mei­ne Schwes­ter?“ John fragt das völ­lig offen­her­zig, ohne jeden Unter­ton, höchs­tens, dass so etwas wie Ver­trau­en mit­schwingt. Über­haupt wirkt er kein biss­chen mehr so selbst­ver­liebt wie vor­hin am Lager­feu­er, als er all die Songs raus­hau­te, und viel­leicht war es es auch vor­hin nicht, und der in sei­ner Eitel­keit ver­letz­te Freund Mer­les hat alles häss­lich ver­zerrt wahr­ge­nom­men. Oder John ist jetzt ein­fach nur unsi­cher, ob die­ser Typ aus Deutsch­land, der stumpf und sto­isch am Fluss­ufer vor sich hin­brü­te­te, nicht doch noch um sich schlägt wie sei­ne anti­ken oder auch moder­ne­ren Vor­fah­ren.

Ja, schon“, sagt Simon. „Doch irgend­wie schon ganz schön.“

Das kann kei­ner bes­ser ver­ste­hen als ich“, sagt John lächelnd.

Viel­leicht ist er auf eine ähn­li­che Wei­se erleich­tert wie Simon, oder die­ses archai­sche Erbe drückt ihn ein­fach weni­ger, oder er kennt die­ses Gift gar nicht, oder der Hip­piet­raum war stark genug für eine Art von Exor­zis­mus.

Tag 5, Freitag, 15. Mai 2020

und die letz­te Nacht.…

Was ist mit dir und Mer­le? Auf eine gewis­se Wei­se kennst du sie ja nun so gut wie ich. Magst du sie?“

John zögert. „Ich fin­de sie sehr auf­re­gend und inspi­rie­rend, und sie hat bestimmt eine wei­che Sei­te, aber … tut mir leid, ich fang noch­mal von vor­ne an. Weißt du, Megan und Mer­le haben mir bei­de gesagt, du wür­dest mich im Fluss erträn­ken, wenn ich was Fal­sches sage, und es klang, als wäre es nicht nur ein Witz.“

Schon gut, ich wer­de nicht Mega­ns Bru­der umbrin­gen, und jede ande­re Sze­ne wie zum Bei­spiel, dass ich dich schla­ge, wäre mir zu pein­lich. Also sag schon was du woll­test.“

Okay, ich glau­be das mal.“ John holt tief Luft. Er macht das so unauf­fäl­lig wie mög­lich, und sein Blick ist offen, freund­lich und besorgt. „Weißt du, ich hab gefühlt wie schnell es geht, ihr gefal­len zu wol­len. Sogar ihr zu ver­fal­len. Und ich bin froh, dass es ganz klar ist, dass sie mit dir wei­ter­zie­hen will und dich behal­ten will. Ihr wer­det wei­ter­zie­hen, und nicht sie und ich. Und wenn es dich nicht gäbe und sie allei­ne hier bei uns auf­ge­taucht wäre, ich wür­de alles ver­su­chen, ihr nicht zu ver­fal­len. Ich mei­ne, du weißt es viel bes­ser und fühlst unend­lich viel stär­ker für sie als ich. Du berührst sie und fühlst: Das ist mehr als die gro­ße Lie­be, das ist das wah­re nack­te Leben. Und du willst das alles, aber es ist so viel grö­ßer als du. Du kannst es nicht fas­sen, schon gar nicht fest­hal­ten. Ich mei­ne, du liebst sie und wirst mit ihr zie­hen, aber viel­leicht wäre es bes­ser für dich, du wür­dest Megan lie­ben und bei uns blei­ben. Aber das ist nur so ein Gefühl von mir, und viel­leicht ist es ja auch ver­rückt, und du kannst den Blöd­sinn ver­ges­sen, und Mer­le ist das größ­te Glück, das man haben kann.“

John steht auf und kramt in sei­ner Hosen­ta­sche. „Sor­ry“, sagt er und zieht ein Han­dy her­vor. „Hey, gro­ße Schwes­ter, ich sit­ze hier am Fluss mit dei­nem Lover, und es ist alles cool … nein, er hat mich ver­schont. Er ist sehr cool, und wir kom­men gleich.“ John steckt das Han­dy wie­der weg und reicht Simon die Hand, um ihn empor­zu­zie­hen.

Ihr und Han­dys?“

Na klar, für den Not­fall.“

Wir haben extra kei­ne mit.“

Echt nicht? Jesus … wol­len wir gehen?“

Geh ruhig. Ist ja jetzt alles cool. Ich blei­be noch hier.“

John lässt den aus­ge­streck­ten Arm sin­ken und nickt. „Dach­te ich mir schon. Okay, aber pass gut auf dich auf, ver­spro­chen?“

Pass gut auf sie auf, sag­te Vin­ce ein­dring­lich und sein trau­ri­ger Blick, den Simon vom Mond her zu füh­len glaubt, war nicht ohne Ver­trau­en. Vin­ce, der wei­ter im Süden sei­ne Krei­se zieht, immer sei­ne ver­lo­re­ne Toch­ter vor Augen, für die er nichts mehr tun kann.

Simon ist ein paar hun­dert Meter fluss­auf­wärts gegan­gen, bis er eine Stel­le fand, an der es vie­le fla­che Stei­ne gab, die er bis zum ande­ren Ufer sprin­gen las­sen konn­te. Break on through to the other side, denkt er. Einer nach dem ande­ren auf die ret­ten­de Sei­te.

Auf Mer­le auf­pas­sen und zugleich auf sich selbst war viel­leicht ein zu gro­ßer Wider­spruch, um ihn zu leben. Merk­wür­dig, die­se lebens­klu­gen, prag­ma­ti­schen Rat­schlä­ge von jeman­dem wie John. Wirf dei­ne Lie­be woan­ders hin, sonst ver­glühst du. War das der zen­tra­le Vor­schlag?

Oder gera­de gar nicht merk­wür­dig bei jeman­dem wie John, der vor­gibt, ein Hip­pie zu sein, dabei nichts so rich­tig liebt, son­dern ganz vie­les ein­fach nur ganz geil fin­det. Viel­leicht mit Aus­nah­me sei­ner Schwes­ter Megan.

Simon fin­det einen nahe­zu per­fek­ten Stein, aber er ist miss­mu­tig und wirft ihn has­tig und in einem schlech­ten Win­kel, so dass der Stein ein­fach nur ins Was­ser schießt und still ver­sinkt.

Es gibt da einen alten japa­ni­schen Hai­ku, in dem es heißt: In den alten Teich. Fällt ein Frosch. Plumps. Und Simon kann sich auch den­ken was Cas­ta­ne­das Scha­ma­ne mit mil­der Stren­ge zu ihm gesagt und ihn dazu mit sei­nen Habicht­au­gen durch­leuch­tet hät­te: Du bist wütend und fühlst dich des­halb im Recht, und du nimmst dich so ver­dammt wich­tig.

Es stimmt schon, beschließt Simon. Der Gedan­ke, dass John nichts wei­ter ist als ein ober­fläch­li­cher Par­ty­lö­we, der zufäl­lig auf einer Hip­pie­par­ty lan­de­te, hat mit sei­nem über­stei­ger­ten Gefühl der eige­nen Wich­tig­keit zu tun. Es ist ein Gedan­ke, der auf­plus­tert, häss­lich macht, und wahr­schein­lich sogar völ­li­ger Blöd­sinn ist.

Die­ser John, obwohl jün­ger als er, hat­te ehr­lich besorgt geklun­gen. Sogar so als wüss­te er, wovon er sprach. Und er klang wie ein Freund.

Oder doch nicht, fällt es Simon an, du willst doch nur dei­ne klei­ne See­le beru­hi­gen, indem du dich dem Aggres­sor an den Hals schmeißt.

Simon fin­det einen wei­te­ren fla­chen Stein und wirft ihn. Er kennt die­se gedank­li­chen Quer­schlä­ger, die ihm die Wirk­lich­keit so unge­nieß­bar machen sol­len wie nur mög­lich. Sie kom­men wie ein Schwarm Hor­nis­sen durch ein offen gelas­se­nes Fens­ter, und sie klin­gen auch so. Simon weiß auch, woher sie kom­men. Es sind Stim­men, die erst­mals kurz nach dem Abitur in ihm laut wur­den, als die Visio­nen bezüg­lich sei­nes eige­nen Lebens aus­blie­ben und er nach einer Rei­se durch India­ner­land sein Phi­lo­so­phie­stu­di­um begann. Sie sagen: Du bist ein Bür­ger­kind, dem es immer gut ging. Was du tust und denkst, hat kei­nen Wert, weil du nie für etwas kämp­fen muss­test. Alles was du je errei­chen wirst, wird auch nur ein Geschenk sein. Auf dich allein gestellt wirst du immer ver­sa­gen, und wenn du nicht ver­sagst, hat­test du Hil­fe, die du auch nicht ver­dient hast.

Alles Gedan­ken, die Hand in Hand gehen mit der gefühl­ten Gering­schät­zung, die Mer­le ihm manch­mal ent­ge­gen­bringt.

Aber ande­rer­seits, was könn­te eine von so hef­ti­gen Wesen bewohn­te Frau wie Mer­le dazu trei­ben, mit jeman­dem zusam­men zu sein, den sie ver­ach­tet? Nichts viel­leicht. Wahr­schein­lich nichts, oder ein Abgrund in ihr, den er noch nicht kennt. Aber Spe­ku­la­tio­nen ab ins Feu­er, sag­te David Hume schon vor Jahr­hun­der­ten, und Simon steckt sich eine Ziga­ret­te an und dann noch eine und stellt fest, dass ihn nun kei­ne klei­nen Krämp­fe mehr schüt­teln. Ver­fluch­te Hip­pies, denkt er noch belus­tigt, und vor ihm ist der Fluss und dahin­ter gro­ße Wald­ge­bie­te, die er noch nicht kennt, so wie er den aller­größ­ten Teil der Welt noch nicht kennt. Rie­si­ge Wäl­der, die nach Nor­den hin bis zur Hud­son Bay rei­chen und still ruhen wie viel­leicht gro­ße unent­deck­te Räu­me sei­ner selbst.

Er wird das Ver­spre­chen hal­ten, das er Vin­ce gege­ben hat. Vin­ce, des­sen Umlauf­bahn sie ver­las­sen haben. Vin­ce, der Mer­les Ver­letz­lich­keit sah und Ver­trau­en zu ihm hat­te.

Und was kennt dage­gen John schon von Mer­le außer dem Duft ihrer Möse an einem bestimm­ten Tag, womit er kurz­zei­tig unver­schäm­tes Glück hat­te? Und viel­leicht, höchst­wahr­schein­lich lei­der, hat­te er noch Glück mit ein oder zwei Din­gen, die Mer­le mit ihm ange­stellt hat. Na und? Schon sehr bald wird er sich nicht mehr so rich­tig dar­an erin­nern.

Aber einen wei­te­ren Stich gibt es Simon doch. Er selbst hat immer mehr in die Frau­en und Mäd­chen inves­tiert, die er gekannt hat­te. Er hat nie ver­ges­sen, wovon sie nachts träum­ten, aber ihre Düf­te, so zen­tral sie für ihn auch waren, und das waren sie, sind nicht mehr klar in sei­nen Erin­ne­run­gen.

Aber soll das jetzt irgend­wie tröst­lich für ihn sein? Er ist ja nicht John. Viel­leicht erin­nert John sich nur an die Düf­te und an das, was die dazu­ge­hö­ri­gen Frau­en mit ihm anstell­ten.

Und was weiß der Typ dann nicht? Was abso­lu­te Ver­bun­den­heit ist und das eige­ne Leben für­ein­an­der in die Waag­scha­le wer­fen und die nicht enden­de Lie­be?

Simon geht auf der Suche nach neu­en fla­chen Stei­nen am Fluss­ufer auf und ab und weiß nicht so recht. Howard und June hat­ten all das, aber sind sie jetzt, am Ende, bes­ser dran als John es sein wird, für den Fall, dass er die gan­ze Sache auch wei­ter­hin lässt? So wie Her­mann Hes­ses Gold­mund, der sein Leben lang auf Wan­der­schaft ist und Glücks­frag­men­te sam­melt, aber sie sind am Ende wie bun­te Mosa­ik­stei­ne, die nichts erge­ben, die sich zu kei­nem Mus­ter fügen, zu kei­ner Geschich­te, die einen Sinn ergibt. Und doch hat Hes­se so viel lie­ber über Gold­mund geschrie­ben als über die Sess­haf­ten und Schät­ze Bewah­ren­den, über die letzt­end­lich ja auch Pest und Tod hin­weg­ras­te.

Wuss­te der ster­ben­de Gold­mund, dass er jede Men­ge Schön­heit berührt und gekos­tet hat­te? Aber wenn Gold­mund dank­bar starb – Simon weiß es nicht mehr – dann heißt das auch nur, dass Hes­se sei­nen Lieb­ling nicht ins Lee­re lau­fen las­sen woll­te. Der wun­der­schö­ne Gold­mund, der Suchen­de und Lieb­ha­ber, der alle gro­ßen Gefüh­le kann­te und tief­grün­dig war, wie ein Mensch es nur sein konn­te.

Wenn John so wäre wie Gold­mund, gäbe es kei­ne Schwie­rig­kei­ten. Simon wür­de Mer­le Gold­mund gön­nen und Gold­mund Mer­le, gar kein Pro­blem.

Aber John ist viel­leicht doch in ers­ter Linie ein Lebe­mann in Hip­pie­kos­tü­mie­rung, der stumpf und tough genug ist, sei­nem neben ihm sit­zen­den Tod auf die Schul­ter zu klop­fen und zu sagen: Es ist okay, nimm mich mit und, dan­ke Gott, es war wirk­li­che eine Rie­sen­par­ty, die du für mich geschmis­sen hast.

Und wie abge­klärt wird dage­gen Howard sein, wenn er aus der Sym­bio­se her­aus­ge­ris­sen wur­de? Und wird er dank­bar sein für all die Jah­re der Lie­be, wenn sie unwie­der­bring­lich vor­bei sind? Soll er Junes Geist lie­ben, den er sich selbst her­bei­phan­ta­siert?

Simon!“ Das war Mer­les Stim­me, etwa von dort, wo die Hip­pies vor­hin ins Was­ser gehüpft sind. Dann rufen auch die ande­ren nach ihm.

Ich bin hier“, ruft Simon zurück, weil er nicht belei­digt oder neu­ro­tisch erschei­nen will. „Ich kom­me zu euch.“

Ich kom­me zu euch … hm … Mor­gen beginnt wie­der ein Kin­der­wo­chen­en­de ohne Kin­der, denn Coro­na ist ein Ver­bün­de­ter mei­ner Ex, und es sieht so aus, als wür­de jeder Mas­ken­trä­ger ihr recht geben …

Es heißt ja in vie­len Büchern, Fil­men und Seri­en, dass man sehr auf der Hut sein soll­te, wenn Begrif­fe wie “Soli­da­ri­tät” und “Ver­ant­wor­tung” im Umlauf sind, aber eine glaub­haf­te Ver­schwö­rungs­theo­rie fin­de ich auch nicht.

Tag 1, Montag, 18. Mai 2020

Linier­tes Papier

Ich schrei­be von Hand. Das habe ich lan­ge nicht getan.

An vie­len Mor­gen der letz­ten Wochen habe ich mich wie heu­te hin­ge­setzt mit einer Ruhe, die es in Zei­ten eines nor­ma­len Schul­be­triebs für mich nicht gibt.

Eine gro­ße hand­ge­bun­de­ne Klad­de vor mir. Der Kugel­schrei­ber aus Metall, schwarz und dünn, liegt kühl in mei­ner Hand. Dazu ein ers­ter Kaf­fee.

Es ist nicht so, dass ich im All­tag nicht mit der Hand schrei­ben wür­de. Ganz im Gegen­teil, ich brau­che mei­ne Hand, um schrei­bend und zeich­nend zu den­ken. In mei­nen Denk­pro­zes­sen brei­ten sich Nota­te und klei­ne Scrib­bel über gan­ze Sei­ten aus wie Wol­ken, die auf­quel­len und sich ver­dich­ten, nur begrenzt durch die Kan­ten des Papiers.

Über­haupt ist mir als Illus­tra­to­rin der Stift in der Hand sehr ver­traut.

Aber län­ge­re Tex­te, lite­ra­ri­sche Tex­te und auch Sach­tex­te schrei­be ich seit Lan­gem am Com­pu­ter. Die Bear­bei­tung und der Über­blick sind so viel ein­fa­cher. Alles lässt sich umstel­len, neu kom­bi­nie­ren, kor­ri­gie­ren – und es blei­ben kei­ne ver­wir­ren­den Spu­ren vor­he­ri­ger Ver­sio­nen zurück.

Aber auf dem Papier flie­ßen die Gedan­ken anders und das Inne­hal­ten erscheint mir genuss­vol­ler.

Die Lini­en zie­hen mir gera­de­zu die Gedan­ken aus dem Kopf.

Jetzt also schrei­be ich für den Coro­na-Blog.

Hier geht es letzt­lich um ein digi­ta­les For­mat.

Und so ent­steht wie­der ein­mal die für mich typi­sche Umständ­lich­keit, so als könn­te ich nie ein­fach nur den direk­ten Weg neh­men.

Aber auf Umwe­gen gibt es viel zu ent­de­cken.

Ich lie­be Umwe­ge, auch wenn ich mich manch­mal ver­lau­fe.

Und ich bin viel­leicht ein wenig alt­mo­disch, jeden­falls kon­ser­va­tiv im Sin­ne von bewah­rend.

Ich bin Geschichte(n)sammlerin. Und das möch­te ich auch in den nächs­ten Tagen tun: Geschich­ten­sam­meln, Gedan­ken, Wün­sche, Beob­ach­tun­gen ande­rer, im Hier und Jetzt.
In die­sen außer­ge­wöhn­li­chen Zei­ten.

Tag 2, Dienstag, 19. Mai 2020

Löschen und erin­nern

Ich bin neu­gie­rig auf Men­schen.

Das ist wohl die wich­tigs­te Zutat in mei­nem beruf­li­chen Pot­pour­ri.

In mei­nem Leben über­haupt.

Ich kom­mu­ni­zie­re exzes­siv, nicht sel­ten bis zur Ver­aus­ga­bung.

Gleich­zei­tig ist der Aus­tausch von Gedan­ken und Ideen für mich wesent­li­ches Lebens­eli­xier.

Wir müs­sen Ihnen als Pro­vi­der Ihrer Web­sei­te lei­der mit­tei­len, dass Sie kei­ne wei­te­ren Nach­rich­ten emp­fan­gen kön­nen. Ihr Spei­cher ist voll. Wir emp­feh­len Ihnen zunächst Ihren Müll­ei­mer zu lee­ren.“

Der Müll­ei­mer ist nicht mein Pro­blem. Und end­lich ist ein­mal Zeit, in den Abgrund zu sehen.

Ich arbei­te mich durch 2774 mar­kier­te E‑Mails. Tau­che fast einen gan­zen Tag lang ab in Stim­men aus der Ver­gan­gen­heit, eige­ne und die von ande­ren, samm­le offe­ne Enden ein, schrei­be hier und da eine E‑Mail, um einen Faden wie­der­auf­zu­neh­men. Es ist ein wil­der Mix aus per­sön­li­chen Nach­rich­ten und beruf­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Viel zu vie­le Ideen, um alle zu Ende gedacht zu wer­den. Bei­na­he erschla­gend in ihrer Fül­le.

Aber auch ein Schatz, ein Fun­dus, aus dem ich bewusst und unbe­wusst schöp­fe.

Löschen, löschen, löschen und noch ein­mal löschen, es fällt nicht leicht los­zu­las­sen … und dar­auf zu ver­trau­en, dass wie­der­kommt, was wie­der­kom­men soll.

Um frei zu sein für die Gegen­wart.

Schnitt.

Ich rufe mei­ne ehe­ma­li­ge Nach­ba­rin und Freun­din an. Sie ist 84 Jah­re alt und wohnt in einem Wohn­stift. In der Recher­che­zeit zu mei­nem Buch „Kir­schen­die­be oder als der Krieg vor­bei war“ habe ich vie­le Stun­den mit ihr gespro­chen, mäan­dern­de Gesprä­che, auf den Spu­ren der Erin­ne­rung.

Nun möch­te mich mit ihr über die Gegen­wart unter­hal­ten, dar­über, wie sie die gan­ze Situa­ti­on wahr­nimmt. Wie sich das Leben im Wohn­stift anfühlt, ob es sich ver­än­dert hat, ob die Ein­sam­keit grö­ßer gewor­den ist.

Nein, eigent­lich fühlt sie sich nicht ein­sa­mer.

Sie ver­misst den inten­si­ven per­sön­li­chen Aus­tausch mit ihrer Toch­ter und ihrer Enke­lin — und zwar schmerz­lich. Aber auch im Wohn­stift sind neue For­men der Gemein­schaft auf­ge­keimt. Gemein­sa­me Zwei­er­ri­tua­le, zum Bei­spiel die täg­li­chen zehn Minu­ten auf dem Trai­nings­rad gemein­sam mit einer Freun­din aus dem Haus, ver­we­ge­ne Pick­nicks im Flur, mit Kaf­fee und Rum­mi­kub, wöchent­li­ches Sin­gen im Hof und von den Bal­ko­nen, gemein­sa­me Gym­nas­tik unter frei­em Him­mel. Die Unter­bre­chung der Nor­ma­li­tät belebt, auch hier.

Am Ende kom­men wir im Gespräch auf die 1940er Jah­re zurück. Kriegs­en­de. Der 8. Mai liegt weni­ge Tage zurück. Nur 75 Jah­re ist es her, dass der zwei­te Welt­krieg been­det wur­de. Unvor­stell­ba­re 60 Mil­lio­nen Men­schen hat er das Leben gekos­tet.

Es ist so wich­tig, dass wir uns erin­nern.

Und auch gera­de jetzt darf nicht alles ande­re ins gedank­li­che Hin­ter­tref­fen gera­ten ange­sichts der Coro­na-Pan­de­mie.

Tag 3, Mittwoch, 20. Mai 2020

Umher­flat­tern­de Gedan­ken

Ich bin nicht nur süch­tig nach Kom­mu­ni­ka­ti­on, son­dern nach Input aller Art.

Also lese ich, was mir zwi­schen die Fin­ger kommt.

End­lich ist die Stadt­bi­blio­thek wie­der geöff­net.

Ich strei­fe durch die Eta­gen wie ein aus­ge­hun­ger­tes Tier. Las­se mei­nen Blick über die Buch­rü­cken wan­dern, blei­be hän­gen an Büchern, die im Dis­play ste­hen, schwei­fe durch mei­ne eige­nen Gedan­ken, fol­ge einem Impuls nach dem ande­ren und ste­he am Ende mit einem rie­si­gen Berg von Büchern an der Aus­lei­he. So geht es mir jedes Mal.

Ganz beson­ders lie­be ich es, in den Neu­an­schaf­fun­gen zu stö­bern. Nir­gend­wo in der Biblio­thek gibt es eine wil­de­re The­men­mi­schung als hier. Dicht an dicht. Es ist, als wür­den die Bücher schon von sich aus mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren.

Bel­le­tris­tik, Sach­bü­cher, Lehr­bü­cher, Rei­se­füh­rer, Gedicht­bän­de, Fach­bü­cher, Gra­phic Novels, Koch­bü­cher, Geschichts­bü­cher, Werk­bü­cher, Bild­bän­de …

Mein Geist ver­bin­det sich mit allem und jedem.

Ich ken­ne kaum Gleich­alt­ri­ge, die noch lesen. Die haben gar kei­ne Bücher­re­ga­le“, sagt Zoe, mit der ich mich spä­ter auf einen zwei­stün­di­gen Spa­zier­gang tref­fe, um mich mit ihr über ihre Wahr­neh­mung der Coro­na-Zeit und die Kon­takt­be­schrän­kung aus­zu­tau­schen. Sie ist sech­zehn.

Zoes Aus­sa­ge erin­nert mich dar­an, dass ich vor Kur­zem mei­ner zwölf­jäh­ri­gen Toch­ter vor­schlug, wir könn­ten uns bei­de mit unse­ren Büchern an den Wer­der­see legen und lesen.

Voll pein­lich!“, war ihr Kom­men­tar dazu. Dabei liebt sie es, in Geschich­ten ein­zu­tau­chen.

Ich spü­re zur­zeit mehr, was ich selbst will“, sagt Zoe und erzählt auch davon, dass sie sich in die­sen Wochen ohne nor­ma­len Schul­be­such zum ers­ten Mal rich­tig auf ihre viel jün­ge­ren Geschwis­ter ein­lässt. Es ist ein biss­chen so, als ob sie sie noch ein­mal ganz anders ken­nen­ler­nen wür­de, weil plötz­lich so viel Ruhe und Zeit da ist, ihnen zu begeg­nen, mit ihnen zusam­men zu sein.

Zoe genießt die gemein­sa­me Zeit mit ihrer Fami­lie.

Und doch ist es schwie­rig, dass Jugend­li­che durch die Umstän­de plötz­lich gezwun­gen sind, in den Schoß der Fami­lie zurück­zu­schlüp­fen, obwohl alle Zei­chen auf Abna­be­lung ste­hen.

Für ande­re Jugend­li­che wie­der­um gibt es kei­ne fami­liä­re Gebor­gen­heit, in die sie zurück­keh­ren könn­ten.

Tag 4, Donnerstag, 21. Mai 2020

Über­ra­schung und Erfül­lung

Ich bin Opti­mis­tin, Kri­sen inklu­si­ve.

Ich bin Träu­me­rin, aber schaue Men­schen gera­de­her­aus in die Augen.

Eine „unver­bes­ser­li­che Opti­mis­tin“?

Laut Duden ist der Begriff ein­deu­tig nega­tiv kon­no­tiert, fast schon ein Schimpf­wort.

Zitat: „Du bist viel­leicht ein Opti­mist! Du unter­schätzt die sich erge­ben­den Schwie­rig­kei­ten (o.Ä.).“

Eine „hoff­nungs­lo­se Träu­me­rin“?

Hier die Defi­ni­ti­on von Duden:

Ein Träu­mer ist ein „Mensch, der gern träumt, sei­nen Gedan­ken nach­hängt und mit der Wirk­lich­keit nicht recht fer­tig wird.“

Ich glau­be, dass man rea­le Ver­hält­nis­se „erträu­men“ kann. Das hat mit Ver­trau­en zu tun, mit inne­rer Aus­rich­tung. Und mit der Vor­stel­lung, dass wir alle mit allem ver­bun­den sind.

Natür­lich ist die Welt kein Super­markt, aus dem wir uns nach Lust und Lau­ne bedie­nen kön­nen. Alles ist unend­lich viel kom­ple­xer. Oft wis­sen wir ja nicht ein­mal, was gut für uns ist. Es geht um viel Grund­sätz­li­che­res, sogar Außer­sprach­li­ches. Und des­halb über­rascht uns das Leben mit sei­nen kon­kre­ten Wen­dun­gen. Das ist kein Wider­spruch: Über­ra­schung und Erfül­lung zugleich.

Im Grun­de funk­tio­niert mei­ne gesam­te Beruf­lich­keit so.

Ich bin über­zeugt davon, dass Träu­me ein rie­si­ges Poten­zi­al beinhal­ten.

Indi­vi­du­el­le Träu­me und auch kol­lek­ti­ve Träu­me.

Und des­halb glau­be ich auch dar­an, dass die Mensch­heit in der Lage ist, tief­grei­fen­de Ver­än­de­run­gen her­bei­zu­füh­ren. Auch dem Tod ins Auge zu sehen, ihn wie­der als Teil des Lebens­kreis­laufs zu begrei­fen.

Roman­ti­sie­re ich?

Gibt es nicht unzäh­li­ge Opfer in die­ser Welt? Aus­ge­lie­fert an Krie­ge, tyran­ni­sche Macht­ha­ber, sozia­le Unge­rech­tig­keit, Ras­sis­mus, Krank­heit, Hun­ger, Will­kür, sexu­el­le Gewalt, Schick­sals­schlä­ge, wirt­schaft­li­che Aus­beu­tung, Zen­sur, man­geln­de Bil­dung, Natur­ka­ta­stro­phen …?

Kann ich nur so daher­re­den, weil ich selbst unend­lich pri­vi­le­giert bin?

Aber ich will kei­nen ein­zi­gen Men­schen auf der Welt auf sei­ne Rol­le als Opfer redu­zie­ren, gebannt in die tota­le Hand­lungs­un­fä­hig­keit. Selbst ein­ge­ker­kert, bedroht, im Ange­sicht des Todes, haben sich Men­schen ihre Wür­de bewahrt, haben Zei­chen gesetzt, über sich selbst hin­aus gewirkt.

Ich weiß nicht, ob ich die Kraft hät­te.

Aber ich weiß, dass ich an Wun­der glau­ben will.

Tag 5, Freitag, 22. Mai 2020

Erdenbewohner*innen

Gemein­sa­mes Den­ken kann rich­tig­ge­hend high machen.

Auch von Jonas möch­te ich erfah­ren, wie er die Zei­ten wahr­nimmt. Er ist Neunt­kläss­ler.

Wir spa­zie­ren dis­ku­tie­rend durch die Son­ne. Über das Wehr und am Fluss ent­lang.

Es beein­druckt mich vom ers­ten Moment an, dass wir in einer Art und Wei­se mit­ein­an­der reden, die ich als höchs­te Kunst des Gedan­ken­aus­tauschs bezeich­nen wür­de.

Ein Wort gibt das ande­re, The­sen wer­den in die Welt gesetzt, wie­der in Fra­ge gestellt, Gedan­ken gedreht und gewen­det, gemein­sam von unter­schied­li­chen Sei­ten beleuch­tet. Es ist wie ein Schwin­gen auf einer Wel­len­län­ge und genau­so haben sich unse­re Schrit­te sofort ein­an­der ange­passt.

Dabei kann­ten wir uns bis vor weni­gen Minu­ten noch gar nicht.

Jonas ist unglaub­lich infor­miert über poli­ti­sche Gescheh­nis­se rund um den Erd­ball, wen­dig in sei­nen Gedan­ken­gän­gen. Es macht mir Spaß, mit ihm zu dis­ku­tie­ren.

Mehr als das. Es beglückt mich zu erle­ben, wie er sich als jun­ger Mensch so tief­grei­fen­de Gedan­ken macht, um das Leben vor der eige­nen Haus­tür, um gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen, den Zustand der Welt.

Jonas kennt nur drei bis vier Gleich­alt­ri­ge in sei­nem direk­ten Umfeld, die auch poli­tisch inter­es­siert sind.

Er star­tet bei Trump. Wir reden über den sich bewaff­nen­den Wider­stand gegen die Coro­na-Maß­nah­men in Ame­ri­ka. Und dar­über, ob poli­tisch radi­ka­le Stim­men von offi­zi­el­len Sei­ten im Inter­net ver­drängt wer­den soll­ten in die Unsicht­bar­keit, oder nicht. Wir erkun­den den Vor­schlag einer mög­li­chen „Dean­ony­mi­sie­rung“ des Inter­nets, den Jonas auf­ge­bracht hat.

Und das ist nur ein win­zi­ger Bruch­teil der The­men­krei­se, die wir auf unse­rer Run­de durch­schrei­ten.

Jonas will nicht weg­schau­en, aber er möch­te auch nicht schwarz­se­hen.

Fata­lis­mus bringt nichts.

Ich neh­me jede Men­ge Impul­se aus die­sem Gespräch mit.

Und habe neue Per­spek­ti­ven gewon­nen.

Schnitt.

Zuletzt möch­te ich noch eine Gedenk­mi­nu­te ein­le­gen für Kali, Bru­no-Hen­ri­et­te und Lil­ly. Drei Hüh­ner, die Her­zens­ge­fähr­ten von Leif, Las­se und Janosch in den ver­gan­ge­nen Coro­na-Wochen. Die der Mar­der getö­tet hat. Vor weni­gen Tagen nur.

Eigent­lich woll­te ich ihnen einen gan­zen Tagestext wid­men. Nun ist es anders gekom­men.

Ich glau­be, die Sache mit den Hüh­nern möch­te lie­ber ein gan­zes Kin­der­buch wer­den. Eine Geschich­te vom Leben, von lan­gen gemein­sa­men Wochen, von Annä­he­run­gen, geteil­ten Ent­de­ckun­gen, auch eine Geschich­te vom Ster­ben. Und davon, dass das Leben für die ande­ren wei­ter­geht. Und dass im Her­zen sogar Platz ist für neue Hüh­ner­freund­schaf­ten, auch wenn Kali, Bru­no-Hen­ri­et­te und Lil­ly uner­setz­lich blei­ben.

Schnitt.

Ich blei­be eine unver­bes­ser­li­che Opti­mis­tin und möch­te zual­ler­al­ler­letzt noch zwei Links zu Tex­ten tei­len, die mich in den letz­ten Wochen ermu­tigt haben:

Mary Oli­ver: Wild Geese

http://www.phys.unm.edu/~tw/fas/yits/archive/oliver_wildgeese.html

und

Charles Eisen­stein: Die Krö­nung (The Coro­na­ti­on)

https://charleseisenstein.org/essays/die-kronung/

Artikel & Ausschreibungen

Foto: Rike Oehlerking
Foto: Rike Oeh­ler­king

Die neu­en Pro­jek­te des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tors sind alle gut ange­lau­fen und wer­den toll ange­nom­men. Auch die Pres­se hat bereits eini­ge der Pro­jek­te bespro­chen bzw. Inter­views mit den Pro­jekt­lei­te­rin­nen geführt. Zu die­sen Arti­keln und wei­te­ren Inter­views und Por­träts der ver­gan­ge­nen Mona­te geht es hier»

Zu einem Bei­trag von Radio Bre­men Zwei über unse­ren Blog, die Lyrik-Hot­line und den Brief­aus­tausch geht es hier››

Dar­über hin­aus der Hin­weis, dass wir immer wie­der aus­ge­wähl­te Aus­schrei­bun­gen auf unse­rer Home­page ver­öf­fent­li­chen, wie aktu­ell die Aus­schrei­bung zur Bre­mer Netz­re­si­denz 2020/21 vom vir­tu­el­len Lite­ra­tur­haus Bre­men. Zu den exter­nen Aus­schrei­bun­gen geht es hier››

Bremer Netzresidenz

Zur Förderung der Lite­ra­tur in den Digi­ta­len Medi­en ver­gibt der Ver­ein Bre­mer Lite­ra­tur­haus [virt.] e.V. mit Unterstützung des Sena­tors für Kul­tur alle zwei Jah­re die „Bre­mer Netz­re­si­denz“ als Online-Sti­pen­di­um im vir­tu­el­len Lite­ra­tur­haus Bre­men.

Gefördert wer­den Autorin­nen und Autoren, die bereits auf Veröffentlichungen ver­wei­sen können. Schwer­punkt des Pro­jek­tes soll die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem vir­tu­el­len Medi­um sein. Dabei wird beson­de­rer Wert auf den Ein­satz inno­va­ti­ver lite­ra­ri­scher bzw. künstlerischer Ver­fah­rens­wei­sen gelegt. Online­pro­jek­te, die ihren Fokus auf den Lite­ra­tur­aus­tausch im inter­na­tio­na­len Kon­text legen, wer­den beson­ders gefördert.

Der Auf­ent­halt der/s Bre­mer Netzresidentin/en im vir­tu­el­len Lite­ra­tur­haus beginnt am 01. Okto­ber und endet am 31. Dezem­ber 2020. Im Anschluss wird der Preisträger/die Preisträgerin ein­ge­la­den, ihr/sein Pro­jekt in einer öffentlichen Ver­an­stal­tung in Bre­men und in wei­te­ren Literaturhäusern zu präsentieren. Das Sti­pen­di­um ist ein­ma­lig mit 2.500.- €. dotiert. Eine unabhängige Jury ent­schei­det über die Ver­ga­be. Rei­se­kos­ten wer­den nach Abspra­che übernommen. Ein vierwöchiger Auf­ent­halt im „kunst:raum sylt quel­le“ auf der Insel Sylt wird in Koope­ra­ti­on mit der sylt foun­da­ti­on eben­falls ange­bo­ten.

Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber soll­ten eine kur­ze Pro­jekt­skiz­ze (max. 1 DIN A4- Sei­te) ein­rei­chen, die die Idee des lite­ra­ri­schen Netz­pro­jek­tes überzeugend dar­stellt. Bewer­bungs­schluss ist der 15.06.2020. Pro­jekt­skiz­ze und Kurz­vi­ta sen­den Sie bit­te per e‑Mail an: heike.mueller@literaturhaus-bremen.de

Die „Bre­mer Netz­re­si­denz“ wird rea­li­siert vom vir­tu­el­len Lite­ra­tur­haus Bre­men. Mit freund­li­cher Unterstützung durch den Sena­tor für Kul­tur.

Zu den bis­he­ri­gen Preisträgern gehören Ben­ja­min Lau­ter­bach, Nor­bert Hum­melt, Finn-Ole Hein­rich, Susan­ne Ber­ken­he­ger, Ulri­ke Dra­es­ner, Nora Bossong, Niko­las Hop­pe, Jens Laloire, Bas Böttcher und Sabi­ne Scho.

Lite­ra­tur­haus Bre­men [virt.] e.V.
Oster­tor­stein­weg 53
28203 Bre­men
fon +49–421-45853939
www.literaturhaus-bremen.de

Jedes Gedicht suche ich persönlich für die Person aus“

Foto: Rike Oehlerking
Foto: Rike Oeh­ler­king

Ange­li­ka Sinn, 58, ist freie Autorin, lehrt „Krea­ti­ves Schrei­ben“ an der Uni­ver­si­tät Bre­men und war von 2006 bis 2019 Geschäfts­füh­re­rin des Lite­ra­tur­kon­tors.

taz: Frau Sinn, ab heu­te kann man sich am Tele­fon von Ihnen ein Gedicht vor­tra­gen las­sen. Glau­ben Sie, die Men­schen „trau­en“ sich anzu­ru­fen und sind nicht zu schüch­tern?

Ange­li­ka Sinn: Ich glau­be schon, dass Men­schen anru­fen wer­den und neu­gie­rig sind, was sich hin­ter dem Ange­bot ver­steckt. Ich gehe dabei natür­lich auch von mir selbst aus. Aber die Men­schen haben mehr Zeit, sind zuhau­se und pro­bie­ren viel­leicht auch neue Ange­bo­te aus, es bleibt aber ein Ver­such. Und anonym ist es ja den­noch, bei einer Lesung eine Fra­ge zu stel­len kos­tet den­ke ich mehr Mut.

Gibt es direkt ein Gedicht zu hören oder erst ein kur­zes Gespräch?

Wenn die Men­schen wegen spe­zi­el­len Pro­ble­men oder all­ge­mei­nem Rede­be­darf anru­fen, kann ich nicht hel­fen, aber ich ver­su­che, in einem kur­zen Gespräch zu hor­chen, was die Men­schen ger­ne hät­ten und viel­leicht gera­de brau­chen. Jedes Gedicht suche ich dann per­sön­lich für die Per­son aus.

Das heißt, Ängs­te wegen Coro­na kön­nen dabei auch eine Rol­le spie­len?

Ich möch­te das Wort „trös­ten“ gar nicht ver­wen­den, aber ich ver­su­che schon, Tex­te aus­zu­wäh­len, die nicht unbe­dingt Tod, Ster­ben und Iso­la­ti­on zum The­ma haben, son­dern viel­leicht eher Lie­be, Frei­heit oder auch Rei­sen. Din­ge, die den Men­schen viel­leicht gera­de feh­len.

Sodass Coro­na für einen Moment ver­ges­sen ist?

Ja, viel­leicht etwas zum Träu­men, etwas Auf­mun­tern­des.

Was für AutorIn­nen gehö­ren zu Ihrem Reper­toire?

Ich habe eini­ge in pet­to. Ich per­sön­lich mag Else Las­ker-Schü­ler sehr ger­ne, aber das ist natür­lich auch ein biss­chen düs­ter. Oder auch Rai­ner Maria Ril­ke, Inge­borg Bach­mann, Theo­dor Storm oder Paul Celan.

Wie erle­ben Sie die­se „Kul­tur-Pau­se“ per­sön­lich?

Sehr durch­wach­sen. Man macht sich natür­lich vie­le Gedan­ken, was um einen her­um pas­siert, aber es ist sehr schwie­rig sich schrift­stel­le­risch damit zu befas­sen. Ich bin gera­de an einer ganz ande­ren Arbeit, einem Rei­se­be­richt über Myan­mar und damit träu­me ich mich etwas weg. Als Schrift­stel­le­rin bin ich Home­of­fice, im Ver­gleich zu vie­len ande­ren, ja gewöhnt, aber über die finan­zi­el­le Zukunft macht man sich als Frei­schaf­fen­de natür­lich vie­le Gedan­ken.

Kön­nen Sie der „Coro­na-Zeit“ auch etwas abge­win­nen?

Die Zeit inspi­riert mich eigent­lich nicht direkt, aber dadurch, dass vie­les weg­bricht, hat man die Mög­lich­keit krea­tiv zu wer­den. Ohne die Kon­takt­sper­re oder die Iso­la­ti­on hät­te es die­se Lyrik-Hot­line bei­spiels­wei­se nie gege­ben, die auf den ers­ten Blick viel­leicht etwas alt­mo­disch wirkt, aber eigent­lich eine wirk­lich schö­ne Idee ist.

Lyrik-Hot­line gegen kul­tu­rel­le Iso­la­ti­on. Ab 2. April diens­tags von 18–21 Uhr und don­ners­tags von 15–18 Uhr, unter der Ruf­num­mer 0176 53 56 80 84


Das Inter­view führ­te Sophie Lahu­sen
Es erschient in der taz bre­men, am 1. April 2020
Das Inter­view gibt es auch hier››

Kreativ in der Krise

Foto: Rike Oehlerking
Foto: Rike Oeh­ler­king

Die Autorin Ange­li­ka Sinn ist Frei­be­ruf­le­rin und hat es gera­de nicht leicht. Zusam­men mit dem Bre­mer Lite­ra­tur-Kon­tor hat die Worps­we­derin eine Akti­on gestar­tet, die die Zeit ein Stück bes­ser machen soll.

Worps­we­de. Vie­le Men­schen arbei­ten seit die Coro­na-Maß­nah­men grei­fen im Home-Office – Ange­li­ka Sinn aus Worps­we­de tut das schon seit einem Jahr. Sie ist frei­be­ruf­li­che Autorin und Künst­le­rin. Das macht die aktu­el­le Situa­ti­on nicht ein­fa­cher für sie. „Die Lage ist nicht gera­de rosig“, sagt sie. Ein­nah­men aus Work­shops fal­len weg, kürz­lich hat Sinn ein Buch ver­öf­fent­licht, dafür wur­den die geplan­ten Lesun­gen abge­sagt. Man­ches las­se sich eben nicht online oder am Tele­fon auf­fan­gen.

Ich bemü­he mich, wei­ter­hin krea­tiv zu den­ken“, sagt die Frei­be­ruf­le­rin. Die Arbeit sei gera­de sehr klein­tei­lig, erzählt Sinn, stän­dig tele­fo­nie­re sie hin und her, um Ver­an­stal­tun­gen abzu­sa­gen und neue Ter­mi­ne zu ver­ab­re­den. „Mit den Antrags­for­mu­la­ren für die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung habe ich noch nicht geschafft, mich aus­ein­an­der­zu­set­zen“, sagt Sinn, die auf­grund der Coro­na-Kri­se auch pri­vat vie­les zu erle­di­gen hat.

Lyrik-Hotline für Gedichtliebhaber

Den­noch erfah­re sie gera­de viel Soli­da­ri­tät von den Insti­tu­tio­nen und Stif­tun­gen, mit denen sie zusam­men­ar­bei­te, sagt Sinn. Die sei­en bemüht, dass freie Autoren wie sie wei­ter­hin Auf­trä­ge bekom­men. Einer davon kommt vom Bre­mer Lite­ra­tur-Kon­tor. Ab dem 2. April star­tet Ange­li­ka Sinn dort mit der soge­nann­ten „Lyrik-Hot­line“, die sie sich selbst aus­ge­dacht hat. Anru­fer kön­nen sich unter der Tele­fon­num­mer  0176/ 53 56 80 84 mel­den und sich Gedich­te von Storm, Ril­ke, Bach­mann, Else Las­ker-Schü­ler oder ande­ren Lyri­kern anhö­ren. „Ich spre­che erst mit dem Anru­fer und las­se mir sagen, wor­um sei­ne Gedan­ken gera­de krei­sen und wäh­le dann ein pas­sen­des Gedicht“, erklärt Sinn. Wün­sche kön­ne sie nur bedingt ent­ge­gen­neh­men, „auch mei­ne Biblio­thek ist begrenzt.“

Die Lyrik-Hot­line besetzt Ange­li­ka Sinn jeden Diens­tag von 18 bis 21 Uhr und Don­ners­tag von 15 bis 18 Uhr. Der Anruf ist bis auf die je nach Anbie­ter und Ver­trag anfal­len­den Mobil­funk­ge­büh­ren kos­ten­los.


Den Arti­kel ver­fass­te Patri­cia Frie­dek
Erschie­nen in der Wüm­me-Zei­tung des Weser Kurier, am 2. April 2020
Zum Arti­kel geht es hier››

Mitmachprojekt „Nähe“

Der Weser Kurier interviewt in einer aktuellen Reihe Vertreter der Bremer Kulturszene über die Auswirkungen der Corona-Krise
Der Weser Kurier inter­viewt in einer aktu­el­len Rei­he Ver­tre­ter der Bre­mer Kul­tur­sze­ne über die Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Kri­se

Brief­aus­tausch und Inter­view mit Bet­ty Kolod­zy

Bre­men. Wie kön­nen Men­schen ein­an­der nah sein, jetzt, da Coro­na zu Abstant ver­pflich­tet? Die­ser Gedan­ke war es, der die Bre­mern Schrift­stel­le­rin Bet­ty Kolod­zy zu einem gera­de gestar­te­ten Schreib­pro­jekt inspi­rier­te. Kolod­zy lädt Bre­me­rin­nen und Bre­mer, ob schrei­ber­probt oder nicht, dazu ein, ihr Post zu schi­cken: Tex­te, Post­kar­ten, Gedich­te, Kurz­ge­schich­ten, Minia­tu­ren oder klas­si­sche Brie­fe.

Nur eine Vor­ga­be gibt es: Die Ein­sen­dun­gen soll­ten sich mit dem The­ma „Nähe“ aus­ein­an­der­set­zen. Wer möch­te, dass Kolod­zy ant­wor­tet, soll­te außer­dem sei­ne Adres­se ange­ben. Inter­es­sier­te kön­nen direkt los­le­gen – und das Geschrie­be­ne an Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor, Stick­wort: Pro­jekt „Nähe“, Goe­the­platz 4, 28203 Bre­men schi­cken.

Bet­ty Kolod­zy lebt als freie Autorin in Bre­men und lehrt zudem Krea­ti­ves Schrei­ben an Uni­ver­si­tä­ten, Schu­len, Über­gangs­wohn­hei­men, im Focke- und im Over­beck-Muse­um. Das Schreib­pro­jekt „Nähe“ initi­ier­te sie in Koope­ra­ti­on mit dem Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor. FRK


Von Katha­ri­na Froh­ne
Arti­kel und Inter­view erschie­nen im Weser Kurier

Treffen junger Autor*innen 2020

Gesucht wer­den schrei­ben­de Men­schen im Alter von 11 bis 21 Jah­ren. Gefragt sind selbst geschrie­be­ne Tex­te aus allen Gen­res und zu allen The­men – von Lyrik und Dra­ma­tik über Kurz­pro­sa bis hin zu Poe­try Slam oder expe­ri­men­tel­len Erzähl­for­men. Ein­ge­reicht wer­den kön­nen bis zu zehn Gedich­te oder fünf Text­sei­ten.

Mit der Aus­wahl durch die Jury ist der Wett­be­werb abge­schlos­sen. Der Preis ist die Ein­la­dung zum Tref­fen jun­ger Autor*innen in Ber­lin mit der Über­nah­me sämt­li­cher Kos­ten für die Teil­nah­me. Wei­te­re 20 Autor*innen erhal­ten für ihre Tex­te einen Buch­scheck.

Das Tref­fen jun­ger Autor*innen ver­steht sich als lite­ra­ri­sches Forum, als Ort der Begeg­nung für schrei­ben­de Jugend­li­che. Es bie­tet den Preisträger*innen die Mög­lich­keit, sich sowohl unter­ein­an­der als auch mit bereits eta­blier­ten Schriftsteller*innen und Lektor*innen aus­zu­tau­schen und Kon­tak­te zu knüp­fen. Ihre aus­ge­wähl­ten Tex­te prä­sen­tie­ren sie in einer gemein­sa­men Lesung vor Publi­kum. In täg­li­chen Work­shops wird zusam­men geschrie­ben und Text­kri­tik geübt. In Lek­to­rats­ge­sprä­chen wird der letz­te Fein­schliff an den prä­mier­ten Tex­ten vor­ge­nom­men, die gesam­melt in einer Antho­lo­gie erschei­nen. Die Antho­lo­gie erhal­ten alle Bewerber*innen eines Jahr­gangs kos­ten­los.

Das 35. Tref­fen jun­ger Autor*innen fin­det vom 12. bis 16. Novem­ber 2020 in Ber­lin statt. Bewer­bungs­schluss ist der 15. Juli 2020.

So bewerbt ihr euch: Regis­triert euch auf bewerbung.bundeswettbewerbe. ber­lin und klickt euch dort zum Tref­fen jun­ger Autor*innen durch. Hier könnt ihr eure Bewer­bung erstel­len und eure Tex­te hoch­la­den.

Bekannt­ga­be der Aus­wahl: Mit­te Sep­tem­ber 2020

Infor­ma­tio­nen
Mehr Infor­ma­tio­nen zum Tref­fen jun­ger Autor*innen gibt es auf berlinerfestspiele.de/bundeswettbewerbe.

Kon­takt
Ber­li­ner Fest­spie­le – Tref­fen jun­ger Autor*innen
Scha­per­stra­ße 24
10719 Ber­lin
Tele­fon: +49 30 254 89 213
bundeswettbewerbe@berlinerfestspiele.de

W( )RTMELDUNGEN — Der Literaturpreis für kritische Kurztexte

Wort­mel­dun­gen gesucht!

Die Geschich­te läuft wie­der, nur eben rückwärts.“ Wie erobert Ihr Euch die Zukunft zurück?

Die Crespo Foun­da­ti­on ruft jun­ge Autor*innen dazu auf, sich für den WORTMELDUNGEN-Förderpreis zum The­ma „Die Geschich­te läuft wie­der, nur eben rückwärts.“ Wie erobert Ihr Euch die Zukunft zurück? zu bewer­ben. Die Fra­ge wur­de von Kath­rin Röggla, Trägerin des WORT­MEL­DUN­GEN-Lite­ra­tur­prei­ses 2020, als Auf­ruf an jun­ge Autor*innen for­mu­liert.

Der mit ins­ge­samt 15.000 Euro dotier­te WORTMELDUNGEN-Förderpreis wen­det sich an deutsch­spra­chi­ge Nachwuchsautor*innen bis 30 Jah­re, die Lust dazu haben, sich mit dem The­ma „Die Geschich­te läuft wie­der, nur eben rückwärts.“ Wie erobert Ihr Euch die Zukunft zurück? lite­ra­risch und kri­tisch aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Die Crespo Foun­da­ti­on möchte mit dem WORTMELDUNGEN-Förderpreis jun­ge Autor*innen moti­vie­ren, gesell­schafts­po­li­ti­sche The­men in den Fokus zu neh­men und lite­ra­ri­sche Posi­tio­nen zu aktu­el­len Dis­kur­sen zu ent­wi­ckeln. Im Mit­tel­punkt der Aus­ein­an­der­set­zung steht dabei jedes Jahr eine Fra­ge, die der*die jewei­li­ge Träger*in des WORT­MEL­DUN­GEN-Lite­ra­tur­prei­ses for­mu­liert.

Bewer­bung

Eine Bewer­bung für den WORTMELDUNGEN-Förderpreis ist mit einem noch unveröffentlichten Kurz­text (Essay, Rede, kur­ze Pro­sa, Erzählung) von 4 bis 8 Sei­ten Länge möglich, der sich auf die oben gestell­te Fra­ge bezieht. Die Gat­tung der Rede soll inner­halb des WORTMELDUNGEN-Förderpreises beson­ders gestärkt wer­den. Einer der drei zu ver­ge­ben­den Prei­se wird dar­um eine Rede aus­zeich­nen. Teil­neh­men können deutsch­spra­chi­ge Nachwuchsautor*innen, die nicht älter sind als 30 Jah­re und noch kei­ne eigenständige lite­ra­ri­sche Buch­pu­bli­ka­ti­on (betrifft auch E‑Books) veröffentlicht haben.

Bewer­bungs­schluss ist der 30. Juni 2020.

Ablauf

Eine fünfköpfige Jury, die mit Lektor*innen, Literaturkritiker*innen sowie der Literaturpreisträgerin Kath­rin Röggla besetzt ist, sich­tet die ein­ge­sand­ten gültigen Tex­te und wählt 10 Tex­te für eine Short­list aus. Die­se Tex­te wer­den ab Sep­tem­ber 2020 online unter www.wortmeldungen.org veröffentlicht, um die Viel­falt der unter- schied­li­chen lite­ra­ri­schen Bear­bei­tun­gen des The­mas zu präsentieren. Aus der Short­list wer­den in einer zwei­ten Jury­sit­zung bis zu drei Gewinner*innentexte für den mit ins­ge­samt 15.000 Euro dotier­ten WORTMELDUNGEN- Förderpreis ausgewählt. Die Ent­schei­dung über die Anzahl der zu ver­ge­ben­den Prei­se und die Auf­tei­lung der Preis­sum­me auf die Preisträger*innen ist der Jury vor­be­hal­ten.

Die Crespo Foun­da­ti­on infor­miert die Preisträger*innen Ende Okto­ber 2020 persönlich über die Ent­schei­dung der Jury. Im Anschluss wer­den die Preisträger*innen auf www.wortmeldungen.org und www.crespo-foundation.de sowie in einer Pres­se­mel­dung bekannt gege­ben.

Die WORTMELDUNGEN-Förderpreise wer­den am 21. Novem­ber 2020 im Rah­men einer Lese­nacht aller Short- list-Tex­te ver­lie­hen. Alle Nachwuchsautor*innen der Short­list sind dazu ein­ge­la­den, ihre Tex­te zu präsentieren. Außer­dem ist zur Frank­fur­ter Buch­mes­se im Okto­ber 2020 ein Dis­kus­si­ons­for­mat mit allen Shortlist-Autor*in- nen geplant.

Teil­nah­me­be­din­gun­gen

  • Der Text muss sich mit der Fra­ge­stel­lung „Die Geschich­te läuft wie­der, nur eben rückwärts.“ Wie erobert Ihr Euch die Zukunft zurück? aus­ein­an­der­set­zen. Er darf zwi­schen 4 bis 8 Sei­ten (Schriftgröße 12, 1,5 Zei­len Zei­len­ab­stand) lang sein.
  • Bei dem Text muss es sich um einen noch unveröffentlichten Kurz­text (Essay, Rede, kur­ze Pro­sa, Erzählung) han­deln. Der Rede soll zukünftig beson­de­re Beach­tung zukom­men, indem einer der drei Förderpreise an eine Rede ver­ge­ben wird. Dra­ma­ti­sche Tex­te, Romanauszüge und Lyrik sowie aus- schließ­lich jour­na­lis­ti­sche Tex­te sind von der Bewer­bung aus­ge­schlos­sen.
  • Teil­nah­me­be­rech­tigt sind alle deutsch­spra­chi­gen Nachwuchsautor*innen, die nicht älter sind als 30 Jah­re und noch kei­ne eigenständige lite­ra­ri­sche Buch­pu­bli­ka­ti­on (betrifft auch E‑Books) ver­fasst haben.
  • Die ein­ge­reich­ten Unter­la­gen müssen eine kur­ze Bio­gra­fie des Nachwuchsautors*der Nach­wuchs­au­torin beinhal­ten. In der Text­da­tei dürfen kei­ne Namen der Autor*innen genannt sein.
  • Der Bewer­bung muss das ausgefüllte und unter­schrie­be­ne Form­blatt (abruf­bar unter www.wortmeldungen.org/foerderpreis/preis/) beigefügt sein. Bei Minderjährigen ist das Form­blatt zusätzlich auch von den Erzie­hungs­be­rech­tig­ten zu unter­zeich­nen.
  • Der Text, die Bio­gra­fie und das Form­blatt sind im PDF-For­mat bis zum 30. Juni 2020 bei foerderpreis@wortmeldungen.org ein­zu­rei­chen.

    Kon­takt:
    Dr. San­dra Pop­pe
    foerderpreis@wortmeldungen.org
    Tel. +49 (0)69 27 10 79 521

Lyrik-Hotline gegen die kulturelle Isolation

Foto: Rike Oehlerking

Foto: Rike Oehlerking
Fotos: Rike Oeh­ler­king

Öffent­li­che Lesun­gen fal­len aus — was tun? Ein Buch zur Hand neh­men und sel­ber lesen? Rich­tig! Sich die Auf­zeich­nung einer lite­ra­ri­sche Ver­an­stal­tung anschau­en? Auch gut! Oder: Sie las­sen sich am Tele­fon ein Gedicht vor­tra­gen, per­sön­lich für Sie aus­ge­wählt.

Im April ist die Lyrik-Hot­line des Lite­ra­tur­kon­tors mit der Autorin Ange­li­ka Sinn besetzt.
Diens­tags von 18 bis 21 Uhr und don­ners­tags von 15 bis 18 Uhr erwar­tet sie Ihren Anruf — aus­ge­stat­tet mit einer Aus­wahl von Gedich­ten.
Rufen Sie ger­ne an! Unter die­ser Num­mer hören Sie ein Gedicht: 0176 53 56 80 84.
Los geht es am Don­ners­tag, den 2. April, um 15 Uhr. Zum letz­ten Mal erreich­bar ist die Hot­line am 30. April.

„Lyrik-Hot­line gegen die kul­tu­rel­le Iso­la­ti­on“ wei­ter­le­sen

Wiener Werkstattpreis

Aus­schrei­bungs­be­din­gun­gen 2020/2021

Inten­ti­on: Der unabhängige Wett­be­werb fördert seit 1992 deutsch­spra­chi­ge Nach­wuchs­au­torIn­nen und seit 2019 auch Ama­teur­fo­to­gra­fIn­nen.

Preis­geld: EUR 3.700,-

Lite­ra­tur­prei­se EUR 2.700,-
— Jury­preis EUR 1.100,-
— Publi­kums­preis EUR 800,-
— Son­der­preis der Stadt Wien EUR 800,-

Foto­gra­fie­preis EUR 1.000,-
FZA Werk­statt­preis

Ter­mi­ne:
30. Juni 2020 (Publi­kums­preis für Lite­ra­tur und Son­der­preis der Stadt Wien für Lite­ra­tur)*

*) Auf­grund der aktu­el­len Ereig­nis­se rund um COVID-19 haben sich der Ver­an­stal­ter ent­schlos­sen, den Ein­sen­de­schluss von 30.4.2020 auf 30.6.2020 zu ver­schie­ben. Damit soll inter­es­sier­ten AutorIn­nen die Gele­gen­heit gege­ben wer­den, die aktu­el­le Ereig­nis­se rund um die “Coro­na-Kri­se” im Rah­men ihrer Ein­rei­chung zu berück­sich­ti­gen. Die  Aus­schrei­bung läuft sonst größ­ten­teils unver­än­dert wei­ter; ein­zig der Zeit­plan zum Publi­kums­be­werb wird ange­passt.

30. April 2021, 23:59 h – Teil­nah­me­schluss für Jury­preis für Lite­ra­tur und FZA Werk­statt­preis für Foto­gra­fie

The­ma:
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Teil­nah­me­vor­aus­set­zun­gen Lite­ra­tur:
Es können Kurz­pro­sa-Tex­te bis max. 10.000 Zei­chen (inkl. Leer­zei­chen, ca. 5 S. DIN A4) sowie maxi­mal zehn Gedich­te (max. 30 Zei­len pro Gedicht) ein­ge­reicht wer­den. Eine Kurz­bio­gra­fie (max. 10 Zei­len) ist extra beizufügen. Die Jury emp­fiehlt zur bes­se­ren Vor­be­rei­tung auf den Wett­be­werb die A u s e i n a n d e r — set­zung mit den Textbüchern zu den ver­gan­ge­nen Wett­be­wer­ben*. Die Bücher können per E‑Mail über office@editionfza.at bestellt wer­den. Textbücher, die bis 30. April 2020 bestellt wer­den, ent­hal­ten einen G u t s c h e i n über EUR 5,- für die Teil­nah­me an der Aus­schrei­bung zum Wie­ner Werk­statt­preis 2020/2021.

Alle Beiträge müssen u n v e r ö f f e n t l i c h t sein. Die Teil­nah­me ist weder altersmäßig (Aus­nah­me: Son­der- preis) noch hin­sicht­lich der Nationalität beschränkt.

*) Die Textbücher (tanz.zwischen.welten, Grenzüberschreitung, Fluch­t­raum, Freie Räume, wasser.spiegel kult.ur.sprung) sind um je EUR 12,90 (tanz.zwischen.welten, Grenzüberschreitung, Fluch­t­raum) bzw. 15,90 (Freie Räume) sowie EUR 13,90 (wasser.spiegel, kult.ur.sprung) erhältlich. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu den Büchern fin­den sich auf www.editionfza.at.

Teil­nah­me­vor­aus­set­zun­gen Foto­gra­fie:
Teil­nah­me­be­rech­tigt sind deutsch­spra­chi­ge Ama­teur­fo­to­gra­fIn­nen jeg­li­cher Nationalität. Die Teil­neh­mer müssen über das Urhe­ber­recht der ein­ge­reich­ten Foto­gra­fien verfügen.

Teil­nah­me­ka­te­go­rien:
Die vier Haupt­ka­te­go­rien sind Jury­preis, Son­der­preis, Publi­kums­preis für Lite­ra­tur und FZA Werk­statt­preis für Foto­gra­fie. Gedich­te bzw. Kurz­pro­sa zählen als Unter­ka­te­go­rie der Lite­ra- tur­prei­se. Somit kann ins­ge­samt an sie­ben Kate­go­rien teil­ge­nom­men wer­den: 1. Jury­preis – 1a) Lyrik , 1b) Kurz­pro­sa; 2. Son­der­preis der Stadt Wien – 2a) Lyrik, 2b) Kurz­pro­sa; 3. Publi­kums­preis – 3a) Lyrik, 3b) Kurz­pro­sa; 4. FZA Werk­statt­preis für Foto­gra­fie.

Ein­reich­for­mat:
Lite­ra­tur: Es dürfen Tex­te nur im DOC-For­mat für MS-Word für Win­dows ein­ge­reicht wer­den, oh- ne Hin­weis auf den Urhe­ber. Jeder Bei­trag muss einen T i t e l haben. Wenn es sich um meh­re­re Gedich­te oder Miniaturprosa-Beiträge han­delt, so ist eine Überbezeichnung zu ver­wen­den. Titel bzw. Überbezeich- nung müssen sich klar vom The­men­wort­laut der Aus­schrei­bung unter­schei­den.
Um eine stan­dar­di­sier­te For­ma­tie­rung zu gewährleisten, ist die PC-Schrift­art ARIAL zu ver­wen­den, Schrift- größe 12 pt, Zei­len­ab­stand 1,5, ohne Einrückungen.
Foto­gra­fie: Es können bis zu 10 Digi­tal-Foto­gra­fien im JPEG-For­mat bis maxi­mal 3 MB Dateigröße pro Bild ein­ge­reicht wer­den. Der Datei­na­men darf kei­nen Hin­weis zur Urhe­ber­schaft ent­hal­ten (kei­nen Namen, nur Zif­fern und ein­zel­ne Buch­sta­ben erlaubt).

Ein­reich­mo­dus:
Lite­ra­tur: Die Beiträge sind aus­schließ­lich per Mail ein­zu­rei­chen. Alle Teil­neh­mer erhal­ten inner­halb von 5 Tagen nach Ein­gang eine Teilnahmebestätigung per E‑Mail. Das vollständig ausgefüllte Teil­nah­me- for­mu­lar ist der Ein­rei­chung anzuhängen.
Foto­gra­fie: Die Beiträge sind aus­schließ­lich über E‑Mail ein­zu­rei­chen.

Aus­wahl­mo­dus:
Lite­ra­tur: Son­der­preis: Der Son­der­preis wird als Jury­preis an jun­ge Autorin­nen und Autoren bis inklu­si­ve Jahr­gang 1985 mit Wohn­sitz Wien ver­ge­ben.
Publi­kums­preis: alle Beiträge wer­den am 31. Mai 2020 (bis 23.59 h) online auf www.werkstattpreis.at gestellt. Sicht­bar ist der Titel der ein­ge­reich­ten Arbeit in Form eines Links zum ein­ge­reich­ten Bei­trag. R e- gis­trier­te User können die Arbei­ten bis 30. Juni 2020 per E‑Mail bewer­ten und bis zu drei Favo­ri­ten nomi­nie­ren. Am 15. Juli 2020 wer­den dann auf­grund der Publi­kums­wer­tung die drei best­ge­reih­ten AutorIn­nen zur Abschluss­ver­an­stal­tung ein­ge­la­den. Der Preisträger des Publi­kums­prei­ses (m/f) wird nach der Lesung im Rah­men einer Jury­dis­kus­si­on gekürt. Der Publi­kums­preis wird durch Publi­kums- und Jury­ent­scheid nach einem Punk­te­sys­tem bestimmt.
J u r y p r e i s : Die Aus­wahl erfolgt über Ent­scheid einer dreiköpfigen Jury.
Die Abschluss­ver­an­stal­tung und Preis­ver­lei­hung fin­det für Son­der­preis und Publi­kums­preis Ende Sep­tem­ber bzw. Anfang Okto­ber 2020 mit einer Lesung des Sonderpreisträgers (m/f) sowie der drei nomi­nier­ten AutorIn­nen zum Publi­kums­preis statt. Die Preis­ver­lei­hung für Jury­preis und Foto­gra­fie­preis erfolgt im Herbst 2021. Die Gewin­ner wer­den über www.werkstattpreis.at präsentiert und mit­tels Pres­se­aus­sen­dung an Medi­en und Lite­ra­tur­agen­tu­ren bekannt gege­ben.
Foto­gra­fie: Aus sämtlichen Beiträgen zum FZA Werk­statt­preis für Foto­gra­fie wer­den 30 Foto­gra­fien von einer dreiköpfigen Jury ausgewählt und am 1.8.2021 auf www.werkstattpreis.at online gestellt. Die­se Fotos können dann von regis­trier­ten Benut­ze­rIn­nen bis ein­schließ­lich 31.8.2021 bewer­tet wer­den. Jenes Foto mit den meis­ten Publi­kums­wer­tun­gen gewinnt den FZA Werk­statt­preis und wird am 15.9.2021 über www.werkstattpreis.at ver­laut­bart.

Unkos­ten­bei­trag:
Lite­ra­tur: Pro Teil­nah­me­ka­te­go­rie sind EUR 17,- zu ent­rich­ten. Für Stu­den­ten und Arbeits­su­chen­de ermäßigt sich die­ser Bei­trag nach Vor­la­ge einer ent­spre­chen­den Bestätigung auf EUR 12,-. Bei T e i l n a h m e bis inkl. 28.2.2020 können EUR 2,- pro Kate­go­rie in Abzug gebracht wer­den.
Foto­gra­fie: Für bis zu fünf teil­neh­men­de Foto­gra­fien sind EUR 17,- zu ent­rich­ten, ab 6 bis 10 Foto­gra­fien EUR 30,-.
Der Unkos­ten­bei­trag ist zeit­gleich mit der Ein­sen­dung zu überweisen. Es können nur spe­sen- f r e i e Ü b e r w e i s u n g e n aus EU-Ländern akzep­tiert wer­den. Aus Nicht-EU-Ländern (z. B. Schweiz) kann der Unkos­ten­bei­trag nur in bar oder über Paypal an www.paypal.me/FZA ent­rich­tet wer­den. Mit­glie­der des FZA Club erhal­ten eine Ermäßigung über 25%. Genaue­re Infor­ma­tio­nen zum FZA Club auf https://www.fza.or.at/ueber-fza/club.

Kon­to­ver­bin­dung:
Kon­to­wort­laut: FZAVereinfürKultur
IBAN: AT05 2011 1824 4508 7800
BIC: GIBAATWWXXX
Das Überweisungsdatum ist unbe­dingt auf der Ein­rei­chung anzuführen, um die Bear­bei­tung zu erleich­tern. Soll­ten Überweisungsspesen in Abzug gebracht wer­den, kann die Teil­nah­me nicht akzep­tiert wer­den.

Sons­ti­ges:
Das Copy­right am ein­ge­reich­ten Text ver­bleibt beim Urhe­ber, aus­ge­nom­men davon sind die Tex­te der Preis- träger: Jury‑, Publi­kums­preis- und Sonderpreisträger stim­men zu, dass die Ver­wer­tungs­rech­te für eine Dau­er von 24 Mona­ten ab dem Datum der Preis­ver­lei­hung an den FZA Ver­ein bzw. den ver­eins­ei­ge­nen Ver­lag edi­ti­on fza gehen. Alle Teil­neh­mer erklären sich bis zum 31.12.2021 damit ein­ver­stan­den, dass ihre ein­ge­reich­ten Tex­te gege­be­nen­falls in der Antho­lo­gie zum Wie­ner Werk­statt­preis bzw. im Inter­net auf www.werkstattpreis.at veröffentlicht wer­den. Die Nut­zungs­rech­te des Gewin­n­erfo­tos gehen in das Eigen­tum des FZA Ver­eins über. Mit der Teil­nah­me am Wie­ner Werk­statt­preis akzep­tie­ren die Teil­neh­mer auto­ma­tisch die Aus­schrei­bungs­be­din­gun­gen, die über die Web­sei­te www.werkstattpreis.at als PDF zum Down­load bereit­ge­stellt sind. Der Rechts­weg ist aus­ge­schlos­sen.

Infor­ma­ti­on, Kon­takt und Orga­ni­sa­ti­ons­ver­ant­wor­tung:
FZA Ver­ein für Kul­tur, Kunst und Wis­sen­schaft Peter Scha­den
Hay­mo­gas­se 66
1230 Wien (Österreich)
ZVR 973370059
Tel. 0043 681 103 40 776 info@werkstattpreis.at

Ein­rei­chun­gen:
E‑Mail: jury@werkstattpreis.at

Litko-Schreibwerkstatt für junge Autor*innen ab jetzt online

Foto: Marc Stavros
Foto: Marc Stav­ros

Auch unse­re Schreib­werk­statt für jun­ge Autor*innen fin­det nun online statt. Inter­es­sier­te Jugend­li­che (im Alter von 14 bis 19 Jah­ren) kön­nen sich ab sofort per E‑Mail bei der Pro­jekt­lei­te­rin Lau­ra Mül­ler-Hen­nig mel­den und erhal­ten dar­auf­hin von ihr eine Schreib­an­re­gung. Für dar­aus ent­ste­hen­de Tex­te oder Text­ideen gibt es dann (eben­falls per E‑Mail) ein per­sön­li­ches Feed­back von der Pro­jekt­lei­te­rin, und eine indi­vi­du­ell ange­pass­te zwei­te Schreib­an­re­gung. Mit­ma­chen kön­nen alle, die Lust am Schrei­ben haben, ganz unab­hän­gig von der Text­form. Ob Kurz­ge­schich­ten, Gedich­te, Minia­tu­ren, Song­tex­te oder ande­res – alles ist mög­lich.

Für alle, die dabei sein wol­len: Ein­fach eine Mail schrei­ben an
laura.mueller-hennig@literaturkontor-bremen.de
Die Teil­nah­me ist wie immer kos­ten­los.

 

Nähe­re Infos zur Schreib­werk­statt gibt es hier››

NÄHE in Zeiten von Distanz

Foto: Rike Oehlerking
Foto: Rike Oeh­ler­king
Foto: Kerstin Rolfes
Foto: Kers­tin Rol­fes
Nach knapp 50 Zusen­dun­gen von über 40 Schreiber*innen ist das Pro­jekt Ende April zu Ende gegan­gen.
Einen aus­führ­li­chen Weser Kurier-Arti­kel von Katha­ri­na Froh­ne zum Ver­lauf des Pro­jekts gibt es hier›› 
Ein wei­te­rer Arti­kel zum Pro­jekt ist im deutsch-tsche­chi­schen Online-Maga­zin ›jádu‹ erschie­nen, ver­fasst wur­de er von Janika Rehak. Zu fin­den ist er hier››
Die ursprüng­li­che Aus­schrei­bung gibt es hier››

NÄHE in Zeiten von Distanz

Foto: Rike Oehlerking
Foto: Rike Oeh­ler­king
Nach knapp 50 Zusen­dun­gen von über 40 Schreiber*innen ist das Pro­jekt Ende April 2020 zu Ende gegan­gen.
Einen aus­führ­li­chen Arti­kel des Weser-Kurier zum Ver­lauf des Pro­jekts gibt es hier›› 
Ein wei­te­rer Arti­kel zum Pro­jekt ist im deutsch-tsche­chi­schen Online-Maga­zin ›jádu‹ erschie­nen, ver­fasst wur­de er von Janika Rehak. Zu fin­den ist er hier››

Ein Brief­aus­tausch zwi­schen Bet­ty Kolod­zy und Bremer*innen

in Koope­ra­ti­on mit dem Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor

Wie schafft man Nähe bei einem Abstand von 1,50 bis 2 Metern und Besuchs­ver­bot Sind Kurz­nach­rich­ten oder Sky­pe die Ant­wort auf Social Distancing? Oder könn­te man, in die­ser Zeit des gefühl­ten Still­stands, nicht gleich auf eine aus heu­ti­ger Sicht anti­quier­te Form der Kom­mu­ni­ka­ti­on zurück­grei­fen: auf den Brief­wech­sel, der durch sei­ne ent­schleu­nig­te Geschwin­dig­keit wie das Pen­dant zum gedämm­ten Geräusch­pe­gel aktu­el­ler Städ­te erscheint?

Als beken­nen­de Nicht-Whats­App-Use­rin wagt sich die Bre­mer Schrift­stel­le­rin Bet­ty Kolod­zy in die­ses Expe­ri­ment und freut sich ab sofort über Ihre hand­ge­schrie­be­ne oder getipp­te Post zum The­ma „Nähe“, die sie sehr ger­ne beant­wor­ten wird.

Bit­te sen­den Sie ab heu­te und in den kom­men­den Wochen Ihre Tex­te, Post­kar­ten, Gedich­te, Kurz­ge­schich­ten, Minia­tu­ren oder klas­si­schen Brie­fe an fol­gen­de Adres­se:

Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor, Goe­the­platz 4, 28203 Bre­men

Stich­wort: Pro­jekt „Nähe“

Nicht ver­ges­sen! Den­ken Sie als Absen­der auch dar­an, Ihre eige­ne Adres­se anzu­ge­ben, wenn Sie wol­len, dass Bet­ty Kolod­zy Ihnen ant­wor­tet. Ihre Adres­se wird selbst­ver­ständ­lich ver­trau­lich und dem Daten­schutz­ge­setz ent­spre­chend behan­delt.

Nach über 40 Zusen­dun­gen endet das Pro­jekt am 25. April.

Infor­ma­tio­nen zur Autorin

Foto: Kerstin Rolfes
Foto: Kers­tin Rol­fes

Bet­ty Kolod­zy lebt als freie Autorin in Bre­men. Zusam­men mit dem Tän­zer und Cho­reo­gra­fen Tomas Bün­ger insze­nier­te sie ihren Erzähl­band „Istan­bul Wal­king“ im Thea­ter Bre­men. Für ihren Roman „Lux und Leben“ erhielt sie das Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um (2013), ein Jahr spä­ter den Wie­ner Werk­statt­preis und das Resi­denz­sti­pen­di­um des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tors in den Künst­ler­häu­sern Worps­we­de für den Roman „Im Som­mer kom­men die Flie­gen“. Dar­über hin­aus lehrt sie Krea­ti­ves Schrei­ben an Uni­ver­si­tä­ten, Schu­len und in Über­gangs­wohn­hei­men. 2016 initi­ier­te sie das Pro­jekt „Hei­mat: Spra­che für Men­schen mit Flucht­hin­ter­grund“. 2019 erhielt sie für „Hei­mat: Spra­che für geflüch­te­te Frau­en“ den ers­ten Bre­mer Frau­en­kul­tur­för­der­preis des Sena­tors für Kul­tur.

Offene Schreibzeit mit Jutta Reichelt im Internet

Foto: privat
Foto: pri­vat

Zur­zeit läuft die Offe­ne Schreib­zeit, die wir sonst jeden drit­ten Frei­tag im Monat in der Vil­la Ichon anbie­ten, als offe­ne vir­tu­el­le Schreib­werk­statt auf Jut­ta Rei­chelts Blog. Dort bie­tet die Autorin Schreib­an­re­gun­gen an und tauscht sich mit den Teilnehmer*innen ihrer Schreib­werk­statt über das Schrei­ben aus.

Jut­ta Rei­chelt über die vir­tu­el­le Schreib­werk­statt: ›Mei­ne wich­tigs­te Auf­ga­be sehe ich auch dort dar­in, Men­schen in ihren Schreib­pro­zes­sen zu unter­stüt­zen – durch Schreib­an­re­gun­gen, die es ihnen erleich­tern „ins Schrei­ben“ zu kom­men, durch Tipps bei kon­kre­ten Fra­gen oder Unsi­cher­hei­ten, durch Infor­ma­tio­nen über typi­sche Her­aus­for­de­run­gen des Schreib­pro­zes­ses.‹

Hier geht es zur Offe­nen Schreib­zeit››

Senat beschließt Sofortprogramm zur Unterstützung freischaffender Künstler*innen

Da vie­le frei­schaf­fen­de Künstler*innen bei den vor­han­de­nen För­der­pro­gram­men durchs Ras­ter fal­len, hat der Senat am 31. März 2020 ein Sofort­pro­gramm zur Unter­stüt­zung frei­schaf­fen­der Künstler*innen auf­grund der Aus­wir­kun­gen der Coro­na­vi­rus-Kri­se beschlos­sen. In der För­der­richt­li­nie zum beschlos­se­nen Sofort­pro­gramm heißt es:

In dem Pro­gramm sol­len selb­stän­di­ge Künstler/innen, die wegen der Coro­na­vi­rus-Kri­se nach­ge­wie­se­ne Ein­nah­me­aus­fäl­le seit dem Stich­tag 18. März 2020 infol­ge der Absa­ge von Ver­an­stal­tun­gen oder der Schlie­ßung von Ein­rich­tun­gen haben, eine ein­ma­li­ge, nicht rück­zahl­ba­re Unter­stüt­zung in Höhe von bis zu 2.000 € nach Maß­ga­be die­ser Richt­li­nie erhal­ten kön­nen. Es ste­hen Haus­halts­mit­tel in Höhe von 500.000 € zur Ver­fü­gung.

„Senat beschließt Sofort­pro­gramm zur Unter­stüt­zung frei­schaf­fen­der Künstler*innen“ wei­ter­le­sen

Unterstützung von Autor*innen

Aufgrund der aktu­el­len Ent­wick­lung muss­ten auch wir schwe­ren Her­zens alle lite­ra­ri­schen Ver­an­stal­tun­gen der kom­men­den Wochen absagen (bis mind. Ende Juni).

Unser Ziel ist es, alle Ver­an­stal­tun­gen nach­zu­ho­len und dafür neue Ter­mi­ne zu fin­den, sobald sich die Lage beru­higt hat. Doch selbst wenn uns das gelin­gen soll­te, ändert es nichts dar­an, dass vie­le Autor*innen sowie alle wei­te­ren frei­schaf­fen­den Künstler*innen und Freiberufler*innen aller Art damit umge­hen müs­sen, dass ihnen ihre Ein­nah­men teil­wei­se auf Wochen kom­plett weg­bre­chen.

Die­se Aus­fäl­le las­sen sich in der aktu­el­len Lage nicht kom­pen­sie­ren, und auch nicht in den kom­men­den Mona­ten. Darlehen/Kredite sind in die­ser Situa­ti­on kei­ne wirk­li­che Hil­fe. Daher braucht es ande­re For­men der Unter­stüt­zung wie z.B. ein (tem­po­rä­res) bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men — und des­halb unter­stüt­zen wir fol­gen­de Peti­ti­on, die sich genau dafür ein­setzt! Wer die­se Initia­ti­ve eben­falls unter­stüt­zen will, möge die Peti­ti­on unter­schrei­ben, tei­len und mit Spen­den unter­füt­tern.

https://www.openpetition.de/petition/online/hilfen-fuer-freiberufler-und-kuenstler-waehrend-des-corona-shutdowns‑2

Für freie Autor*innen fin­den sich hier wei­te­re wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen vom VS, der VG Wort und der Kul­tur­be­hör­de.

„Unter­stüt­zung von Autor*innen“ wei­ter­le­sen

Unterstützung von Buchhandlungen

Buch­hand­lun­gen sind zen­tral für die Bre­mer Lite­ra­tur­sze­ne. Sie ver­sor­gen uns nicht nur mit lebens­not­wen­di­gem Lese­stoff, son­dern schaf­fen Auf­merk­sam­keit für ein­zel­ne Bücher und Autor*innen. Sie sind Begeg­nungs- und Ver­an­stal­tungs­orte – ins­be­son­de­re auch für vie­le Bre­mer Autor*innen, die oft in Buch­hand­lun­gen ihre neu­en Bücher vor­stel­len (z.B. im Rah­men einer Bre­mer Buch­Pre­mie­re). Ohne Buch­hand­lun­gen gäbe es zum Bei­spiel auch nicht unse­re Lite­ra­tur­nachtBre­men liest“.

Dar­über hin­aus leis­ten die Buchhändler*innen noch vie­les mehr. Dass sie nun ihre Läden schlie­ßen muss­ten, bedeu­tet für vie­le so gro­ße Umsatz­ver­lus­te, dass sie per­spek­ti­visch in ihrer Exis­tenz bedroht sind.

Des­halb bedarf es der unkom­pli­zier­ten und schnel­len Unter­stüt­zung durch die Bun­des­re­gie­rung. Aber es braucht dar­über hin­aus auch die Unter­stüt­zung aller Leser*innen!

Die meis­ten Buch­hand­lun­gen bie­ten aktu­ell an, dass man tele­fo­nisch oder online bei ihnen Bücher bestel­len kann, die dann gelie­fert wer­den. Bevor wir also auf gro­ße Online-Händ­ler aus­wei­chen, soll­ten wir lie­ber bei den loka­len Buch­hand­lun­gen nach­fra­gen, ob sie momen­tan lie­fern. Je mehr Bücher bestellt wer­den, des­to mehr loh­nen sich die Lie­fe­run­gen auch für die Buchhändler*innen. Hier sind Hams­ter­käu­fe im Sin­ne der Soli­da­ri­tät also durch­aus sinn­voll!

Absage aller Veranstaltungen der kommenden Wochen

Auf­grund der aktu­el­len Ent­wick­lung und der Emp­feh­lun­gen, die von den Behör­den aus­ge­spro­chen wer­den, sagt das Team des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor alle Lesungen/Veranstaltungen der kom­men­den Wochen (bis min­des­tens Ende Juni) ab, bei denen das Lit­ko Ver­an­stal­ter bzw. Koope­ra­ti­ons­part­ner ist.
Wir bedau­ern die Absa­gen sehr, hal­ten sie momen­tan aber für die ein­zig rich­ti­ge Ent­schei­dung. Bei allen Ver­an­stal­tun­gen hof­fen wir natür­lich dar­auf, dass wir sie nach­ho­len kön­nen, sobald sich die Lage beru­higt hat. Bis dahin fin­den eini­ge Ver­an­stal­tun­gen online statt. In unse­rem Kalen­der wird stets Aktu­el­les ange­kün­digt.
Auch wenn die Lesun­gen ent­fal­len, gibt es natür­lich den­noch die Bücher der Autor*innen, die in den kom­men­den Wochen gele­sen hät­ten, in den Bre­mer Buch­hand­lun­gen zu kau­fen. Gera­de in Zei­ten, in denen vie­le Autor*innen Hono­rar­aus­fäl­le ver­kraf­ten müs­sen, wäre es eine schö­ne soli­da­ri­sche Ges­te, ihre Bücher zu kau­fen, um dar­in auf dem hei­mi­schen Sofa oder in der Früh­lings­son­ne zu schmö­kern. Für Frei­schaf­fen­de gibt es außer­dem auf unse­rer Unter­sei­te Info-Mate­ri­al einen Über­blick von För­de­run­gen und Sofort­hil­fen.
Mit herz­li­chen Grü­ßen, das Team des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor!

Bremen liest‹ — 3. Bremer Literaturnacht am 4. September 2020

Am 4. Sep­tem­ber 2020 fin­det zum drit­ten Mal die Lite­ra­tur­nacht ›Bre­men liest‹ statt. Erneut wer­den zahl­rei­che Bre­mer Autor*innen in den Buch­hand­lun­gen in halb­stün­di­gen Lesun­gen ihre Bücher vor­stel­len. Auf­grund der Coro­na-Kri­se sicher­lich in die­sem Jahr in etwas ande­rer Form als in den vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren.
Das kon­kre­te Pro­gramm folgt vor­aus­sicht­lich im Juni oder Juli.

Wei­te­re Infos gibt es hier››

Ulrike Draesner erhält den Preis der LiteraTour Nord 2020

Foto: Dominik Butzmann
Foto: Domi­nik Butz­mann

Als Mit­ver­an­stal­ter der Lite­ra­Tour Nord gra­tu­lie­ren wir ganz herz­lich Ulri­ke Dra­es­ner zum Preis der Lite­ra­Tour Nord 2020!

Die in Ber­lin und Oxford leben­de freie Schrift­stel­le­rin Ulri­ke Dra­es­ner erhält den von der VGH-Stif­tung aus­ge­lob­ten und mit 15.000 Euro dotier­ten Preis der Lite­ra­Tour Nord. Mit die­ser Ent­schei­dung wür­di­gen Jury und Stif­te­rin die Autorin sowohl für ihr bis­he­ri­ges Werk als auch für ihre zuletzt erschie­ne­ne Novel­le „Kanal­schwim­mer“ (mare Ver­lag, 2019).

Wei­te­re Infos gibt es hier››

Ausschreibung für die 3. Bremer Literaturnacht am 4. September 2020

Lie­be Autorin­nen und Autoren,

nach den erfolg­rei­chen ers­ten bei­den Aus­ga­ben von „Bre­men liest!“ öff­nen Bre­mens Buch­hand­lun­gen und Ver­la­ge auch im Jahr 2020 einen Abend lang ihre Türen. Orga­ni­sa­to­ren der 3. Bre­mer
Lite­ra­tur­nacht,
die am Frei­tag, 4. Sep­tem­ber 2020, von vor­aus­sicht­lich 19 bis 24 Uhr statt­fin­det, sind das Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor und Wel­len­schlag Text- und Ver­lags­kon­tor in Koope­ra­ti­on mit dem Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels Nord und dem vir­tu­el­len Lite­ra­tur­haus Bre­men sowie mit freund­li­cher Unter­stüt­zung des Sena­tors für Kul­tur Bre­men und der Bre­mer Lite­ra­tur­stif­tung.

Auch für die drit­te Auf­la­ge der Lite­ra­tur­nacht suchen wir wie­der Bre­mer Autor*innen, die eine halb­stün­di­ge Lesung in einer der betei­lig­ten Buch­hand­lun­gen anbie­ten möch­ten. Sowohl bereits eta­blier­te Literat*innen als auch Nachwuchsautor*innen sind herz­lich ein­ge­la­den. Das The­ma und Gen­re sind frei wähl­bar.

Anmel­dun­gen sind bit­te per Mail an Hel­ge Hom­mers (helge.hommers@literaturkontor-bremen.de) zu rich­ten, der in die­sem Jahr für das Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor alle Anmel­dun­gen ent­ge­gen­nimmt.
Ein­sen­de­schluss ist der 16. März 2020. Fol­gen­de Anga­ben sind not­wen­dig:

  • Wer liest? (Name der Autorin/des Autors)
  • Was soll gele­sen wer­den? (Titel des Textes/Buches). Die Buchhändler*innen wür­den sich freu­en, wenn Autor*innen, die schon ver­öf­fent­licht haben,            aus ihren bereits erschie­ne­nen
    Büchern lesen (statt aus bis­her noch unver­öf­fent­lich­ten Tex­ten). In die­sem Fall bit­te Ver­lag            & Erschei­nungs­jahr ange­ben.
  • Wel­cher Gat­tung & wel­chem Gen­re lässt sich der Text zuord­nen? (Lyrik, Pro­sa, Kri­mi etc.)

Eine Wunsch-Buch­hand­lung für die Lesung anzu­ge­ben, ist lei­der nicht mög­lich, da allein schon die Orga­ni­sa­ti­on und Ver­tei­lung der Mit­wir­ken­den auf die ein­zel­nen Lese­or­te jedes Jahr eine logis­ti­sche Her­aus­for­de­rung dar­stellt. Aller­dings wer­den wir ver­su­chen, Autor*innen, die bereits in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bei „Bre­men liest“ dabei waren, in Buch­hand­lun­gen unter­zu­brin­gen, in denen sie bis­her noch nicht gele­sen haben.

Nach Ein­sen­de­schluss wer­den wir eine Lis­te mit den gesam­mel­ten Anmel­dun­gen erstel­len und den betei­lig­ten Buch­hand­lun­gen vor­le­gen. Die­se wäh­len dann jeweils drei Autor*innen aus, die für sie infra­ge kom­men.

Bis Mit­te Mai erhal­ten alle Autor*innen Bescheid, ob sie an der 3. Bre­mer Lite­ra­tur­nacht teil­neh­men und wenn ja, in wel­cher Buch­hand­lung sie lesen wer­den. Das Hono­rar für die Lesen­den beträgt min­des­tens 100,- Euro pro Lesung (eine geplan­te Erhö­hung auf 150,- Euro ist abhän­gig von der Bewil­li­gung bean­trag­ter Pro­jekt­mit­tel beim Sena­tor für Kul­tur, die auf­grund der lau­fen­den Haus­halts­ver­hand­lun­gen noch aus­steht).

Ansprech­part­ner für Anmel­dung und Nach­fra­gen ist Hel­ge Hom­mers:
helge.hommers@literaturkontor-bremen.de

Wir freu­en uns auf vie­le Anmel­dun­gen und eine span­nen­de 3. Bre­mer Lite­ra­tur­nacht!

Herz­li­che Grü­ße
Gabrie­le Becker (Wel­len­schlag) & Jens Laloire (Lite­ra­tur­kon­tor)

PS: Die­se Aus­schrei­bung darf sehr ger­ne wei­ter­ge­lei­tet wer­den!

Exposés schreiben

Ein Work­shop des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tors mit der Dra­ma­tur­gin und Autorin Regi­na Weber

Wie schrei­be ich ein Expo­sé für einen fik­tio­na­len Stoff, um mich für ein Sti­pen­di­um zu bewer­ben oder mich bei einem Ver­lag oder einer Agen­tur vor­zu­stel­len?

Mit die­sem Work­shop möch­te das Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor sechs Bre­mer Autor*innen die Mög­lich­keit geben, mit geziel­ter dra­ma­tur­gi­scher Unter­stüt­zung und im gegen­sei­ti­gen Aus­tausch ein aus­sa­ge­kräf­ti­ges Expo­sé für ein Roman­pro­jekt zu ent­wi­ckeln.

Einen Tag lang bespre­chen wir in einer klei­nen Grup­pe die Stof­fe. Die Teilnehmer*innen brin­gen ihr bis­her erar­bei­te­tes Expo­sé (1 — 3 Sei­ten) mit und stel­len ihren Stoff vor. Gemein­sam bespre­chen wir den Stand der Din­ge, Stär­ken und Schwä­chen, und ent­wi­ckeln und dis­ku­tie­ren Vor­schlä­ge zur Über­ar­bei­tung und Wei­ter­ent­wick­lung der Expo­sés. Nicht nur die lei­ten­de Dra­ma­tur­gin, son­dern auch die ande­ren Teilnehmer*innen brin­gen ihre Fra­gen und Ideen ein, um die Expo­sés wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Bis zum zwei­ten Ter­min wer­den alle Expo­sés über­ar­bei­tet und ein zwei­tes Mal dis­ku­tiert. Ziel des Work­shops ist ein aus­sa­ge­kräf­ti­ges Expo­sé, mit dem sich die Autor*innen für ein Sti­pen­di­um bewer­ben oder das sie bei einem Ver­lag oder einer Agen­tur ein­rei­chen kön­nen.

Dead­line für die Bewer­bung ist der 24.2.2020. Bis dahin müs­sen die Expo­sés vor­lie­gen. Eine Woche vor dem ers­ten Work­shop-Ter­min (7.3.) wer­den alle Bewerber*innen benach­rich­tigt und bekom­men die aus­ge­wähl­ten Teilnehmer*innen die Expo­sés der fünf ande­ren zuge­schickt – mit der Bit­te, sie bis zum Work­shop gründ­lich zu lesen.

Ter­mi­ne:             Sams­tag, den 7. und 28. März 2020 jeweils von 10 bis 17 Uhr

Ort:                       Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor, Vil­la Ichon, Goe­the­platz 4, 28203 Bre­men.

Der Work­shop wird orga­ni­siert durch das Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor und ist für Mit­glie­der des Ver­eins kos­ten­los. Ande­re Bremer*innen zah­len einen Unkos­ten­bei­trag von 25,- Euro für bei­de Ter­mi­ne.

Bewer­bun­gen mit den voll­stän­di­gen Kon­takt­da­ten (Name, Anschrift, Tele­fon, E‑Mail-Adres­se) und dem Expo­sé (als PDF) bit­te per E‑Mail an fol­gen­de Adres­se schi­cken: info@literaturkontor-bremen.de

Kon­takt: Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor / Jens Laloire, Vil­la Ichon, Goe­the­platz 4, 28203 Bre­men,
Tel.: 0421 327943, E‑Mail: info@literaturkontor-bremen.de, www.literaturkontor-bremen.de

Regi­na Weber ist nach vie­len Jah­ren als Redak­teu­rin (ARD, ZDF) als frei­be­ruf­li­che Film- und Fern­seh­dra­ma­tur­gin tätig und hat zahl­rei­che Seri­en, TV- Spiel­fil­me und Kino­stof­fe lek­to­riert und dra­ma­tur­gisch beglei­tet. Vom WS 2012/13 bis SS 13 war Regi­na Weber Dozen­tin an der Bre­mer Uni­ver­si­tät für Krea­ti­ves Dreh­buch­schrei­ben. Sie ist Mit­glied im Ver­band für Film- und Fern­seh­dra­ma­tur­gie e.V., VeDRA (www.dramaturgenverband.org/profil/regina-weber und www.skriptreif.de)

OUT LOUD — Zweite Runde

Ende Janu­ar hat die zwei­te Run­de unse­rer Lese­rei­he ›OUT LOUD‹ im Bre­mer Lager­haus begon­nen. Zu Gast sind in die­ser Rei­he Frau­en, die sich in ihren Bücher mit beson­de­ren, muti­gen und bewe­gen­den The­men beschäf­ti­gen. Bereits in die­sem Jahr gele­sen haben Ste­fa­nie de Velas­co (›Kein Teil der Welt‹) und Jana Hen­sel (›Wie alles anders bleibt‹). Die Lesun­gen von Ali­ce Has­ters und Jas­min Schrei­ber wur­den wegen der Coro­na-Kri­se in die zwei­te Jah­res­hälf­te ver­legt.

Wei­te­re Infos gibt es hier»

Thema 2020: Licht ins Unbewusste

So lau­tet das The­ma des IRR­TURMs 2020, der Aus­ga­be Num­mer 32, nach einer Ent­schei­dung der Redak­ti­on. Eine Ein­la­dung zur Erhel­lung des Inne­ren. Und dazu, eure Tex­te und Bil­der ein­zu­rei­chen (wenn wir nicht sogar euer Inter­es­se an einer Mit­ar­beit in der Redak­ti­ons­sit­zung der Lite­ra­tur­re­dak­ti­on wecken kön­nen, die jeden Mitt­wochnach­mit­tag von 14 bis 16 Uhr statt­fin­det).

Die Tex­te reicht bit­te vor­zugs­wei­se in auf­be­rei­te­ter Form, also ger­ne abge­tippt und als Anhang einer E‑Mail an fol­gen­de Mail­adres­se ein:     irrturm@izsr.de

Bei aller Frei­heit für eure Inter­pre­ta­ti­on des The­mas wäre es erfreu­lich, wenn ihr eure Bei­trä­ge, also Tex­te und Bil­der jeg­li­cher Art, (auch immer mal wie­der, ger­ne auch mit kri­ti­schem Auge) auf die (insti­tu­tio­na­li­sier­te) Psych­ia­trie, auf Medi­ka­men­te, auf Gerichts­be­schlüs­se, Rechts­be­treu­ung, auf  Sozi­al­psych­ia­trie, z.B. Wohn­be­treu­ung und der­glei­chen bezieht.

Es gilt  die Ent­schei­dung der Redak­ti­on, dass es sich bei den im IRRTURM publi­zier­ten Tex­ten vor allem um Erst­pu­bli­ka­tio­nen han­deln soll. Daher sen­det bit­te Bei­trä­ge ein, die noch nir­gends — auch nicht im Inter­net — gestan­den haben / ver­öf­fent­licht wur­den. In Aus­nah­me­fäl­len haben wir uns auf fol­gen­de Regel ver­stän­digt: Vor einer Wie­der­ver­öf­fent­li­chung sol­len min­de­tens 3 Jah­re Abstand zur Erst­ver­öf­fent­li­chung lie­gen. Um die Moti­va­ti­on auf­recht­zu­er­hal­ten, Neu­es her­vor­zu­brin­gen (gewis­ser­ma­ßen für den Irr­turm) und wir in der Fol­ge ver­mei­den möch­ten, in einer Mehr­zahl Tex­te, die schon älter und bereits anders­wo ver­öf­fent­licht sind, wie­der­ab­zu­dru­cken, sol­len pro Autor*in und Jahr maxi­mal 2 Tex­te wie­der­ver­öf­fent­licht wer­den.

Wir bit­ten um Ver­ständ­nis dafür, dass nicht alles publi­ziert wer­den kann.

Ein­sen­de­schluss ist der 31. Juli 2020

Literarischer Kulturaustausch

Foto: Rike Oehlerking
Foto: Rike Oeh­ler­king

Eine offe­ne Schreib­werk­statt für Men­schen aus allen Län­dern und Kul­tur­krei­sen

Hei­mat, Glau­be, Iden­ti­tät, Fami­lie und Freund­schaf­ten, woh­nen, arbei­ten, fei­ern – die The­men die­ser Schreib­werk­statt sind viel­fäl­tig.
Teil­neh­men kön­nen Erwach­se­ne jeden Alters aus allen Län­dern und Kul­tur­krei­sen.
Unter Anlei­tung der Autorin Ange­li­ka Sinn schrei­ben sie über die zahl­rei­chen Facet­ten ihrer Her­kunft und Kul­tur, über ihre Erfah­run­gen und Erleb­nis­se.

Per­fek­tes Deutsch und lite­ra­ri­sche Vor­er­fah­rung sind nicht nötig! Die Teil­nah­me an der Schreib­werk­statt ist kos­ten­los.

Ter­mi­ne
Sams­tag, 8. Febru­ar 2020, und
Sams­tag, 25. April 2020,
jeweils 11 – 16 Uhr

Ort
Vil­la Ichon, Raum 2
Goe­the­platz 4
28203 Bre­men

Nähe­re Infos und Anmel­dung
Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor
info@literaturkontor-bremen.de
0421–327943

Workshop ›Minimale Schreibexkursionen‹

Mit der bil­den­den Künst­le­rin Ste­fie Steden

Ein VS-Autor*innentag für Men­schen aus allen Län­dern, Kul­tur­krei­sen und Alters­grup­pen (ggf. mit eige­nem Lap­top)

Schrei­ben an unge­wöhn­li­chen Orten  des all­täg­li­chen Lebens, im Blick die Umge­bung und das, was uns dabei durch den Kopf geht. Im Anschluss an die Schreib­pha­se ent­ste­hen mehr­stim­mi­ge Tex­te, die sor­tiert, ver­le­sen, über­setzt und spä­ter gedruckt wer­den.

Der Kern des Inter­es­ses der bil­den­den Künst­le­rin Ste­fie Steden erschließt sich im Hier und Jetzt. Gemein­sam mit Teil­neh­men­den mit und ohne künst­le­ri­sche Hin­ter­grün­de erforscht sie den „Augen­blick der Fer­ne“ und nennt es „mini­ma­les Rei­sen“. Gern stellt sie ihre wei­te­ren Pro­jek­te vor: „Zim­mer­rei­sen“ und mini­ma­le Rei­sen in die kunsthallebelow.de

Ste­fie Steden stu­dier­te in den Nie­der­lan­den bil­den­de Kunst und lebt und arbei­tet  seit 1995 in Ber­lin und Below (Meck­len­burg-Vor­pom­mern). Neben Gestal­tung, Auf­bau und kura­to­ri­scher Betreu­ung der KHB (Kunst­hal­le Below), steht das „mini­ma­le Rei­sen“ im Zen­trum ihrer expe­ri­men­tel­len künst­le­ri­schen For­schun­gen.

Die Ver­an­stal­tung fin­det als Koope­ra­ti­on zwi­schen VS – Ver­band deut­scher Schriftsteller*innen Nie­der­sach­sen-Bre­men und dem Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor statt.

KOSTENLOS für Mit­glie­der von VS und Lite­ra­tur­kon­tor, Nicht­mit­glie­der zah­len 10 Euro Auf­wands­ent­schä­di­gung

Am Frei­tag, 28. Febru­ar 2020 von 15–19 Uhr
im Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor

Vil­la Ichon
Goe­the­platz 4
28203 Bre­men

Nähe­re Infos und Anmel­dung
Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor
info@literaturkontor-bremen.de
0421–327943

Neues Angebot: Offene Schreibzeit im Literaturkontor

Am Frei­tag, 17. Janu­ar, star­tet unser neu­es Ange­bot: Die ›Offe­ne Schreib­zeit‹ mit der Autorin Jut­ta Rei­chelt lädt regel­mä­ßig ein zum Schrei­ben und zur Arbeit an eige­nen Tex­ten. Jeden drit­ten Frei­tag im Monat haben Inter­es­sier­te die Mög­lich­keit in einem Zeit­raum von vier Stun­den Unter­stüt­zung zu bekom­men.

Wei­te­re Infos gibt es hier»

Nr. 12: Neuestes MiniLit-Heft

Druck­frisch! Pünkt­lich zum Start ins neue Jahr­zehnt erscheint das zwölf­te Heft unse­rer Mini­Lit-Rei­he.

Dies­mal haben Hel­ge Hom­mers (›Das letz­te Paar Schnür­schu­he‹) und Jan Ewring­mann (›Kei­ne Bal­ko­ne‹) Tex­te zur Aus­ga­be bei­gesteu­ert.

Die Mini­Lit-Hef­te sind kos­ten­los. Sie lie­gen im Lite­ra­tur­kon­tor, in den Bre­mer Buch­hand­lun­gen und an ande­ren Lite­ra­tur- und Kul­tur­or­ten aus.
Viel Spaß beim Lesen!

Wei­te­re Infos

Erfolgreicher Jahresabschluss im Kukoon

Mit der Abschluss­le­sung der dies­jäh­ri­gen Pro­sa-Werk­statt unter der Lei­tung des Autors Micha­el Wil­den­hain beging das Lite­ra­tur­kon­tor am 6. Dezem­ber sei­nen tra­di­tio­nel­len Jah­res­ab­schluss. Dies­mal wur­de erst­mals ins Kul­tur­zen­trum Kuko­on in der Neu­t­stadt gela­den. Es lasen fünf Teilnehmer*innen der Werk­statt: Bet­ti­na Beut­ler-Prahm, The­re­sa Heyn, Hel­ge Hom­mers, Julia San­der und Lau­ra Mül­ler-Hen­nig.

Mit dem Abend blick­te das Lite­ra­tur­kon­tor auf ein erfolg­rei­ches Jahr 2019 zurück: Neben 30 Bre­mer Buch­Pre­mie­ren wur­den Lese­rei­hen wie Lit­Clips und die Lite­ra­Tour Nord durch- und wei­ter­ge­führt. Hin­zu kam die Wie­der­auf­nah­me der Rei­he Dop­pel­pack sowie die Neu­ein­füh­rung der Rei­he OUT LOUD. Außer­dem wur­de zum zwei­ten Mal die Lan­ge Lese­nacht ›Bre­men liest!‹ ver­an­stal­tet. Dar­über hin­aus gab es u.a. ver­schie­de­ne Work­shops, Lesun­gen im Rah­men von Fes­ti­vals, zahl­rei­che Buch­vor­stel­lun­gen, zwei wei­te­re Mini­Lit-Hef­te sowie die Ver­öf­fent­li­chung des Buchs ›So nimmt man das Leben mit‹.

All das und noch mehr war dank vie­ler Projektmitarbeiter*innen und Kooperationsparter*innen auch im 36. Jahr des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor e.V. mit so gro­ßem Erfolg mög­lich. Hier­für sagen wir DANKE!

Fotos: Rike Oehlerking
Fotos: Rike Oeh­ler­king

Rezension: So nimmt man das Leben mit

Ich bin ein Mensch wie Ein­stein / Ent­wur­zelt / In einem frem­den Land lie­ge ich im Kran­ken­haus / Und eines Nachts / erzäh­le ich aus Ver­se­hen / etwas in mei­ner Mut­ter­spra­che / Mit der Bit­te / Ver­sucht mich zu ver­ste­hen /Versucht mei­nen Schmerz zu ver­ste­hen / Ver­sucht mei­ne blau­en Seuf­zer zu ver­ste­hen / Sonst ster­be auch ich nach Mit­ter­nacht.“

Der aus Ban­gla­desch stam­men­de Zah­rad Islam Babul, seit 1988 in Bre­men lebend, greift in sei­nem Gedicht „Mut­ter­spra­che“ in der vor­lie­gen­den Antho­lo­gie einen dop­pel­ten Aspekt vom ent­wur­zel­tem Leben in der Frem­de auf. Es ist die Rück­kehr zur Mut­ter­spra­che in der Stun­de ihres dro­hen­den Ver­lusts und die Wie­der­ge­win­nung des Lebens in einer ande­ren Hei­mat, dem schmerz­haf­ten Exil, in dem alle Verfasser/innen der vor­lie­gen­den Antho­lo­gie leben. Sie haben vor­wie­gend unter der Anlei­tung und Betreu­ung von Ange­li­ka Sinn im Rah­men einer Schreib­werk­statt des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tors im Jahr 2017 Tex­te gestal­tet, in denen nicht nur ihre leid­vol­len Erfah­run­gen auf der Flucht vor Krie­gen und Ver­fol­gun­gen auf­ge­zeich­net sind. Viel­mehr sind es tief emp­fun­de­ne Kind­heits­er­leb­nis­se, die beim ers­ten auf­merk­sa­men Lesen des über­sicht­lich gestal­te­ten Text-Bild-Band berüh­ren. Sie stam­men aus der Feder des in Cara­cas (Vene­zue­la) gebo­re­nen Ernes­to Sala­zar-Jimé­nez, der bild­haft-ein­präg­sam über Visio­nen von sei­ner Geburt schreibt. Mila Cha­mi, die aus Homs in Syri­en nach Deutsch­land geflüch­tet ist, singt ihrer Schwes­ter ein Hohe­lied auf die Lie­be und der im Iran gebo­re­ne, seit 2016 in Bre­men leben­de und stu­die­ren­de Saber Lafiti, schreibt eine wun­der­bar ein­präg­sa­me Kind­heits­ge­schich­te über sei­nen Opa. Über­haupt spie­len die erin­ner­ten Erleb­nis­se aus der behü­te­ten Kind­heit auch für ande­re Teilnehmer/innen der Schreib­werk­statt eine wich­ti­ge Rol­le. Da plau­dert Far­han Heb­bo, der vor vier Jah­ren nach Deutsch­land gekom­men ist, „Aus Omas Näh­käst­chen“ und erin­nert sich an den gro­ßen Spiel­platz, auf dem er einst Fuß­ball gespielt hat. Und der aus der öst­li­chen Tür­kei stam­men­de Kur­de Sal­man Nur­hak, der seit 1991 in Deutsch­land, vor­nehm­lich in Bre­men, lebt, berich­tet über eine fei­er­li­che Begeg­nung zwi­schen Mus­li­men und Ale­vi­ten, deren All­tag einst und immer wie­der von hef­ti­gen Span­nun­gen geprägt war und ist.

Die Bei­trä­ge zwei­er Autoren zeich­nen sich durch beson­ders ein­drucks­star­ke Erin­ne­run­gen an ihre Geburts­län­der aus: Die aus Chi­le stam­men­de, seit rund fünf­und­vier­zig Jah­ren vor­nehm­lich in Bre­men leben­de Öko­no­min und renom­mier­te Künst­le­rin Rosa Jais­li und der aus Tehe­ran stam­men­de Mad­jid Mohit, der seit drei­ßig Jah­ren den Bre­mer Sujet-Ver­lag lei­tet. Bei­de wuchern in ihren Natur­stu­di­en und Bil­dern aus der Kind­heit so ein­drucks­voll mit orna­men­ta­len Ein­drü­cken aus ihrer Kind­heit, dass dem Leser gleich­sam neid­vol­le Erin­ne­run­gen an die eige­nen, sicher­lich weit­aus nüch­ter­nen Kind­heits­ta­ge ange­tra­gen wer­den.

Zwei­fel­los hin­ter­lässt der Text-Bild-Band mit den Phan­ta­sie för­dern­den Illus­tra­tio­nen von Tar­lan Mir­s­he­ka­ri vie­le rüh­ren­de Ein­drü­cke, ruft blitz­ar­tig Gefüh­le der Soli­da­ri­tät her­vor, ver­setzt den auf­merk­sam Mit­le­sen­den in eine har­mo­ni­sche Stim­mung, lenkt ihn ab von den bit­te­ren Erfah­run­gen, die Autorin­nen und Autoren der Antho­lo­gie wäh­rend ihrer Zwi­schen­auf­ent­hal­te gesam­melt haben. Umso wun­der­ba­rer dürf­te das Erleb­nis der an der Schreib­werk­statt Betei­lig­ten sein, dass sie Erin­ne­run­gen an ihre Kind­heit und ihre Lebens­er­fah­run­gen mit dem Ziel auf­schrei­ben, um „ihre Iden­ti­tät in die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ihren neu­en Mit­men­schen“ ein­zu­üben, wie es Prof. Dr. Gert Sau­ter­meis­ter in sei­nem Vor­wort for­mu­liert. Eben­so erfreu­lich ist es auch, dass an die­ser Antho­lo­gie eine Rei­he Bre­mer Insti­tu­tio­nen und Stif­tun­gen betei­ligt sind, die ein Anlie­gen geför­dert haben, das den mühe­vol­len Pro­zess der Mit­ge­stal­tung und Inte­gra­ti­on von einst vor Krieg und Ver­nich­tung geflüch­te­ten Mit­men­schen unter­stützt.

Hier geht es zur Antho­lo­gie››


Den Arti­kel ver­fass­te Wolf­gang Schlott
Erschie­nen auf www.fixpoetry.com unter https://www.fixpoetry.com/feuilleton/kritik/angelika-sinn/so-nimmt-man-das-leben-mit, am 17.02.2020

In der Bremer Poesiezentrale

Jens Laloire lei­tet seit Beginn die­ses Jah­res das Lite­ra­tur­kon­tor

Bre­mens Poe­sie­zen­tra­le ist in einem gedie­ge­nen Alt­bau behei­ma­tet, genau­er: in einem gro­ßen, lich­ten und aus­sichts­rei­chen Raum. An den hohen Wän­den hän­gen Pla­ka­te, die von lau­te­rer Lie­be zur Lite­ra­tur kün­den, zudem sind mit Büchern befüll­te Rega­le zu sehen. „Ein schö­ner Arbeits­platz“, sagt Jens Laloire mit einem beglau­bi­gen­den Sei­ten­blick gen Goe­the­platz. Seit Jah­res­be­ginn lei­tet der 41-Jäh­ri­ge das Lite­ra­tur­kon­tor, das in der alt­ehr­wür­di­gen Vil­la Ichon resi­diert (Bau­jahr 1849).

Die­ser Ein­rich­tung ist der gebür­ti­ge Twistrin­ger, der in Essen und Bre­men, Phi­lo­so­phie, Geschich­te und Ger­ma­nis­tik stu­diert hat, seit gerau­mer Zeit ver­bun­den. Unter ande­rem hat Laloire an der Eta­blie­rung der löb­li­chen Lesungs- und Ver­öf­fent­li­chungs­for­ma­te „Dop­pel­pack“, „Lit­Clips“ und „Mini­Lit“ mit­ge­wirkt, hat Bre­mer Buch­pre­mie­ren und Ver­an­stal­tun­gen der Lite­ra­ri­schen Woche mode­riert – und neben­bei inner­halb von fünf Jah­ren auch noch 30 Fol­gen sei­ner eige­nen Rei­he „Laloire schlägt auf“ gestemmt, in deren Rah­men er in Vita und Werk arri­vier­ter Dich­ter wie Wolf­gang Herrn­dorf und Sven Rege­ner ein­führ­te.

Nicht zu ver­ges­sen: Im Brot­be­ruf ver­ding­te er sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zudem in der Erwach­se­nen­bil­dung. In der Ein­rich­tung Frie­de­horst in Bre­men-Les­um unter­rich­te­te er ange­hen­de Kauf­leu­te in der Kunst des Schrift­ver­kehrs; über­dies begrün­de­te er einen Debat­tier­club. Ein­ge­denk sei­nes Enga­ge­ments und sei­ner Fach­kennt­nis kam es für Insi­der des hie­si­gen Lite­ra­tur­be­triebs wenig über­ra­schend, dass dem Mann mit den preu­ßi­schen Arbeitstu­gen­den die Nach­fol­ge von Ange­li­ka Sinn ange­tra­gen wur­de. Nur und immer­hin 28 Arbeits­stun­den in der Woche – sei­ne häu­fi­ge Prä­senz bei Abend­ver­an­stal­tun­gen nicht mit­ge­rech­net – ste­hen Laloire für die­ses wei­te Tätig­keits­feld zur Ver­fü­gung, das zwar aus einer inni­gen Ver­knüp­fung von Beruf und Beru­fung besteht, aber auch etli­che admi­nis­tra­ti­ve Auf­ga­ben ein­be­greift.

Mer­ke: Auch lite­ra­ri­sches Leben will koor­di­niert und orga­ni­siert sein. Nur gut, dass der Lite­ra­tur-Afi­cio­na­do, der bei Gele­gen­heit (und ent­spre­chen­dem Etat) gern ver­mehrt aus­wär­ti­ge, fan­ta­sie­be­gab­te Schrift­stel­ler wie Chris­ti­an Kracht und Dani­el Kehl­mann zu weser­na­hen Lesun­gen begrü­ßen wür­de, bes­tens ver­netzt ist.

Bevor er an der hie­si­gen Uni­ver­si­tät zu stu­die­ren begann, hat Leis­tungs­trä­ger Laloire Zivil­dienst geleis­tet, ein Stu­di­um in Essen auf­ge­nom­men und wie­der ver­wor­fen, sich in Bre­men ver­liebt, eine Ver­an­stal­tungs­rei­he im Schlacht­hof aus der Tau­fe geho­ben sowie drei Staun- und Wan­der­mo­na­te in Neu­see­land zuge­bracht.

Apro­pos eng­lisch­spra­chi­ges Aus­land: Dem Kon­to­ris­ten wäre dar­an gele­gen, wür­de Bre­mens poe­ti­sche Strahl­kraft durch den mit aller­lei Auf­la­gen ver­bun­de­nen Unesco-Titel „City of Lite­ra­tu­re“ europa‑, ja welt­weit erhöht; eine ent­spre­chen­de Bewer­bung für das Jahr 2023 hat der Sena­tor für Kul­tur ange­kün­digt.

Bre­men hat eine bun­te und doch aus­bau­fä­hi­ge lite­ra­ri­sche Sze­ne“, sagt Laloire, „die Stadt ist im Kin­der­buch- und Kri­mi­seg­ment sehr gut auf­ge­stellt, es gibt die Lite­ra­ri­sche Woche und zwei bedeut­sa­me Poe­sie­fes­ti­vals, eine rüh­ri­ge Poe­try-Slam-Gemein­de, eine tol­le Stadt­bi­blio­thek – und mit Lite­ra­tur­kon­tor und vir­tu­el­lem Lite­ra­tur­haus gleich zwei Insti­tu­tio­nen, die Akteu­re zusam­men­füh­ren.“ Aller­dings müs­se die Stadt ange­mes­sen inves­tie­ren, um jen­seits des Erwerbs des heh­ren Titels poe­tisch nach­hal­tig wer­den zu kön­nen.

Bereits jetzt füllt Laloire die Visi­on einer Lite­ra­tur­stadt in sei­nem Beritt mit Inhal­ten, die ihm zukunfts­träch­tig und also unver­zicht­bar schei­nen. „Mir geht es nicht dar­um, das Lite­ra­tur­kon­tor neu zu erfin­den“, gibt er zu Pro­to­koll. „Aber der Aus­bau und die Inten­si­vie­rung einer För­de­rung der jun­gen Lite­ra­tur­sze­ne – Schrei­ben­de im Alter von 14 bis 19 Jah­ren – sind eine Prio­ri­tät.“

Ein wei­te­res Her­zens­pro­jekt hat mit der Ver­or­tung sei­ner lite­ra­ri­schen Arbeit zu tun. Laloire ist es wich­tig, mehr dezen­tral zu agie­ren, mit­hin in die Stadt­tei­le zu gehen – sei es in die Neu­stadt, wo er seit Anbe­ginn sei­ner Bre­mer Zeit lebt und schon so man­che Ver­an­stal­tung im Kar­ton und im Kuko­on ange­bahnt hat; sei es in Orts­tei­le wie Huch­t­ing und Heme­lin­gen, für deren Inspi­ra­ti­on, fik­tio­na­le Auf­la­dung, ja Wie­der­ver­zau­be­rung Laloire lite­ra­ri­sche Werk­stät­ten als pro­ba­tes Mit­tel erschei­nen.

Apro­pos Ver­zau­be­rung: Hät­te der Viel­le­ser, zu des­sen Her­vor­brin­gun­gen auch poe­ti­sche und jour­na­lis­ti­sche Tex­te zäh­len, einen the­ma­tisch zwin­gen­den Wunsch frei, so wür­de er sich dem Ver­neh­men nach für ein Lite­ra­tur­zen­trum ent­schei­den. Mit Lese­büh­ne und ange­schlos­se­nem Café. Gera­de so wie vor eini­gen Jah­ren im eins­ti­gen Neu­städ­ter Möbel­haus Dete, des­sen Zwi­schen­nut­zung enorm gut ange­nom­men wur­de.


Den Arti­kel ver­fass­te Hen­drik Wer­ner
Erschie­nen im Weser-Kurier, Bei­la­ge ›WESER-Strand‹, am 17.11.2019

Über das Zusammenspiel von Erinnerungen und Schreiben

Foto: Marc Stavros
Foto: Marc Stav­ros

Für Lau­ra Mül­ler-Hen­nig klappt das mit dem Schrei­ben am Bes­ten, wenn sie nicht zuhau­se ist. Ihre Krea­ti­vi­tät kann sie nun auch mit einem Sti­pen­di­um aus­spie­len.

Lau­ra Mül­ler-Hen­nig sitzt im Café Engel. Die jun­ge Bre­mer Autorin sitzt ger­ne hier, in einer Ecke hin­ter ihrem Lap­top, um zu arbei­ten. Es ist eines ihrer Lieb­lings­ca­fés im Vier­tel. „Ich brau­che kei­ne abso­lu­te Stil­le zum Schrei­ben“, erklärt sie, „nur eine mitt­le­re Ruhe.“ Dann kön­ne sie abschal­ten und sich kon­zen­trie­ren. Bis­her habe sie nur Kurz­ge­schich­ten ver­fasst, einen Roman zu schrei­ben stel­le für sie eine neue, gro­ße Her­aus­for­de­rung dar. Genau das aber wird von ihr gefor­dert, jetzt, da sie das Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um des Sena­tors für Kul­tur erhal­ten hat – gemein­sam mit Anne­gret Ach­ner, mit der sie sich den Preis teilt. Die bei­den Bre­mer Autorin­nen wur­den unter 50 Bewer­bern aus­ge­wählt. „So vie­le wie seit vie­len Jah­ren nicht“, wie es auf der Sei­te des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tors heißt, der die Ver­ga­be der Sti­pen­di­en betreut.

Ein­ge­reicht hat­te Mül­ler-Hen­nig ein Expo­sé und eine zehn­sei­ti­ge Lese­pro­be zu ihrem Roman­pro­jekt „Die Oma im Baum“. „Der Titel war zuerst da“, erzählt die 34jährige mit dem kecken Kurz­haar­schnitt, „Auf das was beim Schrei­ben her­aus­kommt bin ich selbst gespannt!“ Den Inhalt der noch zu (er-)findenden Geschich­te bringt sie aber bereits auf den Punkt: „Es geht um das Auf­wach­sen eines Kin­des in einem Bre­mer Rand­stadt­teil unter dem Ein­druck des Ver­lus­tes der Groß­mutter und einer guten Freun­din. Es geht um ver­stor­be­ne Freun­de, um The­men, die mich geprägt haben“.

Mül­ler-Hen­nig wird ihren Roman aus der Per­spek­ti­ve eines etwa sie­ben jäh­ri­gen Mäd­chens erzäh­len, wobei sie „kon­se­quent die kind­li­che Sicht“ wie­der­ge­ben will, „aber im Ton eines Erwach­se­nen“. Die Nicht-Anwe­sen­heit der Groß­mutter soll sich durch gesam­ten Roman zie­hen. Wenn das Mäd­chen sich erin­nert, hört sich das dann so an: „Da ist noch der von Oma geerb­te Lehn­ses­sel, mit sei­nem sei­dig dünn geweb­ten Über­zug, der genau an der Stel­le durch­ge­wetzt ist, wo die Hän­de auf­lie­gen, wenn man sitzt. Hier lagen Omas Hän­de. Die mei­ner Mut­ter. Mei­ne. […] Die Möbel sind mit Spinn­we­ben über­zo­gen, als hät­ten die Spin­nen für jedes Stück ver­gan­ge­ne Zeit ein Stück Faden gewebt.“ In einem sehr poe­ti­schen, fast lyri­schen Stil spinnt Mül­ler-Hen­nig eine Geschich­te um ihre Roman­fi­gur, die den Ver­lust gelieb­ter Men­schen auf ihre Art ver­ar­bei­tet. Die Autorin ver­bin­de „gekonnt kind­li­che Ima­gi­na­ti­ons­kraft mit blitz­licht­ar­ti­gen Erin­ne­run­gen“ heißt es zu ihrer ein­ge­reich­ten Text­pro­be in der Jury­be­grün­dung.

Auf einer Lesung wur­de Mül­ler-Hen­nig ein­mal gefragt, wel­che ihrer Kurz­ge­schich­ten sie wirk­lich erlebt habe? „Kei­ne und alle“, lau­te­te ihre Ant­wort, „kei­ne so rich­tig, aber alle ein wenig.“ Für sie als Autorin sei es „nicht zu ver­mei­den, dass sich etwas ver­än­de­re“ in ihren Erzäh­lun­gen: „Erin­nern bedeu­tet immer, dass es sich schon ver­än­dert, wäh­rend man sich erin­nert.“  Außer­dem ste­cke in dem Wort Erin­nern „innen“ drin, sin­niert Mül­ler-Hen­nig im Café Engel. Die Autorin kehrt also in erin­ne­rungs­haf­ten Erzähl­se­quen­zen immer auch ihr Inne­res nach außen und ver­än­dert es dabei: „Ich kann mei­ne Phan­ta­sie nie stop­pen und das Bedürf­nis, es in etwas ande­res zu for­men.“

Um die gro­ße Form des Romans zu errei­chen, mit der sie noch kei­ne Erfah­rung habe, möch­te Mül­ler-Hen­nig sich Zeit neh­men: „Wenn ich den Roman wirk­lich schaf­fen will, wür­de ich mir Auf­ent­hal­te in Ate­liers wün­schen.“ Denn das „Fin­den des krea­ti­ven Moments“ errei­che sie bes­ser, wenn sie weit weg von zu Hau­se sei. Ihre Roma­ni­dee sei auch wäh­rend eines Wochen­en­des an der Ost­see ent­stan­den. Die jun­ge Autorin hofft für ihre krea­ti­ven Schaf­fens­pha­sen auf Auf­ent­hal­te in Künst­ler­häu­sern an der Ost­see oder in Worps­we­de, denn das mit 2 500 Euro über­sicht­lich bemes­se­ne Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um wird für eine Fer­tig­stel­lung ihres Romans kaum aus­rei­chen. Zumal Mül­ler-Hen­nig noch nicht ein­mal weiß, ob sie das Preis­geld über­haupt wird anneh­men dür­fen, da sie aus gesund­heit­li­chen Grün­den auf Grund­si­che­rung ange­wie­sen ist und es mög­li­cher­wei­se damit ver­rech­net wer­den muss. Das wird sich zei­gen.

Die jun­ge Autorin freut sich den­noch sehr über das Autoren­sti­pen­di­um und ist dank­bar, da es sie in jedem Fall zum Schrei­ben moti­vie­re. Außer­dem erhof­fe sie sich Betreu­ung wäh­rend des Schreib­pro­zes­ses, so, wie es sie es in der „Pro­sa-Werk­statt“ von Micha­el Wil­den­hain erfah­re. Eben­falls orga­ni­siert vom Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor tref­fe sie sich hier mit fünf wei­te­ren Sti­pen­dia­ten zum gemein­sa­men Aus­tausch über das lite­ra­ri­sche Schaf­fen. Die Ergeb­nis­se der Grup­pe wer­den in einer öffent­li­chen Abschluss­le­sung am 06. Dezem­ber um 20Uhr im Kuko­on prä­sen­tiert. Ihr Roman­pro­jekt, „Die Oma im Baum“, wird Mül­ler-Hen­nig im Rah­men einer „Lesung der Sti­pen­dia­ten“ im Janu­ar vor­stel­len.

Ihr schrift­stel­le­ri­sches Wis­sen und Kön­nen gibt Mül­ler-Hen­nig bereits seit eini­ger Zeit regel­mä­ßig in einer Schreib­werk­statt für Jugend­li­che von 14–19 Jah­ren wei­ter. Die­se ver­mit­teln­de Tätig­keit mache ihr vie­le Din­ge bewusst, über die sie sonst nicht gestol­pert wäre, sagt sie. Die Dis­kus­si­on über For­mu­lie­run­gen, Sprach­phä­no­me­ne und Wort­wahl brin­ge sie auch in der eige­nen Schreib­ar­beit deut­lich wei­ter. Neben der Schreib­werk­statt von Colin Bött­ger im Lite­ra­tur­kon­tor habe sie außer­dem am meis­ten in der Schreib­grup­pe des Blau­mei­er-Ate­liers in Bre­men-Wal­le gelernt.

Das sei eine „zufäl­li­ge, sehr, sehr glück­li­che Begeg­nung“ vor vie­len Jah­ren gewe­sen, von der sie immer noch pro­fi­tie­re: „In der wöchent­li­chen Schreib­grup­pe kann ich mich frei ent­fal­ten und ler­ne immer etwas neu­es dazu.“ Sie freue sich schon auf das Erschei­nen eines bestimm­ten Buchs im kom­men­den Jahr: Dar­in wer­den die Schreib­werk­statt und die Foto­grup­pe zu denen sie zählt, vor­ge­stellt. Bleibt zu hof­fen, dass sich ihre Leser­schaft bald über ein Erschei­nen der „Oma im Baum“ freu­en darf.


Den Arti­kel ver­fass­te Maga­li Traut­mann
Er erscheint im Weser-Kurier in der Rubrik ›Jun­ge Talen­te‹, am 26.10.2019 
Auch zu lesen unter: www.weser-kurier.de

Unsere Anthologie ist erschienen

Die Antho­lo­gie ›So nimmt man das Leben mit‹ ist frisch im Sujet Ver­lag erschie­nen und ab sofort im Buch­han­del erhält­lich. Ent­stan­den ist der Band im Rah­men einer Schreib­werk­statt des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tors unter der Lei­tung von Ange­li­ka Sinn. Im Zeit­raum von zwei Jah­ren ent­stan­den Tex­te von Autor*innen mit Migra­ti­ons- und Flucht­er­fah­run­gen.

Wei­te­re Infos gibt es hier»

So nimmt man das Leben mit

Die acht Autor*innen die­ser Antho­lo­gie kom­men ursprüng­lich aus Syri­en, Chi­le, Vene­zue­la, Iran, der Tür­kei und Ban­gla­desch, doch sie alle leben mitt­ler­wei­le in Deutsch­land.

Zwei Jah­re lang haben sie an einer Schreib­werk­statt des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tors teil­ge­nom­men. Ihre Erfah­run­gen mit Ter­ror, Gewalt, Krieg und Flucht wur­den bei die­sen Tref­fen auch the­ma­ti­siert, im Mit­tel­punkt der von Ange­li­ka Sinn ange­lei­te­ten lite­ra­ri­schen Arbeit stan­den jedoch die Erin­ne­run­gen an die Zeit davor. Über das Erzäh­len gelang­ten die Autor*innen zum Schrei­ben, ihre Tex­te ver­fass­ten sie auf Deutsch. In den so ent­stan­de­nen Gedich­ten und Geschich­ten geht es um Kind­heit, Fami­lie, Freund­schaft und Lie­be, um klei­ne Bege­ben­hei­ten und gro­ße Ereig­nis­se, um das All­täg­li­che und Beson­de­re eines jeden Lebens.

Hrsg. von Ange­li­ka Sinn, mit Tex­ten von Zahirul Islam Babul (Ban­gla­desch), Mila Cha­mi (Syri­en), Far­han Heb­bo (Syri­en), Rosa Jais­li (Chi­le), Saber Lati­fi (Iran), Mad­jid Mohit (Iran), Sal­man Nur­hak (Tür­kei) und Ernes­to Sala­zar-Jimé­nez (Vene­zue­la)

Ein Buch­pro­jekt des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tors, erschie­nen im Sujet-Ver­lag (2019)

Auf Fix­Poe­try ist eine Rezen­si­on von Wolf­gang Schlott über unser Buch erschie­nen: www.fixpoetry.com/feuilleton

Eine Audio-Lesung aus­ge­wähl­ter Tex­te aus dem Buch gibt es hier››

Eure Heimat ist unser Albtraum“

Lesung von Fat­ma Ayd­e­mir und Hen­g­ameh Yag­hoo­bi­fa­rah, Don­ners­tag, 05. Sep­tem­ber 2019
Am Don­ners­tag­abend, 05. Sep­tem­ber, lud das Kuko­on in der Neu­stadt zur Lesung aus dem Essay­band „Eure Hei­mat ist unser Alb­traum“ ein. Gele­sen wur­de von zwei­en der 12 betei­lig­ten Autor*innen, Fat­ma Ayd­e­mir und Hen­g­ameh Yag­hoo­bi­fa­rah, die auch Herausgeber*innen des Buches sind. Beson­ders jun­ge, kul­tur- und poli­tik­in­ter­es­sier­te Per­so­nen waren an der Ver­an­stal­tung inter­es­siert. Somit war das Kuko­on wirk­lich über­füllt und eini­ge muss­ten sogar wie­der gehen, da irgend­wann jeg­li­cher Platz besetzt war und sich das Publi­kum schon auf den Trep­pen und Tischen sam­mel­te und sich auch im hin­te­ren Bereich des Lokals und auf der Büh­ne eng tum­mel­te. Ent­spre­chend des über­füll­ten Rau­mes war es auch sehr warm und sti­ckig, was sich durch den häu­fig erklin­gen­den Wunsch nach Luft und kal­ten Geträn­ken im Publi­kum äußer­te. Den­noch war die Stim­mung sehr posi­tiv, da sich ein ste­ti­ges Sum­men durch die vie­len ange­reg­ten Gesprä­che der Men­schen ver­neh­men ließ.

Um 20 Uhr begann nun die eigent­li­che Ver­an­stal­tung und die bei­den Autor*innen und die Mode­ra­to­rin wur­den mit erwar­tungs­vol­lem Applaus begrüßt. Zu Beginn erzähl­ten die bei­den Autor*innen von der Idee zu dem Werk und erläu­ter­ten die post-migran­ti­sche Per­spek­ti­ve aus der her­aus das Buch geschrie­ben wur­de. Im Fol­gen­den wur­de der Hei­mat­be­griff dis­ku­tiert und die Kri­tik, die der Buch­ti­tel nach der Ver­öf­fent­li­chung aus­ge­löst hat­te. Auch Ste­reo­ty­pe, Vor­ur­tei­le und poli­ti­sche Ereig­nis­se der ent­fern­ten, sowie der noch nicht ganz so ent­fern­ten Ver­gan­gen­heit sprach der gele­se­ne Text und die Dis­kus­si­on an. Die gele­se­nen Tex­te dreh­ten sich außer­dem um Exis­tenz­angst und inwie­weit zum Bei­spiel Silen­cing und Migra­ti­on die eige­ne Iden­ti­tät beein­flus­sen. Zudem wur­de auf den gleich­na­mi­gen Schreib­work­shop mit Fat­ma Ayd­e­mir und Hen­g­ameh Yag­hoo­bi­fa­rah und das damit ver­bun­de­ne The­ma selbst­er­mäch­tig­ten Schrei­bens Bezug genom­men.

Zum Schluss, nach einer Dis­kus­si­on über Queer­ness und „wei­ßen“ Femi­nis­mus bran­de­te tosen­der Applaus auf, was den sowie­so schon begeis­ter­ten spon­ta­nen Bei­fall mit­ten­drin noch ein­mal über­traf. Nach dem Ende des Pro­gram­mes bestand nun die Mög­lich­keit, den bei­den Autor*innen per­sön­lich Fra­gen zu stel­len und ein Exem­plar des vor­ge­stell­ten Buches zu ergat­tern.

Text: Sinik­ka Schulz (Prak­ti­kan­tin im Lite­ra­tur­kon­tor)

Bremen liest!“, Freitag, 30.08.2019, ab 19 Uhr

Das viel­fäl­ti­ge Pro­gramm der bun­ten Ver­an­stal­tung „Bre­men liest!“ bot so eini­ge Mög­lich­kei­ten, den Frei­tag­abend zu genie­ßen. Zum Bei­spiel um 19 Uhr in der gut gefüll­ten Buch­hand­lung Sieg­lin im Vier­tel, wo man die teil­wei­se recht amü­san­ten Kurz­ge­schich­ten von Hei­drun Immen­dorf kos­ten konn­te. Noch mehr Gäs­te hat­ten sich um 20 Uhr in der Hum­boldt Buch­hand­lung ver­sam­melt, was bei dem war­men Wet­ter und der Grö­ße der Buch­hand­lung ein wenig erstaun­lich war. Gegen die etwas höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren hal­fen küh­le Geträn­ke und Knab­ber­zeug sowie die wun­der­vol­le Lesung von Ernes­to Sala­zar-Jimé­nez hin­weg. Er las aus sei­nem Pro­sa­pro­jekt „Leich­tig­keit der Ein­sam­keit“, was sich als genau­so poe­tisch und fein­füh­lig her­aus­stell­te, wie es klingt. Die bemerk­ba­re Unsi­cher­heit des Autors stör­te kaum und ließ ihn nur umso sym­pa­thi­scher erschei­nen. Er brach­te sei­ne Emo­tio­nen mit geflü­gel­ten Wor­ten und hin­rei­ßend bild­haf­ter Spra­che zum Aus­druck.

Um 21 Uhr stand die Lesung von Lui Kohl­mann auf dem Pro­gramm. Da die Buch­hand­lung Bun­ten­tor aller­dings bereits schon bis auf den letz­ten Platz belegt war, ging es direkt wei­ter ins Kuko­on. Dort konn­te man mit einer offe­nen Büh­ne, einem sym­pa­thi­schen Mode­ra­tor und der DJa­ne Gül­ba­har Kül­tür gemüt­lich den Abend aus­klin­gen las­sen. Auch hier boten die gele­se­nen Tex­te eini­ge Gele­gen­hei­ten zum Ein­tau­chen in die Gefühls­wel­ten ihrer Autoren oder Prot­ago­nis­ten. Sie brach­ten einen zum Schmun­zeln und zum Nach­den­ken. Dies war bei den lecke­ren Geträn­ken und der ent­spann­ten, fami­liä­ren Atmo­sphä­re des Kuko­ons ein wirk­lich gelun­ge­ner Abschluss einer tol­len Ver­an­stal­tung.

Text: Sinik­ka Schulz (Prak­ti­kan­tin im Lite­ra­tur­kon­tor)

Wir Strebermigranten“ — Emilia Smechowski (23.08.2019)

Es ist Frei­tag­abend und im Lager­haus haben sich weit über 100 Gäs­te ein­ge­fun­den zur Lesung mit der Autorin Emi­lia Sme­chowsk, die ihr Buch „Wir Stre­ber­mi­gran­ten“ vor­stellt. Dies fin­det im Rah­men der neu­en Lese­rei­he Out Loud statt. Obwohl auf­grund des Zug­ver­kehrs ein wenig zu spät, beginnt Sme­chow­si gekonnt sou­ve­rän und äußerst char­mant mit ihrem Pro­gramm.

Durch die sym­pa­thi­sche Frau fühlt man sich als Zuschauer/Zuhörer per­sön­lich ange­spro­chen und sehr nah dran am Gesche­hen, was nicht zuletzt an der mul­ti­me­dia­len Ein­bin­dung des Publi­kums liegt. Dies geschieht durch ein beson­de­res Pro­gramm auf den Smart­pho­nes der Zuschau­er, mit denen sie Fra­gen beant­wor­ten und auch selbst Fra­gen stel­len kön­nen, wel­che dann mit­hil­fe eines Bea­mers gut sicht­bar auf eine Lein­wand pro­ji­ziert und durch die Mode­ra­to­rin auf­ge­nom­men wer­den. Dadurch kön­nen die Gäs­te nicht bloß als lau­schen­de Wand im ver­dun­kel­ten Hin­ter­grund agie­ren, son­dern auch aktiv par­ti­zi­pie­ren und das Abend­pro­gramm mit­ge­stal­ten.

Beim Titel des vor­ge­stell­ten Wer­kes habe ich mich im Vor­feld gefragt, was die­ser zu bedeu­ten hat. Wie pas­sen die bei­den Wör­ter „Stre­ber“ und „Migrant(en)“ zusam­men? Genau die­se Fra­ge nach den bei­den titel­ge­ben­den Nomen wird durch die Mode­ra­to­rin zu Beginn erör­tert, sodass die Bedeu­tung der bei­den Wor­te schon ein­mal geklärt ist. Im Fol­gen­den wer­den diver­se Fra­gen und The­men bespro­chen, wie zum Bei­spiel die Geschich­te der pol­ni­schen Ein­wan­de­rer­fa­mi­lie sowie die damit ver­bun­de­nen Vor­ur­tei­le und Kon­flik­te, wie bei­spiels­wei­se Sprach­bar­rie­ren. Zudem macht die fol­gen­de Dis­kus­si­on neu­gie­rig auf das The­ma Migra­ti­on in Deutsch­land. Dis­ku­tiert wird außer­dem über die Begrif­fe Hei­mat und Iden­ti­tät, die ­- so Sme­chow­ski — jeder für sich selbst defi­nie­ren müs­se.

Text: Sinik­ka Schulz (Prak­ti­kan­tin im Lite­ra­tur­kon­tor)

Bremer Autorenstipendium 2019 geht an Laura Müller-Hennig und Annegret Achner

Foto: privat
Foto: pri­vat
Foto: Marc Stavros
Foto: Marc Stav­ros

Zur För­de­rung des lite­ra­ri­schen Nach­wuch­ses ver­gibt der Sena­tor für Kul­tur auch im Jahr 2019 zwei Sti­pen­di­en zu je 2500,- Euro an Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler, die ihren Wohn­sitz in Bremen/Bremerhaven oder dem angren­zen­den Umland haben. Die Sti­pen­di­en sol­len dazu die­nen, bereits begon­ne­ne deutsch­spra­chi­ge lite­ra­ri­sche Arbei­ten fer­tig­zu­stel­len und Autorin­nen und Autoren zu för­dern, deren Arbeit eine lite­ra­ri­sche Befä­hi­gung erken­nen lässt.

Nach der öffent­li­chen Aus­schrei­bung der Sti­pen­di­en haben sich seit Ende Juni 50 Autoren und Autorin­nen um das Sti­pen­di­um bewor­ben – so vie­le wie seit vie­len Jah­ren nicht! Die fünf­köp­fi­ge Jury war von der ins­ge­samt hohen Qua­li­tät der ein­ge­sand­ten Tex­te beein­druckt, lob­te die Viel­falt der Ideen und Gen­res, muss­te sich schließ­lich aber für zwei der anony­mi­sier­ten Bewer­bun­gen ent­schei­den. Fol­gen­de Ent­schei­dung wur­de dabei getrof­fen:

Das Autoren­sti­pen­di­um 2019 geht an Lau­ra Mül­ler-Hen­nig und an Anne­gret Ach­ner.

Zur Begrün­dung der Jury geht es hier»

Aus­zü­ge aus den Manu­skrip­ten der bei­den Sti­pen­dia­tin­nen fin­den Sie hier»

Einen Arti­kel über Lau­ra Mül­ler-Hen­nig fin­den Sie hier»