26. Münchner Kurzgeschichtenwettbewerb – Thema: GRENZWERTIG

Lie­be Autorin­nen und Autoren,

im Zei­ten­lauf ereig­nen sich Din­ge, die man sich Tage zuvor kaum hät­te erträu­men las­sen. Da wer­den die Gren­zen der eige­nen Vor­stel­lun­gen schnell gesprengt. Das kann der Freund oder die Freun­din sein, die einen seit Mona­ten betrü­gen, die dunk­le Ver­gan­gen­heit des Vaters, die Obses­si­on einer Bekann­ten. Was hart an der Gren­ze ent­lang­schrappt gilt als noch akzep­ta­bel, als grenz­wer­tig. Ein schö­nes The­ma, dach­ten wir uns, weil es zu einer Zeit passt, die vie­les auf den Kopf stellt und unzäh­li­ge Fra­gen ste­hen lässt. Eine grenz­wer­ti­ge Zeit mit vie­len grenz­wer­ti­gen Ent­schei­dun­gen.
Da ris­kie­ren Flei­scher­be­trie­be jen­seits von Hygie­ne­auf­la­gen vie­le Coro­na­in­fek­tio­nen, im Absturz des Dax erfin­den Vor­stands­vor­sit­zen­de Kon­ten zwecks Bilanz­fri­sie­rung mit Mil­li­ar­den­gut­ha­ben, die west­li­che Wel­ten­ge­mein­schaft met­zelt bru­tal ihr obers­tes Dog­ma nie­der, das Wachs­tum. Vie­les in der Coro­na­kri­se scheint grenz­wer­tig: Kom­mu­nen wie der Staat beschwö­ren die Gemein­schaft mit Wer­be­ak­tio­nen und geist­rei­chen Hash­tags, wäh­rend die tat­säch­li­che Soli­da­ri­tät kaum bis vor die eige­ne Haus­tü­re reicht, wie Mie­ter von Staat und Kom­mu­nen beteu­ern kön­nen.
Die Kri­se schafft neue Klas­sen, und eins ist klar: die Kul­tur­schaf­fen­den, wenn nicht staats­an­ge­stellt, gehö­ren zu den Drauf­zah­lern – obwohl sie mit 1000 Euro im Monat beal­most wer­den. Grenz­wer­tig viel­leicht, weil kri­ti­sche Stim­men, ums Exis­ten­ti­el­le bet­telnd, womög­lich gar nicht mehr so kri­tisch sind.
Und wäh­rend all­über­all beschwo­ren wird, dass wir zusam­men­hal­ten und zusam­men­ge­hö­ren wis­sen Welt­ver­schwö­rer, dass die kran­ke Phar­ma­in­dus­trie den Lock­down brauch­te, und Bill Gates auch für das Pro­spe­rie­ren sei­ner Enga­ge­ments, sozia­ler wie finan­zi­el­ler. Par­al­lel wird die Gas­tro­no­mie mit Park­buch­ten-Bier­gär­ten unter­stützt, lau­fen inner­stadts und außer­städ­tisch unglaub­lich vie­le Stra­ßen­bau­pro­jek­te, wäh­rend die Kom­mu­nen das Geh­weg­par­ken um 150 % ver­teu­ert haben – im Zei­chen der Ver­kehrs­wen­de. Kaum noch tole­ra­bel, könn­te man grenz­wer­tig wei­ter defi­nie­ren und fra­gen uns instän­dig, ob das zwei­te Dog­ma der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung, die Glo­ba­li­sie­rung, auch ein Opfer des Virus wird — und nicht des Klas­sen­kamp­fes, und ob das tole­ra­bel ist.

Vie­les ist wohl eine Fra­ge der Per­spek­ti­ve und des eige­nen Vor­teils und daher suchen wir von euch, lie­be Autorin­nen und Autoren die unter­schied­lichs­ten Tex­te zu allem, was grenz­wer­tig ist. Gesell­schaft­lich oder indi­vi­du­ell, erzählt uns Geschich­ten, in denen Gren­zen über­schrit­ten wur­den, oder eben gra­de noch nicht. In der Lie­be, in der Arbeit, in der Coro­na­kri­se, in der Erzie­hung, in Freund- und Feind­schaft.

Die unver­öf­fent­lich­ten Tex­te sol­len bis zum 30. Sep­tem­ber 2020 elek­tro­nisch an holleschek@zuendeln.de geschickt wer­den. Die Tex­te sol­len 11.000 bis 13.000 Zei­chen lang sein (ohne Leer­zei­chen) und als Wor­d­do­ku­ment (bit­te kein PDF!) ein­ge­reicht wer­den. Pro Teil­neh­mer kann nur ein Text ein­ge­reicht wer­den — als Bewer­ber erklärt ihr euch mit der Ein­sen­dung damit ein­ver­stan­den, dass eure Geschich­te bei Aus­wahl in die Bes­ten­lis­te (cir­ca 100 Geschich­ten) in der stor­yapp ver­öf­fent­licht wird sowie bei Errei­chen der Sie­ger­run­de (cir­ca 20 Geschich­ten) von uns mehr­fach publi­ziert wird. Publi­kums­le­sung Ende Novem­ber (geplant 21.11.), genau­er Ter­min wird per Mail und auf www.zuendeln.de bekannt gege­ben. Das Publi­kum ver­gibt die Publi­kums­prei­se (2000,00 Euro), der Jury­preis beträgt 500 Euro.

Wir freu­en uns auf eure Geschich­ten!
Otger Hol­le­schek + das brennt!-Team