Tag 3, Mittwoch, 6. Mai 2020

Pri­ma Sache, so ein Blog. Beim Schrei­ben – sagt man – ist ja 90 % Hand­werk. Oder 95 %. Oder 98 %, je nach­dem, wen man fragt. Wenn ich einen Roman schrei­be, mache ich mir einen wahn­sin­ni­gen Kopf über Dra­ma­tur­gie, Per­so­nen­ent­wick­lung, Per­spek­ti­ve, Per­spek­tiv­wech­sel usw. usw … Oder was man bei einem Gedicht alles beach­ten muss: Rhyth­mus, Reim (okay, muss heut­zu­ta­ge nicht mehr sein), Hebung, Sen­kung, Jam­bus, Tro­chä­us – das klingt schon fast nach einem Zau­ber­spruch, bei dem es auf jedes Atem­ho­len ankommt. Beim Blog hin­ge­gen – nix. Ich kann ein­fach schrei­ben, was mir durch den Kopf geht. Wenn ich also „Frucht­jo­ghurt“ den­ke, schrei­be ich das auf. Natür­lich schon aufs The­ma bezogen.

Viel­leicht so als Meta­pher: Füh­le mich wie ein Frucht­jo­ghurt­bak­te­ri­um – dre­he mich stän­dig um mich selbst.

Oder so: Füh­le mich wie neu­lich vorm Frucht­jo­ghurt­re­gal – ich weiß nicht, was ich tun soll. Die Situa­ti­on über­for­dert mich. So vie­le Geschmacks­rich­tun­gen, und jede noch­mal von zig Mar­ken. Und das trotz Kri­se! Fol­ge ich also dem Her­den­trieb und gehe ein paar Rega­le wei­ter zum Klo­pa­pier. Ich weiß zwar nicht, wie das schmeckt – aber wenn das alle machen …

Zum Glück ist Klo­pa­pier alle. Aber die Zet­tel an den Rega­len fin­de ich lustig.

Tra­gisch.

Bemer­kens­wert.

Wohin führt es eine Gesell­schaft, wenn die, die als Ers­tes durch­dre­hen, die Rich­tung vorgeben?

Kön­nen Frucht­jo­ghurt­bak­te­ri­en eigent­lich auch durch­dre­hen? Oder sind die mehr so medi­ta­tiv wie die tan­zen­den Der­wi­sche? Viel­leicht soll­te ich so mit der Situa­ti­on umge­hen: ein­fach mal ein paar Run­den um mich selbst dre­hen, statt ein­fach dem nächs­ten Hype oder dem nächs­ten Buch­pro­jekt hinterherzuhecheln.

Ohne Ziel, ohne Richtung …

Ent­schleu­ni­gung …

Die Kri­se als Chance …

In der Son­ne vorm Rewe ste­hen und sich drehen …

… dre­hen

… dre­hen …

Ande­rer­seits:

Was sind das für Zei­ten, wo

ein Blog über Frucht­jo­ghurt fast ein Ver­bre­chen ist?

Also Schluss mit der Nabel­schau. Mein nächs­ter Blog-Ein­trag wird politisch.