Tag 2, Dienstag, 5. Mai 2020

Toll, bin ich jetzt also Blog­ger. Klingt gut, so modern — ich füh­le mich gleich 10 Jah­re jün­ger. Blog, Blog­ger, am blog­ges­ten. Und dass ich dabei viel­leicht so ober­fläch­lich rüber­kom­me wie die Frau aus der Serie, von der ich ges­tern geschrie­ben habe, stört mich kaum. Hängt viel­leicht irgend­wie zusam­men.

Ist das jetzt … äh … jün­ge­ren­feind­lich?

10 Din­ge gegen die Lan­ge­wei­le:

  1. Neue Begrif­fe erfin­den.

Jün­ge­ren­feind­lich ist mir zu sper­rig. Jün­ger­feind­lich geht nicht, das klingt zu sehr nach Neu­em Tes­ta­ment. Wie wär’s mit Juve­ni­list? Scheint es noch nicht zu geben, zumin­dest zeigt mir mein Schreib­pro­gramm das als Feh­ler an. Aber Juve­ni­list könn­te auch posi­tiv gemeint sein.

Also Anti­ju­ve­ni­list? Aber dazu müss­te es erst mal die Juve­ni­lis­ten geben. Gibt’s viel­leicht auch, liest man ja immer wie­der: Der Jugend­wahn der Gesell­schaft – aber die nen­nen sich nicht so. Und ohne ech­te Gegen­spie­ler macht das Gan­ze kei­nen Spaß.

Viel­leicht Agist (sprich: Eyd­schist)? Das ist in bei­de Rich­tun­gen offen und passt super zum Zeit­geist, Spal­tung der Gesell­schaft und so: Die „Alten“ sind Schuld an der Kli­ma­kri­se, die „Jun­gen“ wol­len unbe­dingt wei­ter kon­su­mie­ren und Par­ty machen und neh­men dabei bil­li­gend Coro­na-Tote in Kauf … oder ver­zich­ten auf alles und bevor­mun­den die „Alten“ damit, was ja auch irgend­wie … äh … posi­tiv agis­tisch (sprich: eyd­schis­tisch) ist.

Gebongt, ich mag den Begriff. Eig­net sich auch pri­ma als Schimpf­wort:

Ey, du Agist!“

Und egal ob ich nun selbst Agist bin und alle doof fin­de, die nicht genau­so alt sind wie ich oder sich so alt füh­len oder so alt rie­chen oder von mir als so alt gefühlt oder gese­hen oder gero­chen wer­den — lang­wei­lig ist mir nicht.

Und mei­nen zwei­ten Blog-Ein­trag habe ich auch fer­tig.

P.S.:

Mir sind die Neu­erschei­nun­gen des nächs­ten Jah­res noch im Kopf rum­ge­spukt … und dabei vor allem die Fra­ge: Wie könn­te eine Coro­na-Lite­ra­tur aus­se­hen, die dem The­ma auch for­mal gerecht wird?

Viel­leicht wäre sie so ähn­lich wie Mini­mal Music gestrickt: stän­di­ge Wie­der­ho­lung eines ein­fa­chen Grund­mus­ters mit leich­ten Abwei­chun­gen. Da käme die Copy & Pas­te-Funk­ti­on mal so rich­tig zum Ein­satz.

Bis­her habe ich mich noch nicht an einen 800-Sei­ten Wäl­zer her­an­ge­traut, aber so gese­hen hat der Gedan­ke etwas Ver­lo­cken­des …