Tag 3, Mittwoch, 22. April 2020

Die Sache mit David Lynch

David Lynch sag­te kürz­lich in einem Inter­view, er glau­be dar­an, dass die Welt nach Coro­na „more spi­ri­tu­al and much kin­der“ wird. Mal ganz abge­se­hen von sei­ner sehr pri­vi­le­gier­ten Sicht der Din­ge, mit Haus und Geld und Sicher­hei­ten, weiß ich nicht ganz, was ich davon hal­ten soll. Obwohl das gan­ze Sze­na­rio gera­de durch­aus an einen Lynch-Film erin­nert, ist er ja nun nicht gera­de für sei­ne strah­len­den Hap­py Ends bekannt.

Als alb­traum­haft und sur­rea­lis­tisch beschreibt Wiki­pe­dia Lynchs Fil­me. Und irgend­wie trifft es die Zeit gera­de ganz gut. Aber so geheim­nis­voll und gegen unse­re Seh­ge­wohn­hei­ten die­se oft sind, ver­fol­gen sie doch immer einen dra­ma­tur­gi­schen Bogen, ange­führt durch eine inne­re Getrie­ben­heit.

Zur­zeit fühlt es sich dage­gen eher an wie „zwi­schen den Jah­ren“, jene dump­fen Tage einer ein­ge­fro­re­nen Nicht-Zeit, nur mit mehr Warm. Und dass wir nicht wis­sen, wann Sil­ves­ter ist.

Dabei wäre es so schön, die­ses eine Datum zu haben, an dem mit einem Knall auf der gan­zen Erde die Türen wie­der auf­flie­gen, die Men­schen sich auf der Stra­ße in den Armen lie­gen, Sam­ba-Bands durch die Stra­ßen zie­hen und alle wild tan­zend den Neu­be­ginn begrü­ßen.

Statt­des­sen mutet es eher an wie eine mit­tel­mä­ßi­ge Serie, “Lost” viel­leicht, die recht span­nend anfängt, dann aber immer mehr nach­lässt, viel zu oft ver­län­gert wird und am Ende in Bana­li­tä­ten ver­siegt, weil sich her­aus­stellt, dass selbst die Macher lan­ge nicht wuss­ten, wie sie eigent­lich enden soll­te.

Was wird dann aus all den Rufen nach einer neu­en Welt? Nach mehr Soli­da­ri­tät und den gan­zen Din­gen, von denen wir jetzt ent­we­der mer­ken, dass wir sie gar nicht brau­chen oder dass wir sie ganz drin­gend brau­chen und viel zu lan­ge für selbst­ver­ständ­lich genom­men haben? Schüt­teln wir uns in eini­gen Wochen oder eini­gen Mona­ten oder eini­gen Jah­ren wie ein nas­ser Hund und machen ein­fach so wei­ter wie zuvor?

Irgend­wann fra­gen unse­re Enkel uns dann viel­leicht nach “damals, als die Welt still stand”, und alles, an das wir uns erin­nern, ist irgend­et­was Dif­fu­ses mit Toi­let­ten­pa­pier …