Tag 3, Donnerstag, 16. April 2020

Wie war das? Was habe ich da geschrie­ben? „Ein Plan, der nicht dem Motor mei­ner exis­ten­ti­el­len Angst folgt, son­dern akut, hand­fest und nach­hal­tig wirk­sam ist.“

Oha.

Ich beschlie­ße, Ping­pong zu spie­len. So nen­ne ich die Art und Wei­se, wie ich am liebs­ten arbei­te. Ich ent­wick­le Expo­sés, Kon­zep­te und Ideen und mache den Auf­schlag. Ping. Und dann war­te ich ab, was von den Ver­lags­lek­to­rin­nen oder ande­ren Kooperationspartner(inne)n zurück­kommt. Pong. Oder es läuft anders her­um: Sie haben eine Idee und ich spie­le den Ball zurück. Wenn es gut läuft, flie­gen anschlie­ßend die Bäl­le hin und her. Ich lie­be die­se Art von Aus­tausch. Das tut nicht nur den Geschich­ten gut, das tut auch mir gut und beflü­gelt mich.

Die Coro­na-Situa­ti­on ver­än­dert alles. Aber die­ses gut funk­tio­nie­ren­de Kon­zept könn­te auch hier funk­tio­nie­ren. Also pro­bie­re ich es aus.

Ping (Auf­schlag 1): Ich schil­de­re mei­nem Ver­lag ehr­lich mei­ne Sor­gen: Dass ich aktu­ell einen erheb­li­chen finan­zi­el­len Ein­bruch habe. Dass ich aktu­ell nicht arbei­ten kann. Dass ich nicht weiß, wann das wie­der mög­lich sein wird. Dass ich Angst habe, dass die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ohne Kin­der mit lodern­dem Feu­er­schweif an mir vor­bei­zi­schen, wäh­rend ich aus­ge­brannt am Stra­ßen­rand lie­ge. Schluss­fra­ge: Gibt es Sicher­hei­ten?

Ping (Auf­schlag 2): Ich stel­le einen Antrag beim Land Bre­men für Solo­selbst­stän­di­ge. Zunächst woll­te ich das nicht. Ich dach­te: „Ach, ich hab doch noch genü­gend Rück­la­gen für die nächs­ten Mona­te, ande­re haben das doch viel nöti­ger als ich.“ Ich ertapp­te mich dabei, dass ich mei­ne Arbeit gering­schät­ze, indem ich so etwas den­ke. Durch den Aus­tausch, vor allem mit Kol­le­gin­nen aus der Krea­tiv­bran­che, weiß ich, dass ich nicht die ein­zi­ge Frau bin, die in sol­chen Bah­nen denkt.

Der Auf­schlag gelingt nicht wirk­lich. Der Ping­pong­ball lan­det näm­lich zunächst beim BIS in Bre­mer­ha­ven und nicht bei der Bre­mer Auf­bau­bank. Oh.

Ping (Auf­schlag 2a): Ich küm­me­re mich dar­um, dass mein Antrag bei der Bre­mer Auf­bau­bank ankommt.

Ping (Auf­schlag 2b): Ich küm­me­re mich par­al­lel um die Künst­ler­so­fort­hil­fe des Lan­des Bre­men. Him­mel, ist das kom­pli­ziert. Wann darf man was wie wo ein­rei­chen? Und war­um soll ich auf­lis­ten, wie viel Geld ich trotz der Lesungs­aus­fäl­le den­noch ver­dient habe und ver­die­ne? Ver­ste­hen die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Behör­de, wie Men­schen wie ich ihre Ein­künf­te kal­ku­lie­ren? Dass einen Monat die Flut ins Haus schwappt und dann wie­der mona­te­lang Ebbe herrscht? Aus­ge­rech­net der März sieht auf­grund der aus­ste­hen­den Tan­tie­men gut aus. Lügen? Bes­ser nicht. Eine Stra­fe in die­ser Situa­ti­on hat mir gera­de noch gefehlt. Ich fül­le den Antrag ehr­lich aus. Und dann: Auf­schlag.

Und jetzt war­te ich aufs Pong.