Tag 1: Dienstag, 14. April 2020

Rück­blick – Mit­te März:

Fakt 1: 17 Lesungs­ab­sa­gen für die­sen Monat auf­grund der (über)regionalen Schul‑, Thea­ter- und Biblio­theks­schlie­ßun­gen. Ein her­ber Ver­lust, fällt doch damit ein gro­ßer Teil mei­ner kal­ku­lier­ten Ein­künf­te für die nächs­ten Mona­te weg, und zwar nicht nur für mich, son­dern für mei­ne gan­ze drei­köp­fi­ge Fami­lie.

Fakt 2: Die Schu­len in Bre­men wer­den geschlos­sen. Da ich allein­er­zie­hend bin, bedeu­tet das: Ich bin für die nächs­ten zwei Wochen Leh­re­rin und Rund­um­ver­sor­ge­rin mei­ner zwei Söh­ne.

Erkennt­nis 1: Ent­schä­di­gung für Lesungs­aus­fäl­le? Null. Nix. Mir wird zum ers­ten Mal tat­säch­lich bewusst, dass es kei­ne Ver­trä­ge gibt, die mich finan­zi­ell absi­chern, alles läuft auf Abspra­chen- und Ver­trau­ens­ba­sis. Hat ja auch bis­lang immer pri­ma funk­tio­niert. Ich tele­fo­nie­re mit einem der vier Ver­la­ge, für die ich schrei­be. Die Ansprech­part­ne­rin, die Lesun­gen in die Wege lei­tet und koor­di­niert, sagt mir Bera­tung und Unter­stüt­zung zu, schickt mir einen Ver­trags­ent­wurf für die Zukunft. Doch eine Absi­che­rung im Fal­le einer Pan­de­mie ist auch dar­in nicht ent­hal­ten. All­ge­mei­ne Ver­wir­rung. Par­al­lel dazu Mails von Schu­len: „Scha­de, dass es nicht klappt. Alles Gute!“ Das ist nett gemeint, genau­so wie der Plan, eini­ge Lesun­gen in den Herbst zu ver­le­gen. Dann jedoch habe ich bereits zahl­rei­che Lesun­gen an ande­ren Orten und schrei­be an Pro­jek­ten. Dem­zu­fol­ge gibt es kaum Kapa­zi­tä­ten, den finan­zi­el­len Ver­lust aus­zu­glei­chen. Und: Die Ein­künf­te feh­len de fac­to jetzt.

Erkennt­nis 2: Mein akri­bisch aus­ge­tüf­tel­ter Plan einer Kom­bi­na­ti­on von Home-Schoo­ling mor­gens und Roman­schrei­ben am Nach­mit­tag funk­tio­niert nicht. Mei­ne Kids benö­ti­gen mei­ne Unter­stüt­zung inclu­si­ve Unmen­gen an geschmier­ten But­ter­bro­ten. Beim anschlie­ßen­den gemein­sa­men Mit­tag­essen pen­ne ich fast ein. Dann zie­he ich mich wie geplant in mein Büro zurück. Doch mein Kopf ist dumpf und leer. Ich lege mich eine Wei­le auf´s Sofa. Aber ich kann nicht schla­fen, ich bin zu ner­vös. Ich kapie­re, dass ich aller Vor­aus­sicht nach in den nächs­ten Wochen, viel­leicht sogar Mona­ten kein Geld ver­die­nen wer­de.

Erkennt­nis 3: Ich brau­che einen neu­en Plan.