Sa 26. Oktober

›So nimmt man das Leben mit‹
Prä­sen­ta­ti­on der Antho­lo­gie mit Tex­ten von Zahirul Islam Babul (Ban­gla­desch), Mila Cha­mi (Syri­en), Far­han Heb­bo (Syri­en), Rosa Jais­li (Chi­le), Saber Lati­fi (Iran), Mad­jid Mohit (Iran), Sal­man Nur­hak (Tür­kei) und Ernes­to Sala­zar-Jimé­nez (Vene­zue­la)
Ein Buch­pro­jekt des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tors, hrsg. von Ange­li­ka Sinn
Lesung im Rah­men der ›glo­ba­le° – Fes­ti­val für grenz­über­schrei­ten­de Lite­ra­tur‹ (16. bis 28. Okto­ber)
In Koope­ra­ti­on mit dem Sujet Ver­lag
15 Uhr
Thea­ter Bre­men, Brau­haus­kel­ler, Goe­the­platz 1–3

Zum Pro­gramm der ›glo­ba­le°‹ geht es hier»

Die acht Autor*innen die­ser Antho­lo­gie kom­men ursprüng­lich aus Syri­en, Chi­le, Vene­zue­la, Iran, der Tür­kei und Ban­gla­desch, doch sie alle leben mitt­ler­wei­le in Deutsch­land.
Zwei Jah­re lang haben sie an einer Schreib­werk­statt des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tors teil­ge­nom­men. Ihre Erfah­run­gen mit Ter­ror, Gewalt, Krieg und Flucht wur­den bei die­sen Tref­fen auch the­ma­ti­siert,
im Mit­tel­punkt der von Ange­li­ka Sinn ange­lei­te­ten lite­ra­ri­schen Arbeit stan­den jedoch die Erin­ne­run­gen an die Zeit davor. Über das Erzäh­len gelang­ten die Autor*innen zum Schrei­ben, ihre Tex­te ver­fass­ten sie auf Deutsch. In den so ent­stan­de­nen Gedich­ten und Geschich­ten geht es um
Kind­heit, Fami­lie, Freund­schaft und Lie­be, um klei­ne Bege­ben­hei­ten und gro­ße Ereig­nis­se, um das All­täg­li­che und Beson­de­re eines jeden Lebens.

Ein­lei­tung aus der Antho­lo­gie von Ange­li­ka Sinn

Wer sei­ne Hei­mat ver­las­sen muss, kann oft all die Din­ge, die ihm oder ihr lieb und teu­er sind, nicht mitnehmen.Verwandte, Freun­de, Arbeits­kol­le­gin­nen wer­den zurück­ge­las­sen; von der Stadt, in der man auf­ge­wach­sen ist, der Woh­nung, in der man schon seit Jah­ren lebt, von ver­trau­ten Land­schaf­ten und Orten muss Abschied genom­men wer­den.

Was bleibt, sind die Erin­ne­run­gen. Im Gedächt­nis und im Her­zen nimmt man sein Leben mit.

Acht Autor*innen, die aus Syri­en, Chi­le, Vene­zue­la, Iran, der Tür­kei und Ban­gla­desch kom­men und heu­te in Bre­men leben, las­sen uns in die­sem Buch an ihren Erin­ne­run­gen teil­ha­ben.

In Gedich­ten und Geschich­ten erfah­ren wir bei­spiels­wei­se wie der Name der ers­ten Pup­pe lau­te­te, wo die Lieb­lings­blu­men wuch­sen, wie köst­lich die von der Mut­ter zube­rei­te­te Mai­s­pas­te­te schmeck­te. Wir sind bei einer Berg­be­stei­gung mit dem Opa dabei, auf dem Schul­weg, am Meer, beim ers­ten Job im Muse­um und bei Begeg­nun­gen mit Der­wi­schen und Geis­ter­frau­en.

Ent­stan­den sind die­se Tex­te, die uns so viel über das Leben und auch den kul­tu­rel­len Hin­ter­grund der Autor*innen erzäh­len, in einer Schreib­werk­statt, die ich ab 2017 im Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor ange­lei­tet habe.

Die Grün­de, war­um die Teilnehmer*innen ihre Hei­mat­län­der ver­las­sen muss­ten, sind viel­fäl­tig, sie alle aber haben Erfah­run­gen gemacht mit Ter­ror, Gewalt, Krieg und Flucht.

Nun könn­te man den­ken, dass die Stim­mung bei unse­ren Tref­fen gedrückt gewe­sen wäre – aber weit gefehlt! Obwohl auch immer wie­der trau­ri­ge Erin­ne­run­gen zu Tage kamen, über­wog in der Grup­pe die Freu­de dar­an, sich den ande­ren mit­zu­tei­len, die Schön­heit der eige­ne Kul­tur vor­zu­stel­len, Epi­so­den aus der per­sön­li­chen Geschich­te zu erzäh­len, auf­zu­schrei­ben und das Geschrie­be­ne vor­zu­le­sen.

Ver­bin­den­des Glied war die deut­sche Spra­che. Immer wie­der wur­de das Online-Wör­ter­buch befragt, wenn es um die Über­set­zung eines Wor­tes oder einer Rede­wen­dung ging, immer wie­der wur­den Ver­glei­che zwi­schen den Spra­chen gezo­gen, Meta­phern dis­ku­tiert, Unter­schie­de fest­ge­stellt und Gemein­sam­kei­ten gefun­den. Geschrie­ben wur­den die Tex­te dann auf Deutsch. Da das Sprach­ni­veau in der Grup­pe unter­schied­lich war, wur­de dabei mal mehr, mal weni­ger Unter­stüt­zung benö­tigt.

Ich hof­fe sehr, dass es uns mit die­ser Antho­lo­gie gelingt, den Leser*innen die Lebens­wel­ten der Autor*innen näher­zu­brin­gen und dass sie Freu­de haben an den viel­fäl­ti­gen The­men und Tex­ten! Denn die Autor*innen haben ihr Leben nicht nur mit­ge­nom­men, son­dern uns auch mit­ge­bracht.
In den vor­lie­gen­den Geschich­ten und Gedich­ten tei­len sie eini­ge ihrer Erin­ne­run­gen, Gedan­ken und Gefüh­le mit uns.