Ostfriesland‹ (AT) von Helge Hommers

Hel­ge Hom­mers
Foto: Sas­kia Perter­sen

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2018

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2018 erhiel­ten Hel­ge Hom­mers und Jörg Kasi­mir.
Lesen Sie an die­ser Stel­le einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Hel­ge Hom­mers. Einen Aus­zug aus dem Text von Jörg Kasi­mir fin­den sie hier ».

Helge Hommers: ›Ostfriesland‹ (AT)

Mei­ne Ur-Oma war eine star­ke Tee­trin­ke­rin. Man­che aus der Fami­lie behaup­ten, sie habe genau­so viel Tee in sich hin­ein­schüt­ten kön­nen wie mein Ur-Opa Schnaps. Und das, so erzählt man sich, soll eine beträcht­li­che Men­ge gewe­sen sein.

Erin­nern kann ich mich kaum an sie, weder an ihr Gesicht noch an den Klang ihrer Stim­me. Dafür an das schwar­ze, bis unters Kinn geknöpf­te Kleid und das Zwei­mark­stück, das sie mir gab, wenn ich für ein paar Minu­ten bei ihr gewe­sen war.

So spen­da­bel Ur-Oma war, so stur soll sie auch gewe­sen sein. Von ihren Ansich­ten und Vor­ha­ben ließ sie sich so gut wie nie abbrin­gen. Auch dann nicht, wenn die Argu­men­te eher gegen sie spra­chen. So war es auch damals, kurz nach­dem sie mei­nen Opa zur Welt gebracht hat­te.

Wie jedes Mal, wenn die Dorf­heb­am­me von Ur-Opa ihren Lohn ent­ge­gen­ge­nom­men hat­te, fuhr Ur-Oma ein paar Tage spä­ter nach Emden. In die Stadt, wie sie zu sagen pfleg­te. Leis­ten konn­te sich die Fami­lie sol­che Aus­flü­ge nicht. Doch Ur-Oma bestand dar­auf, denn ein paar Jah­re zuvor hat­te sie Ur-Opa das ers­te Mal zum Vater gemacht, wor­auf­hin sie die ein­zi­ge gemein­sa­me Rei­se ihres Lebens antra­ten, um in Emden Schu­he für das Neu­ge­bo­re­ne zu besor­gen.

Ur-Oma, die bis dahin nur in klo­bi­gen Holz­pan­ti­nen her­um geschlurft war, erhielt eben­falls ein Paar Leder­schu­he. Die­sen Luxus woll­te sie sich erhal­ten und rang mei­nem vor Glück­se­lig­keit unzu­rech­nungs­fä­hi­gen Ur-Opa das Ver­spre­chen ab, bei jedem wei­te­ren Sohn ein neu­es Paar kau­fen zu dür­fen.

So vie­le Söh­ne, dach­te Ur-Opa, kann sie gar nicht gebä­ren, um die Fami­lie arm zu machen, und wil­lig­te ein. Doch da hat­te er sei­ne Frau unter­schätzt.

Ruinös‹ von Jörg Kasimir

Jörg Kasi­mir
Foto: pri­vat

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2018

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2018 erhiel­ten Hel­ge Hom­mers und Jörg Kasi­mir.

Lesen Sie an die­ser Stel­le einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Jörg Kasi­mir. Einen Aus­zug aus dem Text von Hel­ge Hom­mers fin­den sie hier».

Jörg Kasimir: ›Ruinös‹

War zuerst die Back­stu­be weg oder war alles vor­bei, als die Kirch­turm­glo­cke nicht mehr erneu­ert wur­de? Schwer zu sagen, sicher ist aber, dass der Strom im Dorf immer häu­fi­ger aus­fiel, spä­tes­tens das war der Weck­ruf, zu gehen. Das Post­amt war vor drei Jah­ren geschlos­sen wor­den. Das hät­te schon frü­her pas­sie­ren kön­nen, aber das nun­mehr auch auf­ge­lös­te Büro für Abwick­lun­gen aller öffent­li­chen Arten tat sich schwer mit dem alten Müll, alles kei­ne ein­fa­che Fra­ge der Ent­sor­gung!

 

Irgend­wann begann man, das Amt voll­stän­dig mit Bret­tern zu ver­na­geln, da war schon alles zuge­wach­sen mit Klet­ter­pflan­zen. Schon kur­ze Zeit danach konn­te sich nie­mand mehr an das alte Post­amt erin­nern.

 

An dem Tag, als Eggert mit der Matrat­ze unterm Arm den Bäcker­berg hin­un­ter­ging, kam ihm der Orts­vor­ste­her ent­ge­gen und fluch­te:

Hey Esel, hast du den Wicht von der Bon­ne gese­hen? Der hat unser Orts­schild weg­ge­nom­men und ein eige­nes auf­ge­stellt.“

Was steht denn drauf?“

Tür zu!“

 

Der Orts­vor­ste­her war der letz­te, der den Esel sah. Der Mann wür­de sich aber nicht mehr an ihn erin­nern müs­sen, denn nur eine Woche spä­ter ver­schwand er nach Ber­lin, wie alle ande­ren auch. Auch die hun­dert im Dorf Ver­blie­be­nen ver­miss­ten den Esel nicht, denn man ging davon aus, dass auch er sich aus dem Staub gemacht hat­te. Aber er stieg durch ein Loch im Hin­ter­ein­gang des alten Post­am­tes, nagel­te es wie­der zu, ließ nur so viel Platz, wie das Essen und Trin­ken sei­ner Schwes­ter brauch­te, um hin­ein­zu­ge­lan­gen, und betrat den Kel­ler, um das Haus nicht mehr zu ver­las­sen. In dem Augen­blick, als der letz­te Post­se­kre­tär es sich zum ers­ten Mal auf der Matrat­ze bequem mach­te, wuss­te er, was man gemein­hin mit dem Wort Glück mei­nen könn­te. Es moch­te die­se Ruhe sein, die er jetzt emp­fand. Sie konn­ten kra­kee­len, wie es mit ihren hei­se­ren Stim­men noch mög­lich war, er wür­de es nicht mehr hören müs­sen. Auch das Licht drang nur noch durch eini­ge Rit­zen im Holz. Die Fens­ter waren schon zuge­wach­sen. Er muss­te sich an den Geruch des Moders und der Fäul­nis gewöh­nen, der grob und tief war, aber er wür­de ler­nen, aus Gego­re­nem Süßes zu schme­cken.

Notiz auf dem Frühstückstisch‹ (AT) von Hans-Hermann Mahnken

Hans-Hermann Mahnken
Hans-Her­mann Mahn­ken

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2017

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2017 gehen an Hans-Her­mann Mahn­ken und Mar­ti­na Rapp.
Lesen Sie an die­ser Stel­le einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Hans-Her­mann Mahn­ken. Einen Aus­zug aus dem Text von Mar­ti­na Rapp fin­den sie hier ».

Hans-Hermann Mahnken: ›Notiz auf dem Frühstückstisch‹ (AT)

Der Gar­ten mei­ner Kind­heit
war umge­ben von einer mäch­ti­gen Hecke
und barg an som­mer­li­chen Tagen ein Geheim­nis
still und unaus­sprech­lich
Die Bir­ke war mein schwan­ken­der Aus­guck
Wie­sen weit wie das Meer
bis hin zum fer­nen Bahn­damm
Wenn spät im Jahr die Feu­er brann­ten
zogen Wild­gän­se über uns hin­weg
lan­ge hör­te man ihr Rufen
Manch­mal saß ein Zwerg auf mei­nem Bett
schlug die Bei­ne über­ein­an­der
sprach Unver­ständ­li­ches mit fis­teln­der Stim­me
wäh­rend die Dun­kel­heit ins Zim­mer kroch
und die Eltern im nahen Gast­haus
zu den Klän­gen des Akkor­de­ons tanz­ten

Flo­ra­lia
Erhebt eure gesenk­ten Häup­ter,
starrt ein­mal nicht auf die Dis­plays
eurer Smart­pho­nes
und seht selbst:
Die For­sy­thi­en ver­schen­ken
ihr leuch­ten­des Blü­ten­gelb
an die­sem son­ni­gen Früh­lings­tag -
ein­fach so!

Gera­ni­en blü­hen auf der Fens­ter­bank,
auf den Kom­mo­den lie­gen Spit­zen­de­cken
und Pup­pen star­ren leer aus allen Ecken
auf alte Kin­der­fo­tos auf dem Schrank.
Und immer fühlt sich Vati wie ein Gast
im eig­nen, abbe­zahl­ten Haus mit Gar­ten,
in dem auf kur­zem Rasen Zwer­ge war­ten.
Wor­auf, ist ihm schon lang egal. Die Last
der uner­füll­ten Jah­re wiegt zu schwer.
Er geht zum Lie­ge­stuhl und legt sich hin,
erträumt sich dann die dicke Nach­ba­rin,
dass sie ihn rie­fe — nackt! — und wild begehr´…
Der Him­mel über ihm ist weit, so weit,
unend­lich wie die alte Ein­sam­keit.

Gewit­ter
Gespann­te Stil­le -
In der Fer­ne ein Grol­len,
rasch rollt es her­an.
Wol­ken bal­len sich
zu einer dunk­len Front. Dann
ein Schlag wie ein Gong.
Trop­fen begin­nen
zu fal­len — Regen bricht los,
rauscht in den Bäu­men.
Ein Blitz zuckt durch die
schwe­fe­li­ge Däm­me­rung,
gefolgt vom Don­ner.
Es gibt kein Hal­ten:
Was­ser schäumt auf dem Asphalt,
Fall­roh­re gur­geln.

Julie‹ von Martina Rapp

Martina Rapp
Mar­ti­na Rapp

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2017

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2017 erhiel­ten Hans-Her­mann Mahn­ken und Mar­ti­na Rapp. Lesen Sie hier einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Mar­ti­na Rapp. Einen Aus­zug aus dem Text von Hans-Her­mann Mahn­ken fin­den sie hier».

Martina Rapp: ›Julie‹

Plötz­lich bemerk­te sie, dass ein Jun­ge sie mus­ter­te. Er lehn­te an einer Pla­kat­wand auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te. Er war unge­fähr in ihrem Alter. Auch er schien weder zu den geschäf­ti­gen Pas­san­ten noch zu den amü­sier­be­rei­ten Nacht­schwär­mern zu gehö­ren. Wie lan­ge hat­te er sie schon beob­ach­tet? Lang­sam kam er zu ihr her­über, quer durch den dich­ten Ver­kehr. Er ließ sie nicht aus den Augen. Als er fast vor ihr stand,wandte er den Blick dem Tabak­la­den zu. Er betrat ihn ziel­stre­big, taxier­te die Rega­le, schau­te nach links zum Tre­sen und als er kein Per­so­nal erblick­te, griff er zu. Esme konn­te sehen, wie er sich eine Hand­voll bun­ter Scho­ko­rie­gel in die Tasche steck­te. Dann rann­te er aus dem Laden.
Esme rann­te, so schnell sie konn­te, hin­ter­her. Er schien sich in der Gegend aus­zu­ken­nen. Bei nächs­ter Gele­gen­heit bog er in eine klei­ne Sei­ten­stra­ße, über­quer­te einen Hin­ter­hof und bei­de erreich­ten keu­chend einen schma­len, kaum beleuch­te­ten Platz, an den ein ein­ge­zäun­ter Spiel­platz grenz­te. Der Jun­ge setz­te sich auf eine Bank. Esme blieb weni­ge Meter neben ihm ste­hen.
Er leer­te sei­ne Taschen und brei­te­te sei­ne Schät­ze auf der Park­bank aus. Süßig­kei­ten, Ziga­ret­ten, Erd­nüs­se, Pis­ta­zi­en in Plas­tik­fo­lie gewi­ckelt.
Mit einer Hand­be­we­gung lud er sie ein, sich zu set­zen.

 

Ob es reicht‹ (AT) von Bettina Beutler-Prahm

Bettina Beutler-Prahm
Bet­ti­na Beut­ler-Prahm

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2016

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2016 gehen an Bet­ti­na Beut­ler-Prahm und Sabi­ne Breit­bach.
Lesen Sie an die­ser Stel­le einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Bet­ti­na Beut­ler-Prahm. Einen Aus­zug aus dem Text von Sabi­ne Breit­bach fin­den sie hier ».

Bettina Beutler-Prahm: ›Ob es reicht‹ (AT)

Oktav­sprung

Er hat­te sei­nen Pan­zer ange­zo­gen und war raus. Die Tür zuge­schla­gen, Beats auf und abge­taucht. Es begann gera­de hell zu wer­den, die ers­ten Geschäf­te mach­ten schon auf, aber Paul hat­te vor­ge­sorgt. In sei­nem Turn­beu­tel, den er über die Schul­tern gehängt hat­te, befand sich genug Pro­vi­ant, mehr wür­de er nicht brau­chen. Bloß kei­nen Kon­takt. Zu nie­man­dem.

Jetzt nicht.

Als er sie das ers­te Mal traf, im Super­markt, zusam­men mit Felix – du weißt doch, Mama, Felix, Felix aus dem Kin­der­gar­ten – hat­te er sie im ers­ten Moment für Felix’ Bru­der gehal­ten, mit dem komi­schen Haar­schnitt und den wei­ten Kla­mot­ten. Hat­te sie für sei­nen Bru­der gehal­ten und, weil sie so klein war und ihn so breit angrins­te, geglaubt, der sei irgend­wie nicht ganz rich­tig im Kopf. Das hat­te er nicht gewusst, dass Felix einen Bru­der hat­te, der nicht ganz rich­tig im Kopf war, im Kin­der­gar­ten hat­te er den jeden­falls noch nicht gehabt. Jetzt aber auch nicht. Anna war nicht sein Bru­der, und sie hat­te erst recht kei­ne Mei­se – jeden­falls nicht mehr als die meis­ten ande­ren und er selbst auch. Eigent­lich sogar noch deut­lich weni­ger als er selbst.

Anna. ANNA. Trot­zig schal­te­te Paul die Musik lau­ter. Sie hat­ten rich­tig viel Spaß mit­ein­an­der gehabt. Anna. War­um hat­te es nicht so blei­ben kön­nen. Lachen, bis man kei­ne Luft mehr bekam und wirk­lich Angst hat­te, zu ersti­cken, aber dann auch wie­der kei­ne Angst, weil, es wäre ein guter Zeit­punkt gewe­sen, es war gera­de so schön. Schei­ße bau­en, sich zusam­men stark füh­len, Geheim­nis­se haben, den gan­zen Tag zusam­men auf dem Bett lie­gen und zocken, aus dem Fens­ter gucken, läs­tern, Vide­os anse­hen, boxen, den Kopf strei­cheln, die sei­di­gen Haa­re, die blon­den Locken. Ey Alter, was geht.

Irgend­wann wur­de es schwie­rig. Damit hat­te er nicht gerech­net, war nicht vor­be­rei­tet gewe­sen, was auch immer. Die bren­nen­de Röte, die es Paul bei dem Gedan­ken an die letz­ten Begeg­nun­gen mit Anna vor Weih­nach­ten ins Gesicht trieb, bahn­te sich sofort – instant, Alter – einen Weg zu dem leich­ten Gefühl von Übel­keit wei­ter unten im Kör­per, ver­band sich, schoss hin­ein, hob die Übel­keit an, die in einer gera­de­zu orga­ni­schen Wel­le ins Gehirn zurück­schwapp­te und alles ande­re dar­aus ver­dräng­te. Wie Hirn­frost, nur in heiß. Hirn­brand. Instink­tiv schob Paul die geball­ten Hän­de tie­fer in die Taschen sei­nes Ano­raks und beschleu­nig­te sei­nen Gang.

Anna war anders gewe­sen als die ande­ren Mäd­chen, hat­te er gedacht. Anna war doch anders.

Aber dann eben doch wie­der nicht. (…)

 

Das Foto‹ von Sabine Breitbach

Sabine Breitbach
Sabi­ne Breit­bach

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2016

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2016 erhiel­ten Bet­ti­na Beut­ler-Prahm und Sabi­ne Breit­bach. Lesen Sie hier einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Sabi­ne Breit­bach. Einen Aus­zug aus dem Text von Bet­ti­na Beut­ler-Prahm fin­den sie hier».

Sabine Breitbach: ›Das Foto‹

Eines Tages, vie­le Jah­re spä­ter, wird sie an einem frü­hen Mor­gen, noch vor dem Wecker­klin­geln wach wer­den und vor ihrem inne­ren Auge, auf der Lein­wand, auf der gera­de noch die nächt­li­chen Traum­fil­me lie­fen, wird immer noch ein Bild zu sehen sein. Die­ses Stand­bild wird nach dem Auf­ste­hen nicht ver­schwin­den, auch nicht beim Duschen oder beim Früh­stück und selbst am Abend wird es immer noch nicht ver­blasst sein. Sie wird es nicht mehr ver­ges­sen, nun, nach­dem sie damit begon­nen hat, sich dar­an zu erin­nern. Es ist die Erin­ne­rung an ein Foto, das sie schon seit Jahr­zehn­ten nicht mehr gese­hen hat und sie wird sich erin­nern, dass sie dabei war als die­ses Foto ent­stand. Jeden­falls wird sie glau­ben, sich dar­an zu erin­nern.

Das Schwarz-Weiß-Foto zeigt zwei Per­so­nen vor einer Zie­gel­mau­er und eine Bret­ter­tür im wei­chen Licht eines ver­reg­ne­ten Vor­mit­tags. Die zwei, eine jun­ge Frau und ein etwas jün­ge­rer Bur­sche, sind Bru­der und Schwes­ter, es sind ihre Geschwis­ter. Die Schwes­ter schaut direkt in die Kame­ra und krümmt sich vor Lachen, der Bru­der rechts dane­ben sieht betre­ten grin­send zum Foto­gra­fen. Dort hin­ter der Tür neben den bei­den steckt der Anlass für ihr Geläch­ter, eine drit­te Per­son, unsicht­bar. Die­se Per­son, der klei­ne­re Bru­der, wür­de ger­ne das ungast­li­che Che­mie­klo ver­las­sen, das er wegen Durch­falls an die­sem Vor­mit­tag schon vie­le Male auf­su­chen muss­te, kann es aber nicht, denn von außen ist der Rie­gel vor­ge­scho­ben. Spä­ter wird sie, die jüngs­te Schwes­ter, sich an sein wüten­des Getram­pel und Geheu­le hin­ter der Bret­ter­tür zu erin­nern mei­nen, aber was bedeu­tet das schon? Sie meint, sich auch zu erin­nern, als die­ses Foto ent­stand, rechts knapp hin­ter ihrem Vater gestan­den zu haben, gera­de erst hin­zu­ge­lau­fen, als er sei­ne alte Bal­gen­ka­me­ra geho­ben hat­te, um die letz­ten Fotos auf dem Film aus­zu­nut­zen. Viel­leicht, und das ist eben­so wahr­schein­lich, hat er jedoch mit der klei­nen Sucherka­me­ra foto­gra­fiert, die ihre Schwes­ter zur Kon­fir­ma­ti­on bekom­men hat­te. Sie ist ziem­lich sicher, hin­ge­lau­fen zu sein, weil gelacht wur­de, meint sich außer­dem zu erin­nern, auch jenes Mal wie­der nicht ver­stan­den zu haben, wor­über eigent­lich gelacht wur­de. Sie hät­te eben ger­ne mit­ge­lacht.

Es war eine kur­ze Pau­se im Dau­er­re­gen einer Rei­he tris­ter Tage. Für ein paar Minu­ten hiel­ten die Wol­ken, die sich schwer und grau­schwarz und grün­lich über den Him­mel wälz­ten, dicht. Wahr­schein­lich waren sie alle ein­fach nur erleich­tert, jetzt end­lich wie­der nach Hau­se zu fah­ren. Und viel­leicht bedeu­te­te die­ses Lachen auch nichts ande­res als Erleich­te­rung, nur Rolf kam nicht her­un­ter von die­sem Plumps­klo in dem Bret­ter­ver­schlag.

Spä­ter wird sie sich fra­gen, ob sie damals auch gelacht hat, ihren nur wenig älte­ren Bru­der aus­ge­lacht hat in sei­ner Not­la­ge und sei­ner Wut, und sie wird sich wün­schen, nicht gelacht zu haben, und wenn doch, wür­de sie sich heu­te noch dafür schä­men, über vier­zig Jah­re spä­ter, denn wie auf dem Foto ist die­ser Bru­der auch in der heu­ti­gen Wirk­lich­keit nicht sicht­bar, son­dern seit Jah­ren ver­schwun­den. Und sie wird sich fra­gen, was da in die­sen Jah­ren eigent­lich so schief gelau­fen ist, dass er so gründ­lich hat­te ver­schwin­den müs­sen. Sicher war es nicht nur die­se eine Sze­ne und der Vater, der nichts Bes­se­res zu tun hat­te, als ein Foto davon zu machen, wäh­rend Rolf hin­ter der Tür ran­da­lier­te. Und sie wird die­ses Foto im Kopf mit sich her­um­tra­gen und es nicht ver­ste­hen, wie­der ein­mal nicht ver­ste­hen, was vor sich ging und war­um eigent­lich gelacht wur­de. So wie sie damals oft dabei gestan­den hat und sich ein Bild, einen Satz, einen Gesichts­aus­druck zu mer­ken ver­such­te, um ihn spä­ter zu ver­ste­hen, spä­ter, wenn sie grö­ßer wäre.

 

Ich kann dich hören‹ von Katharina Mevissen

Katharina Mevissen
Katha­ri­na Mevis­sen

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2015

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2015 gehen an Katha­ri­na Mevis­sen und Gian­na Lan­ge.
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Katharina Mevissen: ›Ich kann dich hören‹

(Pro­log)

Zuerst und vor allem sollst du zuhö­ren. Denn so habe ich ange­fan­gen, und nach allem, was wir erlebt haben, kann ich dir mit gera­dem Blick in dein Gesicht sagen, dass das Zuhö­ren etwas unfass­bar Schö­nes ist.

Ella hat mir die­ses Zuhö­ren bei­gebracht, auch wenn ich schon vor­her gar nicht so übel dar­in war. Ich hab sie gehört, oft, lan­ge, gründ­lich, hab ihr zuge­hört, ihre Sät­ze fast aus­wen­dig gelernt. Ich wür­de sagen, dass ich sie ken­ne. Obwohl ich kein Bild von ihr habe, kei­nen Geruch. Das ist nicht so wich­tig. Ohne Ella hät­te ich nicht ange­fan­gen.

(…)

Ich schlei­che auf der Rad­spur ent­lang, das Cel­lo auf mei­nem Rücken ist schwe­rer als sonst. Müll und Pfand auf dem Weg. Loses Laub und lee­re Bäu­me. Ich will Kaf­fee jetzt, Kaf­fee mit Zucker, zum mit­neh­men und weg­lau­fen. Ich füh­le mich ver­klumpt. Mein Kopf ist ver­stopft vom Wochen­en­de im Ruhr­ge­biet, dem völ­lig dane­ben gespiel­ten Noten­matsch von der Prü­fung, dazwi­schen geis­tert Ellas Stim­me her­um. Die Tage wue­den kür­zer, es däm­mert schnell, das Tages­licht über­holt mich und ver­schwin­det. Die gewis­sen­haf­ten Rad­fah­rer fah­ren mit Licht und klin­geln mich vom Fahr­strei­fen. Ich rege mich heu­te noch nicht mal auf über die­se beknack­ten Ver­kehrs­klug­schei­ßer, ich star­re nach vor­ne und die Ampel­lich­ter star­ren glim­mend zurück, durch die lee­ren Bäu­me. Nach Hau­se. Ich muss zumin­dest die­ses beschis­se­ne Cel­lo los­wer­den.

Ich kom­me nach Hau­se, oder zumin­dest nach dort, wo ich woh­ne.

Das Licht ist noch an, es ist schon wie­der ver­ges­sen wor­den.

Abwe­send puh­le ich mir die Kon­takt­lin­sen aus den Augen. Ansons­ten las­se ich alles so, wie es ist. Den Belag auf den Zäh­nen, den Zucker, das Schlech­te. Das Licht bren­nen, ich kann heu­te nicht, kann heu­te wirk­lich nicht der Letz­te sein, der, der es aus­macht.

Jetzt bin ich bei dir, Ella. Setz­te mir Kopf­hö­rer auf, damit ich dich nicht tei­len muss, damit ich mit dir allei­ne bin. Knip­se dei­ne Stim­me an. Ich höre dich.

Track 8:

Wir gucken in die Wol­ken, lie­gen im kal­ten Sand, die Wol­ken sind dick und quel­lig, wir gucken ihnen nach, wie schnell sie zie­hen.

Auf Wol­ken kann man nicht lie­gen. Das ist nur Was­ser­dampf. Das hast du mir damals wirk­lich gesagt, als ich dir erzählt hab, dass ich mich gera­de oben auf die Wol­ken legen wür­de, und flie­gen. Nein, mein­test du, hast, auf Wol­ken kannst du nicht lie­gen, die sind aus Was­ser­dampf, nur Was­ser­dampf, da fällst du ein­fach durch.“

Track 9:

Hel­lo, hi. Thank you for taking us. Yes, Gal­way is per­fect. And… oh, sor­ry. I am Ella, my name is Ella. That’s my sis­ter, Jo. (Geräu­sche: iri­sches Auto­ra­dio, undeut­li­che Män­ner- stim­me) Yes, yes, from Ger­ma­ny, you know Ham­burg, of cour­se? We are from Ham­burg. (Wie­der Män­ner­stim­me, unver­ständ­lich, Radio wird lau­ter gedreht). „I don’t know that song, but I like it. Yes, the music is good. (Män­ner­stim­me) Oh, no, she can’t hear it. My sis­ter is deaf. (Musik wird noch lau­ter gedreht) No, no, she won’t hear it, only the beat, some­ti­mes.“

Ich drü­cke auf Pau­se. Hal­te die Augen geschlos­sen. Höre hal­be Sät­ze Musik, die in mei­nen Ohren anschwel­len, und sehe den rie­si­gen, dicken Wol­ken zu, auf denen ich nicht lie­gen kann. Ich pres­se mei­ne Hand­flä­chen fest in die Matrat­ze.

 

Elise‹ von Gianna Lange

Gianna Lange. Foto: Franziska Evers
Gian­na Lan­ge. Foto: Fran­zis­ka Evers

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2015

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2015 erhiel­ten Katha­ri­na Mevis­sen und Gian­na Lan­ge. Lesen Sie hier einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Gian­na Lan­ge. Einen Aus­zug aus dem Text von Katha­ri­na Mevis­sen fin­den sie hier ».

Gianna Lange: ›Elise‹

Sie waren sich alle so sicher. Selbst Eli­se. Sprach und hus­te­te Blut. Und dann rie­fen sie an und sag­ten, dass sie gelo­gen hat­ten. Dass sie gestor­ben war. Letz­te Nacht, völ­lig uner­war­tet, denn an Tuber­ku­lo­se stirbt heu­te nie­mand mehr. Und es stimm­te auch nicht, dass ein totes Gesicht aus­sieht wie ein schla­fen­des. In einem schla­fen­den Gesicht ist das wache noch sicht­bar. Es legt sich unter die obers­te Haut­schicht und war­tet und schim­mert durch den Schlaf. Und mit ihm sein Lachen, sein Wei­nen, sei­ne Wut, die Fal­ten, die dazu gehör­ten. Die Anstren­gun­gen, die ein jeder Tag brach­te, die die Kno­chen klei­ner drück­ten und die Fal­ten fal­te­ten. All das war jetzt weg. Es war aus die­sem Gesicht gewi­chen und hat­te etwas Far­be mit­ge­nom­men. Hier lag ein Gesicht, das kei­ne Spu­ren mehr hat­te. Durch die Haut, dabei war sie jetzt so hell, schim­mer­te nichts mehr hin­durch. Ursprüng­lich sah es aus. Wie ein Gesicht, das kein Leid kann­te, Unge­rech­tig­kei­ten und Trau­er noch nicht ken­nen­ge­lernt hat­te. Die Lach­fal­ten um die Augen hat­ten ihre Arbeit ver­lo­ren und lagen hilf­los und untä­tig um die Augen mei­ner Mut­ter, die oft gelacht hat­te. Mit dem Mund und den Fal­ten und den Grüb­chen, aber nicht immer mit den Augen. So als müss­te es rei­chen, der Welt zu zei­gen: ‘Sieh, ich lache noch. Aber sieh nicht so genau hin. Sieh nur auf den Mund und die Fal­ten und die Grüb­chen. Siehst du? Ich lache noch. Siehst du, Sohn? Ich lache noch. Also sor­ge dich nicht.’ Das hab ich nie, war­um soll­te ich jetzt damit anfan­gen? Sag mir, Eli­se, war­um soll ich?

Als mein Unter­be­wusst­sein fest­stell­te, dass Emma mei­ner Mut­ter ähnel­te, begann es umge­hend, mir Sig­mund Freuds Weis­hei­ten an den Kopf zu wer­fen. ‘Was soll denn das wer­den, Ödi­pus?’ Und ich sah Emma an und sie lächel­te mit den Augen. Anders als Eli­se, deren Augen schon lan­ge nicht mehr gewusst hat­ten, wie das ging. Und wenn ich sie ansah, hielt alles in mir end­lich die Schnau­ze.

 

Elektrisches Pferd am Himmel über Berlin‹ von Philipp Böhm

Philipp Böhm
Phil­ipp Böhm

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2014

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2014 gehen an Phil­ipp Böhm und Ben­ja­min Tiet­jen.
Lesen Sie an die­ser Stel­le einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Phil­ipp Böhm. Einen Aus­zug aus dem Text von Ben­ja­min Tiet­jen fin­den sie hier ».

Philipp Böhm: ›Elektrisches Pferd am Himmel über Berlin‹

Zunächst war da ein Brum­men in der Luft, ein Brum­men so tief, dass es in den Ein­ge­wei­den spür­bar war, womit pri­mär der Magen gemeint war und ver­mut­lich auch der Darm, der nun schwang, in Schwin­gung gesetzt. Zunächst war da ein Brum­men, es war zuerst da und dann kam erst der Schat­ten, der nicht recht zu loka­li­sie­ren war, es muss­te hin­ter den Wol­ken sein, aber kön­nen wir über­haupt Din­ge sehen, die hin­ter den Wol­ken flie­gen? Beant­wor­tet wur­de der Klang zuerst von den Hun­den und die drei wei­ßen Möp­se mit schwar­zen mit­tel­gro­ßen Fle­cken, die von der älte­ren Dame in der hell­blau­en Wind­ja­cke geführt wur­den, deren offen prä­sen­tier­te Arsch­lö­cher kei­ne drei Meter vor uns bis­her mei­ne Auf­merk­sam­keit auf sich gezo­gen hat­ten, setz­ten zu heu­len an, schick­ten lang­ge­zo­ge­ne Kla­ge­lau­te dem Him­mel ent­ge­gen, wo sich der gro­ße Schat­ten beweg­te, den wir nicht recht fin­den konn­ten. Wir wuss­ten nur: Er war da. Etwas flog da oben über dem Maja­kow­s­ki­ring, über Ber­lin. Es war ein Herbst­tag, der dem Ende ent­ge­gen schritt, so wie das Jahr uner­bitt­lich gen Weih­nach­ten ging. Maja­kow­s­ki­ring, Ber­lin, Bäu­me ohne Blät­ter, trop­fend vom letz­ten Regen­fall, der noch nicht so lan­ge zurück lag. Wir stan­den dort auf dem Trot­toir zu dritt und vor uns heul­ten die Möp­se, miss­ach­te­ten die älte­re Dame, die an den Lei­nen riss, um sie zum Wei­ter­ge­hen zu ermun­tern, das Gesicht gerö­tet, pein­lich berührt. Doch auch sie konn­te den Klang hören und warf ängst­li­che Bli­cke in den Him­mel, den Wol­ken ent­ge­gen. Wir wuss­ten nicht recht, ob wir ste­hen­blei­ben oder wei­ter­ge­hen soll­ten, wuss­ten auch nicht, ob wir bereits an Lot­te Ulb­richts Haus vor­bei waren. Kei­ner von uns kann­te sich aus in Ber­lin: Hart­mann nicht, auch nicht die Frau vom Mond, und ich schon gar nicht. Rat­los harr­ten wir aus und ich zog die schwar­ze Woll­müt­ze über mei­ne Ohren, doch es war nicht mög­lich, das Geräusch drau­ßen zu hal­ten, die Schwin­gung war durch­drin­gend. Gera­de hat­te Hart­mann noch gesagt, er habe jetzt gera­de ein Gedicht über Maja­kow­ski gele­sen. Er hat­te gesagt: Es han­delt von Maja­kow­skis Waf­fe, sei­ner Pis­to­le, die irgend­wer ver­kau­fen möch­te. Sei das nicht wun­der­lich? Maja­kow­skis Kopf wur­de selbst mit einer Kugel ver­gli­chen. Kano­nen­ku­gel­kopf, sag­te Hart­mann, wur­de er damals auch genannt. Und gera­de als er sag­te, Mat­thew Dick­man, es sei Mat­thew Dick­man gewe­sen, der das Gedicht geschrie­ben habe, brach der Huf durch die Wol­ken. (…)

Mister Gute Miene‹ von Benjamin Tietjen

Benjamin Tietjen
Ben­ja­min Tiet­jen

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2014

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2014 erhiel­ten Phil­ipp Böhm und Ben­ja­min Tiet­jen. Lesen Sie hier einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Ben­ja­min Tiet­jen. Einen Aus­zug aus dem Text von Phil­ipp Böhm fin­den sie hier ».

Benjamin Tietjen: ›Mister Gute Miene‹

Fei­er­abend. Die Men­schen dräng­ten sich auf dem Bahn­steig. Beleuch­tet vom künst­li­chen Licht. Unter der Erde. Sie schau­ten auf ihre Arm­band­uh­ren. Sie tipp­ten in ihre Han­dys. Sie lasen Zei­tung. Eini­ge unter­hiel­ten sich.
Er stieg die Trep­pen zum Bahn­steig tän­zelnd run­ter. Ganz so, als wären die Stu­fen die Tas­ten eines Kla­viers, das er mit sei­nen Stie­fe­let­ten bespiel­te. Bei­na­he in Tran­ce. Ganz in Schwarz. Im Rhyth­mus zu der Musik, die aus sei­nem Walk­man kam.
Er schrieb mit einem schwar­zen Mar­ker ›Ima­gi­ne there’s no Hea­ven‹ an die Flie­sen der U‑Bahnstation. Sei­ne Hand­schrift war nicht die eines Wri­ters. Er schrieb Buch­sta­be für Buch­sta­be in sau­be­rer Druck­schrift. Hier und da ver­lief die Far­be. Er mal­te einen Schräg­strich hin­ter ›Hea­ven‹ und schrieb ›It’s easy if you try‹.
Die Men­schen lasen Zei­tung. Ein Mann strei­chel­te sei­nen ver­un­si­cher­ten Hund. Die Luft stand.
Er schrieb ›No hell below us‹. Ein Schräg­strich. Dahin­ter ›Above us only sky‹.
Die ers­te Stro­phe war fer­tig. Am Ende stand ›Living for today‹, und dann kam das Wer­be­pla­kat für ›Hugo Woman‹. Geschaf­fen aus einer neu­en unge­zähm­ten Lust am Leben.

Er ging zurück und schrieb unter die ers­te Stro­phe die zwei­te. Dar­un­ter die Drit­te, die Vier­te, den Schluss. Dann mal­te er dem weib­li­chen Model auf dem Wer­be­pla­kat eine run­de Son­nen­bril­le. Dort­hin, wo zuvor ihre bestechen­den Augen waren. Und über ihren erns­ten Mund mal­te er einen lachen­den Mund.
Dann kam die Bahn. Er setz­te sich ans Fens­ter und schau­te auf die Wand. Alex nick­te ihr zu. Ganz so, als kom­mu­ni­zie­re sie mit ihm. Als bestä­ti­ge er zufrie­den ihren neu­en Look.

(…)