Das Bremer Literaturkontor präsentiert zum Jahresabschluss 2018:

Foto: Rike Oehlerking
Foto: Rike Oeh­ler­king

Geschich­ten, Mythen und (Familien-)Legenden‹

Seit Sep­tem­ber 2017 tref­fen sich im Lite­ra­tur­kon­tor regel­mä­ßig Bre­mer Autorin­nen und Autoren, die aus Syri­en, Iran, Chi­le, der Tür­kei, Vene­zue­la und Ban­gla­desch stam­men, zum gemein­sa­men Schrei­ben. Ange­lei­tet wer­den sie dabei von Ange­li­ka Sinn.

Die Teilnehmer*innen haben Erfah­rung mit Krieg, Ter­ror, Ver­fol­gung und Flucht gemacht. Die­se The­men kom­men daher auch im Work­shop zur Spra­che. Ein Schwer­punkt der lite­ra­ri­schen Arbeit liegt jedoch auf den Erzäh­lun­gen aus den jewei­li­gen Hei­mat­län­dern, auf Geschich­ten, Mythen und (Familien-)Legenden, die nicht in Ver­ges­sen­heit gera­ten sol­len. So ent­ste­hen Tex­te, in denen wir etwas über die Zube­rei­tung und den genuss­vol­len Ver­zehr von Mai­s­pas­te­te erfah­ren oder den süßen Geschmack von Man­gos, Erzäh­lun­gen über Geis­ter­er­schei­nun­gen, Berg­wan­de­run­gen mit dem Groß­va­ter, Fami­li­en­fes­te und Begräb­nis­se, Gedich­te über feder­leich­te oder wil­de Träu­me.

Zum Jah­res­ab­schluss 2018 prä­sen­tiert das Lite­ra­tur­kon­tor nun eine Aus­wahl der in der Schreib­werk­statt bis­lang ent­stan­de­nen Tex­te. Mit dabei sind Zahirul Islam Babul, Mila Cha­mi, Saber Lati­fi, Rosa Jais­li, Sal­man Nur­hak, Far­han Heb­bo, Mad­jid Mohit und Ernes­to Sala­zar-Jimé­nez. Für die musi­ka­li­sche Unter­ma­lung der Lesung sor­gen Jem­ma Thrus­sell und Hye­jin Jang – bei­de spie­len Cel­lo. Ange­li­ka Sinn mode­riert den Abend.

Im Anschluss an die Ver­an­stal­tung lädt das Team des Lite­ra­tur­kon­tors die Gäs­te zu Gesprä­chen bei Wein und Bre­zeln ein.

Bremer Autorenstipendien 2018 vergeben

Zur För­de­rung des lite­ra­ri­schen Nach­wuch­ses ver­gibt der Sena­tor für Kul­tur jähr­lich zwei Sti­pen­di­en zu je 2500,- Euro an Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler, die ihren Wohn­sitz in Bremen/ Bre­mer­ha­ven oder dem angren­zen­den Umland haben.

2018 gehen die Sti­pen­di­en an Hel­ge Hom­mers und Jörg Kasi­mir.

Begrün­dung der Jury:
Der Aus­zug aus Hel­ge Hom­mers’ Roman­pro­jekt ›Die Boom­gar­dens‹ erzählt unter der Über­schrift ›Das letz­te Paar Schnür­schu­he‹ zunächst die Geschich­te der Urgroß­mutter des Erzäh­lers, die 1933 kurz­fris­tig von den Nazis ver­haf­tet wur­de, weil sie bei einem jüdi­schen Schuh­ma­cher ein­kauf­te. Die­se Fami­li­en­ge­schich­te von ver­meint­li­cher Zivil­cou­ra­ge und bäu­er­li­cher Nai­vi­tät gegen­über dem NS-Herr­schafts­sys­tem ahmt ein bekann­tes Mus­ter nach, doch Hom­mers’ Text  stellt sich schließ­lich als Ver­such eines jun­gen Man­nes her­aus, die Erin­ne­run­gen sei­nes Groß­va­ters auf­zu­schrei­ben. Die­ser reflek­tier­te Umgang mit dem eige­nen Schrei­ben und den Mög­lich­kei­ten, von der Ver­gan­gen­heit zu erzäh­len, hat die Jury eben­so über­zeugt wie die sprach­li­che Qua­li­tät des Text­aus­zugs.

Aus einem Buch­pro­jekt mit 6 Erzäh­lun­gen über ver­las­se­ne Orte legt Jörg Kasi­mir ›Rui­nös‹ vor. In einem Ort nahe der pol­ni­schen Gren­ze wird nach der Wen­de ein Post­amt geschlos­sen und dann sich selbst über­las­sen. Der letz­te ver­blie­be­ne Post­haupt­se­kre­tär beschließt, sich in sein Post­amt zu bege­ben und mit ihm zusam­men den end­gül­ti­gen Ver­fall zu leben. Im Lau­fe der Jah­re lösen sich bei­de auf. Ihr zu Schutt- und Asche­wer­den schlingt sich inein­an­der. Das beschreibt der Autor als Sym­pho­nie des Ver­falls, die er mit orga­ni­schen Sprach­tö­nen und natür­li­chen Meta­phern instru­men­tiert.

Hel­ge Hom­mers
Foto: Sas­kia Perter­sen

Hel­ge Hom­mers wur­de 1989 in Emden gebo­ren. Nach dem Abitur leis­te­te er sei­nen Zivil­dienst in Bre­men, wo er im Anschluss ein Stu­di­um der Lin­gu­is­tik und Sport­wis­sen­schaf­ten begann. Danach mach­te er sei­nen Mas­ter in Trans­na­tio­na­le Lite­ra­tur­wis­sen­schaf­ten in Bre­men und Prag. Nach­dem Hom­mers bereits als frei­er Autor für den Weser Kurier gear­bei­tet hat­te, begann er dort im Herbst 2017 ein Volon­ta­ri­at.
Eini­ge sei­ner Kurz­ge­schich­ten wur­den in Lite­ra­tur­an­tho­lo­gi­en ver­öf­fent­licht und mit Prei­sen aus­ge­zeich­net.

Jörg Kasi­mir
Foto: pri­vat

Jörg Kasi­mir, 1964 in Wol­fen­büt­tel gebo­ren, hat zunächst als Ver­lags­kauf­mann gear­bei­tet, spä­ter dann an der Uni­ver­si­tät Bre­men Kul­tur­wis­sen­schaf­ten und Phi­lo­so­phie stu­diert. Nach dem Stu­di­um war er an der Pla­nung und Durch­füh­rung diver­ser Kunst- und Kul­tur­pro­jek­te in Bre­men betei­ligt, u.a. für die Schwank­hal­le. Für die Städ­ti­sche Gale­rie hat er im Bereich Aus­stel­lungs­or­ga­ni­sa­ti­on gear­bei­tet. Seit 2013 ist er zudem im sozia­len Bereich tätig.
Kasi­mir schreibt Erzäh­lun­gen und Essays sowie Bei­trä­ge für Kunst­ka­ta­lo­ge und Aus­stel­lun­gen.

Zur Jury 2018 gehör­ten Jan Gerst­ner (Uni­ver­si­tät Bre­men), Ulri­ke Marie Hil­le (VHS Bre­men / Autorin), Bernd Gosau (Frei­er Lek­tor) und Regi­na Weber (Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor / Redak­teu­rin, Lek­to­rin).

Die Lesung der Sti­pen­dia­ten 2018 fin­det Diens­tag, den 15. Janu­ar 2019, 20 Uhr, im Café Ambi­en­te, Oster­deich 69a, statt. Die Mode­ra­ti­on des Abends über­neh­men Jan Gerst­ner und Bernd Gosau.

Aus­zü­ge aus den Manu­skrip­ten der Sti­pen­dia­ten fin­den Sie hier» und hier».