Europäischer Literaturwettbewerb 2020

Für wen: Kin­der und Jugend­li­che in Euro­pa in zwei Alters­grup­pen
von 8 bis 13 Jah­ren bzw.
von 14 bis 18 Jah­ren
die in deut­scher Spra­che schrei­ben
(zwi­schen 1. Okto­ber 2001 und 1. Okto­ber 2011 gebo­ren)

Bis wann: 30. Sep­tem­ber 2019 (E-Mail-Ein­gang, Post­stem­pel)

The­ma: »anfan­gen«

»Anfan­gen« ist das Mot­to, unter dem wir dich dies­mal zum Lite­ra­tur­wett­be­werb herz­lich ein­la­den.

Egal, ob du eine Fan­ta­sie­geschich­te schreibst oder etwas erzählst, das wirk­lich pas­siert ist (oder pas­siert sein könn­te), aber für jeman­den viel­leicht ziem­lich unglaub­lich klingt, oder von einer Lüge, die nicht ohne Fol­gen geblie­ben ist, oder wovon auch immer – lass dei­ner Fan­ta­sie frei­en Lauf! Das The­ma soll­te also für dich nur eine ers­te Anre­gung sein. Titel und Inhalt dei­ner Tex­te kannst du frei wäh­len! Sicher­lich gibt es eini­ges, was du schon immer nie­der­schrei­ben woll­test – Also, wor­auf war­test du noch?

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter www.literaturwerkstatt.at

Ausschreibung des Hannsmann-Poethen-Literaturstipendiums 2020

Die Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart schreibt im zwei­jäh­ri­gen Tur­nus das Hanns­mann-Poe­then-Lite­ra­tursti­pen­di­um aus. Bewer­bungs­schluss ist der 30. Sep­tem­ber 2019. Das bun­des­weit ein­ma­li­ge Tan­dem-Sti­pen­di­um rich­tet sich an eine Autorin oder einen Autor sowie an eine Künst­le­rin oder einen Künst­ler einer ande­ren Spar­te, die gemein­sam ein lite­ra­risch-künst­le­ri­sches Pro­jekt in der Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart umset­zen. Das Sti­pen­di­um in Höhe von 15.000 Euro umfasst zusätz­lich die Miet­kos­ten für einen drei­mo­na­ti­gen Auf­ent­halt vom 15. Janu­ar bis zum 15. April 2020 in Stutt­gart sowie einen Zuschuss zum Pro­jekt­bud­get in Höhe von maxi­mal 9.000 Euro. Das inno­va­ti­ve, spar­ten­über­grei­fen­de Sti­pen­di­um bringt Lite­ra­tur mit ande­ren Kunst­for­men (Kunst, Musik, Thea­ter, Film, Neue Medi­en etc.) zusam­men. Die­ser Ansatz belebt die lite­ra­ri­sche, aber auch die gesam­te kul­tu­rel­le Sze­ne und öff­net sie für neue, unge­wohn­te Erfah­run­gen.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter www.stuttgart.de/hannsmann-poethen-literaturstipendium

Lesung zum Thema Europa – Texteinreichungen erwünscht

Noch nie seit dem Zwei­ten Welt­krieg war Euro­pa so wich­tig. Und doch war Euro­pa noch nie in so gro­ßer Gefahr“, erklär­te Frank­reichs Prä­si­dent Emma­nu­el Macron kürz­lich in einem Gast­bei­trag, der in zahl­rei­chen inter­na­tio­na­len Zei­tun­gen abge­druckt wur­de. Kurz vor der Euro­pa­wahl am 26. Mai 2019 sind die Mei­nun­gen zu dem The­ma gespal­ten wie sel­ten zuvor. Vie­le unter­stüt­zen den euro­päi­schen Gedan­ken wei­ter­hin, die einen for­dern eine neue Visi­on von Euro­pa, ande­re erklä­ren das Pro­jekt EU für geschei­tert.

Die Bre­mer VS-Grup­pe möch­te sich im Rah­men einer Lesung dem The­ma Euro­pa wid­men und die­ses von lite­ra­ri­schen Posi­tio­nen aus betrach­ten.

Für die­ses Pro­jekt suchen wir Tex­te, die sich dem The­ma Euro­pa auf unter­schied­li­che Wei­se annä­hern: Poli­tisch, mytho­lo­gisch, kri­tisch, per­sön­lich, indi­vi­du­ell.

Will­kom­men ist Kurz­pro­sa, Rei­se­be­richt, Lyrik, Essay oder auch Expe­ri­men­tel­les. Die Tex­te sol­len in sich abge­schlos­sen sein und eine Län­ge von 6 Norm­sei­ten nicht über­schrei­ten. Bit­te außer­dem eine kur­ze Vita bei­fü­gen (ca. 12 Zei­len). Nach­wuchs­au­torIn­nen sind herz­lich will­kom­men.

Ein­rei­chun­gen bis zum 26. Mai an: ausschreibung-europa-vs@gmx.de

Aus den Ein­sen­dun­gen wird die Arbeits­grup­pe Bei­trä­ge her­aus­su­chen und ein Pro­gramm zusam­men­stel­len. Die Aus­schrei­bung ist nicht als Lite­ra­tur-Wett­be­werb zu ver­ste­hen, son­dern als Auf­ruf, sich dem The­ma Euro­pa so bunt und viel­sei­tig wie mög­lich anzu­nä­hern.

Mit der Ein­sen­dung erklä­ren sich die Teil­neh­mer ein­ver­stan­den, ihren Text im Rah­men einer öffent­li­chen Ver­an­stal­tung am 18. Sep­tem­ber 2019 in Bre­men vor­zu­tra­gen. Für die Teil­nah­me an der Lesung wird eine Auf­wands­ent­schä­di­gung gezahlt.

Tex­te mit ras­sis­ti­schen, sexis­ti­schen, homo­pho­ben sowie rechts­po­pu­lis­ti­schen Inhal­ten sind uner­wünscht!

Der VS (Ver­band deut­scher Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler in ver.di ) ist ein Berufs­ver­band für AutorIn­nen, der sich in Rechts- und Hono­rar­fra­gen für haupt- und neben­be­ruf­lich Schrei­ben­de stark macht. Außer­dem agiert er als Ver­an­stal­ter und För­de­rer ver­schie­de­ner lite­ra­ri­scher Pro­jek­te und Events.

https://vs.verdi.de/themen/vs-landesverbaende/vs-niedersachsen-bremen

Das Pro­jekt fin­det in Koope­ra­ti­on mit dem Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor e.V. statt.

Pro­jekt­ver­ant­wort­li­che: Jani­ne Lancker, Jani­ka Rehak

Schreibwerkstatt mit Laura Müller-Henning

Lau­ra Mül­ler-Hen­nig, Autorin und Künst­le­rin, lei­tet die ›Lit­Ko-Schreib­werk­statt für jun­ge Autor*innen‹, die sich an alle zwi­schen 14 und 19 Jah­ren wen­det, die Lust haben, eige­ne Tex­te zu schrei­ben und sich dar­über aus­zu­tau­schen. Es wer­den ver­schie­de­ne Tech­ni­ken des Krea­ti­ven Schrei­bens aus­pro­biert, Schreib­spie­le und -übun­gen ste­hen auf dem Pro­gramm, Fotos und ande­re Wer­ke der Bil­den­den Kunst die­nen als Anre­gung. Dabei kön­nen alle Text­for­men und lite­ra­ri­schen Gat­tun­gen aus­pro­biert wer­den: Gedich­te, Geschich­ten, expe­ri­men­tel­le Tex­te und vie­les mehr. Die­se Werk­statt fin­det jeden 2. und 4. Don­ners­tag im Monat im Lite­ra­tur­kon­tor statt und beginnt um 18 Uhr.
Anmel­dun­gen bit­te unter info@literaturkotor-bremen.de.

Schreibwerkstatt mit Colin Böttger

Der Bre­mer Schrift­stel­ler Colin Bött­ger, der schon im Lit­Ko 14-tägig eine ›Schreib­werk­statt für jun­ge Autorin­nen und Autoren‹ durch­ge­führt hat, lei­tet die ›Offe­ne Schreib­werk­statt‹, ein Ange­bot für Autor*innen aller Alters­stu­fen, die an eige­nen Pro­sa­tex­ten arbei­ten und hier­bei Unter­stüt­zung suchen. Die Tref­fen fin­den jeden ers­ten Don­ners­tag im Monat um 19.30 Uhr in den Räu­men des Lite­ra­tur­kon­tors statt.
Anmel­dun­gen – auch kurz­fris­tig — bit­te unter info@literaturkontor-bremen.de

Die Archäologie des eigenen Lebens

Jörg Kasimir Foto: privat
Jörg Kasi­mir
Foto: pri­vat

Schreib­work­shop des Lite­ra­tur­kon­tors für jun­ge
Bre­mer Autorin­nen und Autoren
Mit dem Autor und Kul­tur­wis­sen­schaft­ler Jörg Kasi­mir

Sams­tag und Sonn­tag, 9. / 10. Febru­ar 2019, jeweils 11 – 17 Uhr,
im Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor

Wie för­dert man sei­ne Erin­ne­run­gen zu Tage, ohne sich auf Gerüch­te zu ver­las­sen? Wie nutzt man das Geför­der­te, um eine sinn­vol­le Geschich­te zu erzäh­len? Oder müs­sen wir erst ein­mal eine gute Geschich­te zur Hand haben, um mög­li­che Fund­or­te zu ent­de­cken?

In ganz prak­ti­schen Übun­gen wol­len unser eige­nes Leben als lite­ra­ri­sches Mate­ri­al ver­wen­den. Wie Archäo­lo­gen sto­ßen wir in das Dunk­le unse­rer Ver­gan­gen­heit vor, ver­las­sen die übli­chen Orte und bege­ben uns in das durch die Zeit Ver­gra­be­ne. Zwei­er­lei ist gewiss: Nichts geht ver­lo­ren. Und wenn es einen Exper­ten für mei­ne Ver­gan­gen­heit gibt, dann bin ich es selbst.

Anmel­dun­gen zum Work­shop bit­te per Mail

Kon­takt:
Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor, Ange­li­ka Sinn / Jens Laloire
Vil­la Ichon, Goe­the­platz 4, 28203 Bre­men
Mail: info@literaturkontor-bremen.de
Tel.: 0421–327943

Mi 30. Januar 2019

 

Eberhard Pfleiderer, Foto: privat
Eber­hard Pflei­de­rer, Foto: pri­vat

Sandra Juras, Foto: privat
San­dra Juras, Foto: pri­vat

Eber­hard Pflei­de­rer: ›War­ten‹ (Lyrik)
Mit Foto­gra­fi­en von San­dra Juras
Bre­mer Buch­Pre­mie­re — eine gemein­sa­me Ver­an­stal­tungs­rei­he
von Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor und Stadt­bi­blio­thek Bre­men 
19 Uhr
Buch­hand­lung Leu­wer, Am Wall 171

MiniLit Nr. 10

Druck­frisch! Das zehn­te Heft unse­rer Rei­he ›Mini­Lit — Tex­te aus der jun­gen Bre­mer Schreib­sze­ne‹ ist da!
Dies­mal mit Tex­ten von Jani­ne Lancker (›Inven­tur‹) und Gian­na Lan­ge (›Erwins Pfer­de‹).

Die Mini­Lit-Hef­te sind kos­ten­los. Sie lie­gen im Lite­ra­tur­kon­tor, in den Bre­mer Buch­hand­lun­gen und an ande­ren Lite­ra­tur- und Kul­tur­or­ten aus.
Viel Spaß beim Lesen!

Wei­te­re Infos zur Rei­he gibt es hier »

Bremer Autorenstipendien 2018 vergeben

Hel­ge Hom­mers
Foto: Sas­kia Perter­sen

Jörg Kasi­mir
Foto: pri­vat

Es ist ent­schie­den! Die Bre­mer Autoren­stipendien gehen in die­sem Jahr an Hel­ge Hom­mers und Jörg Kasi­mir. 

Infor­ma­tio­nen über die Autoren und die Begrün­dung der Jury fin­den Sie hier »

Einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Hel­ge Hom­mers kön­nen sie hier » lesen. Einen Aus­zug aus dem Text von Jörg Kasi­mir fin­den sie hier ».

Literatur aktuell

14-tägig digi­ta­ler Termin­überblick
Wer stets über Literatur­termine in Bre­men und umzu infor­miert wer­den möch­te, kann sich seit kur­zer Zeit zum News­let­ter des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tors anmel­den. Im zwei­wö­chi­gen Rhyth­mus ver­sen­den wir eine digi­ta­le Ver­an­stal­tungs­über­sicht und ver­kün­den Neu­ig­kei­ten, die das Lite­ra­tur­kon­tor betref­fen.

Anmel­den kön­nen Sie sich hier »

Einen Bei­spiel-News­let­ter fin­den Sie hier »

Ostfriesland‹ (AT) von Helge Hommers

Hel­ge Hom­mers
Foto: Sas­kia Perter­sen

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2018

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2018 erhiel­ten Hel­ge Hom­mers und Jörg Kasi­mir.
Lesen Sie an die­ser Stel­le einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Hel­ge Hom­mers. Einen Aus­zug aus dem Text von Jörg Kasi­mir fin­den sie hier ».

Helge Hommers: ›Ostfriesland‹ (AT)

Mei­ne Ur-Oma war eine star­ke Tee­trin­ke­rin. Man­che aus der Fami­lie behaup­ten, sie habe genau­so viel Tee in sich hin­ein­schüt­ten kön­nen wie mein Ur-Opa Schnaps. Und das, so erzählt man sich, soll eine beträcht­li­che Men­ge gewe­sen sein.

Erin­nern kann ich mich kaum an sie, weder an ihr Gesicht noch an den Klang ihrer Stim­me. Dafür an das schwar­ze, bis unters Kinn geknöpf­te Kleid und das Zwei­mark­stück, das sie mir gab, wenn ich für ein paar Minu­ten bei ihr gewe­sen war.

So spen­da­bel Ur-Oma war, so stur soll sie auch gewe­sen sein. Von ihren Ansich­ten und Vor­ha­ben ließ sie sich so gut wie nie abbrin­gen. Auch dann nicht, wenn die Argu­men­te eher gegen sie spra­chen. So war es auch damals, kurz nach­dem sie mei­nen Opa zur Welt gebracht hat­te.

Wie jedes Mal, wenn die Dorf­heb­am­me von Ur-Opa ihren Lohn ent­ge­gen­ge­nom­men hat­te, fuhr Ur-Oma ein paar Tage spä­ter nach Emden. In die Stadt, wie sie zu sagen pfleg­te. Leis­ten konn­te sich die Fami­lie sol­che Aus­flü­ge nicht. Doch Ur-Oma bestand dar­auf, denn ein paar Jah­re zuvor hat­te sie Ur-Opa das ers­te Mal zum Vater gemacht, wor­auf­hin sie die ein­zi­ge gemein­sa­me Rei­se ihres Lebens antra­ten, um in Emden Schu­he für das Neu­ge­bo­re­ne zu besor­gen.

Ur-Oma, die bis dahin nur in klo­bi­gen Holz­pan­ti­nen her­um geschlurft war, erhielt eben­falls ein Paar Leder­schu­he. Die­sen Luxus woll­te sie sich erhal­ten und rang mei­nem vor Glück­se­lig­keit unzu­rech­nungs­fä­hi­gen Ur-Opa das Ver­spre­chen ab, bei jedem wei­te­ren Sohn ein neu­es Paar kau­fen zu dür­fen.

So vie­le Söh­ne, dach­te Ur-Opa, kann sie gar nicht gebä­ren, um die Fami­lie arm zu machen, und wil­lig­te ein. Doch da hat­te er sei­ne Frau unter­schätzt.

Nachruf auf Dr. Martin Rooney

Martin Rooney
Mar­tin Roo­ney

Wir trau­ern um unser lang­jäh­ri­ges Mit­glied, Dr. Mar­tin Roo­ney, des­sen schöp­fe­ri­sches Leben der deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur und bedeu­ten­den Ver­tre­tern der anti­fa­schis­ti­schen und anti­to­ta­li­tä­ren Bewe­gung gewid­met war.

1948 in Man­ches­ter gebo­ren, stu­dier­te er Ger­ma­nis­tik und Phi­lo­so­phie in Mainz, Ber­lin und Bre­men, wo er an der hie­si­gen Uni­ver­si­tät sei­ne­For­schungs­ar­beit zu Leben und Werk des inter­na­tio­nal ange­se­he­nen Schrift­stel­lers und Publi­zis­ten Armin T. Wege­ner zum Dr. phil. krön­te. Mar­tin Roo­ney hat sich in zahl­rei­chen Vor­trä­gen im nord­deut­schen Raum wie auch in Nord­rhein-West­fa­len zur tra­gi­schen Rol­le von bedeu­ten­den euro­päi­schen Schrift­stel­lern und Publi­zis­ten geäu­ßert, die von der ortho­do­xen kom­mu­nis­ti­schen Ideo­lo­gie ver­führt wur­den und sich nach ihrer Läu­te­rung als Chro­nis­ten und Auf­klä­rer einer staats­tra­gen­den Zwangs­ideo­lo­gie erwie­sen.

Sei­ne Bei­trä­ge zum Wir­ken von Arthur Koest­ler und Jor­ge Sem­prun rie­fen stets die Auf­merk­sam­keit der kri­ti­schen Öffent­lich­keit her­vor; sei­ne Auf­sät­ze zum Schaf­fen von Gün­ter Grass, Peter Weiss und Ralph Gior­da­no  fan­den stets Wider­hall; sei­ne Aus­stel­lung „Mensch­heits­däm­me­rung“ in Bre­men zur lite­ra­ri­schen Bedeu­tung des deut­schen Expres­sio­nis­mus lock­te ein zahl­rei­ches Publi­kum an; sei­ne Vor­trä­ge im Rah­men der Lan­des­zen­tra­le für Poli­ti­sche Bil­dung wie auch der Böll-Stif­tung waren stets aktu­el­len The­men gewid­met. Mar­tin Roo­ney war auch ein von Lei­den­schaft und Enga­ge­ment gepräg­ter Mensch, der sich nicht nur für den eng­li­schen Fuß­ball inter­es­sier­te, son­dern sich in scherz­haf­ter Wei­se sogar als naher Ver­wand­ter des berühm­ten Mit­tel­stür­mers Way­ne Roo­ney­aus Man­ches­ter „oute­te“, was ihm für Tage die über­re­gio­na­le Auf­merk­sam­keit der Medi­en ein­brach­te.

Die letz­ten Mona­te und Jah­re sei­nes schaf­fens­rei­chen Lebens waren von einer nicht heil­ba­ren Krank­heit gezeich­net. Nicht zuletzt aus die­sem Grund muss­te er sich auch aus der Bre­mer Öffent­lich­keit zurück­zie­hen. Wir wer­den Mar­tin Roo­ney als leb­haf­ten, enga­gier­ten Ver­tre­ter eines auf­ge­klär­ten Huma­nis­mus und als Strei­ter für die Idea­le einer libe­ral-demo­kra­ti­schen Gesell­schaft stets in Erin­ne­rung bewah­ren.

Prof. Dr. Wolf­gang Schlott im Namen des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor
Bre­men, im Juni 2017

 

Nachrufe auf Jürgen Dierking

Jürgen Dierking
Jür­gen Dier­king

Der Vor­stand, Geschäfts­füh­rung, Mit­glie­der und das gesam­te Team des Lite­ra­tur­kon­tors trau­ern um Jür­gen Dier­king. Der frü­he­re und lang­jäh­ri­ge Geschäfts­füh­rer des Lite­ra­tur­kon­tors ver­starb am 14. Juni 2016. Er war den Bremer*innen als ver­dienst­vol­ler Über­set­zer und belieb­ter Rezi­ta­tor der schö­nen Lite­ra­tur bekannt.

Uns erreich­ten eini­ge Tex­te unse­rer Mit­glie­der über Jür­gen Dier­king, die wir hier ver­öf­fent­li­chen.

 

Ian Wat­son schrieb 1995 ein bilin­gua­les Fuß­ball­ge­dicht für Jür­gen Dier­king, der auch Tex­te von Ian Wat­son über­setz­te.

REGISTER

oder: kei­ne schwar­ze Sau — for Jür­gen Dier­king

Good trans­la­tors are like foot­ball refe­rees;
the bet­ter we are, the less they noti­ce we’re the­re.
Je mehr man merkt, dass Du da bist,
des­to schlech­ter hast du gepfif­fen.

Jür­gen, much of what we do
is whist­ling in the dark;
aber nicht alles, was im Dunk­len pfeift,
is swart­hi­ly dres­sed-up fema­le pork.

Ian Wat­son (1995)

 

Die Augen voll Traum und Schlaf

Nach­ruf auf Jür­gen Dier­king (1.9.1946 – 14.6.2016)

Von Johann-Gün­ther König

Der Bre­mer Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler, Über­set­zer, Autor, Her­aus­ge­ber und Vor­le­ser Jür­gen Dier­king weilt nicht län­ger unter uns. Er wach­te am 14. Juni mor­gens nicht wie­der auf, obwohl er noch so vie­le Plä­ne und Ver­an­stal­tungs­ter­mi­ne auf sei­nen Spick­zet­teln hat­te. Am 21. Juni 2016 etwa als Vor­le­ser im Bre­mer Pres­se­club aus Theo­dor Fon­ta­nes Der Stech­lin und Ire­ne Disches From­me Lügen. Als Vor­le­ser wird Jür­gen Dier­king fort­an vie­len feh­len – in Bre­men und umzu, in Ber­lin und anders­wo wird sei­ne so unauf­dring­li­che und prä­gnan­te Stim­me nicht mehr ertö­nen, wird sei­ne groß­ar­ti­ge Kunst des Vor­le­sens lite­ra­risch her­aus­ra­gen­der Tex­te nur mehr eine weh­mü­ti­ge Erin­ne­rung sein. So sehr er sich auf das Vor­le­sen ver­stand, ver­stand sich Jür­gen auf die nicht min­der her­aus­for­dern­de Kunst des Über­set­zens (über­wie­gend aus dem Eng­li­schen). Er mach­te unse­rem Sprach­raum Wer­ke von Sher­wood Ander­son, Tom Waits, Charles Bax­ter und der in Bre­men leben­den welt­be­kann­ten Lyri­ke­rin Suja­ta Bhatt zugäng­lich. Nicht zuletzt den von Ray Lewis White her­aus­ge­ge­be­nen Brief­wech­sel zwi­schen Sher­wood Ander­son und Ger­tru­de Stein, der bei Suhr­kamp 1985 und erneut 1998 erschien. Ver­steht sich – wie er gern for­mu­lier­te –, dass er sich zugleich als Her­aus­ge­ber einen Namen mach­te. Und zwar sowohl von Stu­di­en über Sher­wood Ander­son, etwa Erzäh­ler des ame­ri­ka­ni­schen Traums (1990), wie einer Werk­aus­wahl des bre­mi­schen Anek­do­ten­meis­ters Karl Lerbs und von Frie­do Lam­pes Roman ›Sep­tem­ber­ge­wit­ter‹.

Apro­pos Frie­do Lam­pe. Der 1899 in Bre­men gebo­re­ne Schrift­stel­ler hin­ter­ließ 1945 nach sei­nem frü­hen und tra­gi­schen Tod „kein umfang­rei­ches, aber wich­ti­ges, voll­ende­tes, nobles… Oeu­vre, voll von Lese­freu­den“ (W. Koep­pen), und 1985 beschlos­sen Jür­gen und ich, den Rowohlt Ver­lag, für den Frie­do als Lek­tor tätig gewe­sen war, für eine Neu­aus­ga­be des Gesamt­werks zu gewin­nen. Da die­ses 1986 mit unse­ren Nach­wor­ten erschie­ne­ne Buch noch Text­ein­grif­fe des ers­ten Her­aus­ge­bers Johan­nes Pfeif­fer ent­hielt und zudem nicht alle von Lam­pe ver­fass­ten Tex­te, stie­ßen Jür­gen und ich 1995 die Grün­dung der Frie­do-Lam­pe-Gesell­schaft e.V. an, in der Jür­gen die Funk­ti­on des Schrift­füh­rers und ich die des Vor­sit­zen­den über­nahm. Dank der viel­fäl­ti­gen Bezie­hun­gen Jür­gens in die lite­ra­ri­sche Welt – sein Brief­wech­sel füllt meh­re­re Akten – konn­te die Lam­pe-Gesell­schaft pünkt­lich zum 100. Geburts­tag des bedeu­ten­den deut­schen Lite­ra­ten 1999 in Bre­men ein wis­sen­schaft­li­ches Sym­po­si­on und zudem Aus­stel­lun­gen zu Leben und Werk, u.a. im Staats­ar­chiv und Ger­hard Marcks-Haus, rea­li­sie­ren. Zu den nam­haf­ten Mit­glie­dern der Gesell­schaft gehör­ten bald nach der Grün­dung Prof. Eugè­ne Badoux (Lam­pe-Bio­graph), Hans Ben­der, Prof. Dr. Wolf­gang Emme­rich, Geor­ges-Arthur Gold­schmidt, Dr. Johan­nes Graf, Peter Härt­ling, Prof. Dr. Hans-Wolf Jäger, Mar­tin Mooij, Prof. Dr. Gert Sau­ter­meis­ter, Hans J. Schütz und ande­re mehr. Sie alle wur­den von Jür­gen inten­siv betreut, sie alle erkann­ten bereits an der durch Groß­buch­sta­ben gepräg­ten – unver­gess­li­chen – Hand­schrift des immer „sehr freund­lich grü­ßen­den“ Jür­gen Dier­king, dass Frie­do Lam­pe das gro­ße Her­z­an­lie­gen des Bre­mer Über­set­zers und Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lers war.

Die Frie­do-Lam­pe-Gesell­schaft, deren Vor­sitz Jür­gen vor zehn Jah­ren über­nahm, erreich­te mit gro­ßer Unter­stüt­zung des Wall­stein Ver­lags die his­to­risch-kri­ti­sche Neu­aus­ga­be der Roma­ne, Gedich­te und Schrif­ten Lam­pes. Dar­über hin­aus gelang es Jür­gen, den Ver­lag für die Publi­ka­ti­on der Brie­fe und einer durch die von ihm geleis­te­te For­schung gestütz­te Bio­gra­phie zu gewin­nen. Die von ihm durch das uner­war­te­te Ent­schla­fen nicht fer­tig­ge­stell­te Stu­die: Frie­do Lam­pe (1899–1945). Ein kur­zes deut­sches Schrift­stel­ler­le­ben – das ver­steht sich von selbst, wird eines Tages bei Wall­stein in Göt­tin­gen erschei­nen. Ich wer­de die jahr­zehn­te­lan­ge Zusam­men­ar­beit mit Jür­gen im Geis­te fort­set­zen, bis sein Lebens­werk als abge­schlos­sen gel­ten kann. Die Lam­pe-Gesell­schaft wie­der­um hat sich inzwi­schen auf­ge­löst – sie hat gleich­sam ihre Schul­dig­keit getan.

Jür­gen Dier­king hat neben sei­nen Über­set­zun­gen und kennt­nis­rei­chen Vor- und Nach­wor­ten als (Co-) Autor von Radio-Fea­tures sowie als Urhe­ber einer Fül­le von Auf­sät­zen, Lexi­kon- und Zei­tungs­ar­ti­keln bewie­sen, dass er ein so berüh­ren­der wie wort­mäch­ti­ger Zeit­ge­nos­se war. Sei­ne Tex­te erschlie­ßen auf unnach­ahm­li­che Wei­se das Werk wich­ti­ger und teils zu Unrecht fast ver­ges­se­ner deut­scher und ame­ri­ka­ni­scher Lite­ra­ten. Sein Nach­wort „zum Werk des melan­cho­li­schen Idyl­li­kers Frie­do Lam­pe“ in der Gesamt­werk-Aus­ga­be von 1986 trägt den Titel: Die Augen voll Traum und Schlaf. Ein Satz, der zumal auf mei­nen gern leuch­tend far­bi­ge Wes­ten tra­gen­den Freund zutrifft. Wie maß­ge­schnei­dert, ver­steht sich. Und noch etwas: Mit Jür­gen ver­band mich zumal das Inter­es­se, Josef Kas­tein (eigtl. Kat­zen­stein), den in Bre­men auf­ge­wach­se­nen jüdi­schen Autor und Ver­fas­ser bedeu­ten­der Wer­ke zur jüdi­schen Geschich­te, vor dem Ver­ges­sen­wer­den zu bewah­ren. Zusam­men gaben wir von Kas­tein mit Vor- und Nach­wor­ten her­aus: ›Mel­chi­or. Ein han­sea­ti­scher Kauf­manns­ro­man‹ (1997) und ›Was es heißt, Jude zu sein‹ (2005).

Mit Jür­gen Dier­king, der am 1. Sep­tem­ber sei­nen 70. Geburts­tag mit uns fei­ern woll­te, und der für 2019 (!) zum 25-jäh­ri­gen Bestehen des von ihm gegrün­de­ten Bre­mer Über­set­ze­rIn­nen-Treffs eine regio­nal fokus­sier­te Aus­stel­lung zu Tra­di­ti­on und Gegen­wart die­ses lite­ra­ri­schen Metiers vor­be­rei­te­te, hat uns vie­len und allen, die wir ihm begeg­ne­ten und kann­ten, ein ganz beson­de­rer, sehr zuge­wand­ter und lie­be­vol­ler Mensch ver­las­sen. Wir wer­den ihn ver­mis­sen, unse­ren ein­zig­ar­ti­gen „hom­me de lett­re“. Mein Kol­le­ge Micha­el Augus­tin, Schrift­stel­ler und Radio Bre­men-Kul­tur-Redak­teur, wür­digt ihn mit Fug als „ein wan­deln­des Lite­ra­tur-Lexi­kon“, und in Anleh­nung an Rin­gel­natz möch­te ich ergän­zen: Jür­gen war echt, und echt ist sel­ten.

Jür­gen Dier­king wuchs in der Bre­mer Neu­stadt auf. Nach dem Zivi­len Ersatz­dienst in Tübin­gen stu­dier­te er dort ab 1966 Ger­ma­nis­tik, Geschich­te und Phi­lo­so­phie. In Mün­chen dreh­te er ab 1969 (mit zwei Freun­den) einen ein­stün­di­gen Autoren­film und eig­ne­te sich in den vie­len Kinos der Stadt gründ­li­che Kennt­nis­se der Film­ge­schich­te an. Zugleich war er bis 1971 für Anglis­tik (bei Chris­ti­an Enzens­ber­ger) und Roma­nis­tik imma­tri­ku­liert. Stu­di­en, die Jür­gen, um Päd­ago­gik erwei­tert, in Ham­burg abschloss. Nach einem Zwi­schen­spiel als Leh­rer an einer Pri­vat­schu­le kehr­te er 1979 in die Weser­me­tro­po­le zurück, wur­de für eini­ge Jah­re wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter in einem For­schungs­pro­jekt und Lehr­be­auf­trag­ter für US-ame­ri­ka­ni­sche Lite­ra­tur an der Uni­ver­si­tät Bre­men. Die geplan­te Pro­mo­ti­on über Sher­wood Ander­son, dem schon sei­ne Examens­ar­beit gegol­ten hat­te, zer­schlug sich. Statt­des­sen hör­te Jür­gen sechs Semes­ter lang Musik­ge­schich­te am Bre­mer Kon­ser­va­to­ri­um bei Nico(las) Schalz. Als (ABM-)Kulturpädagoge recher­chier­te er ab 1984 die Geschich­te des Bre­mer Lite­ra­tur­prei­ses und gestal­te­te von 1987 bis 1992 das Lite­ra­tur­pro­gramm der ›Bre­mi­na­le‹. 1989 wur­de er mit der „Resi­dent Fel­low­ship an der New­ber­ry Libra­ry zu Chi­ca­go, Illi­nois“ aus­ge­zeich­net. Ein Jahr spä­ter erhielt er das „Autoren­sti­pen­di­um“ des Bre­mer Senats.

Von 1992 bis 2006 wirk­te Jür­gen Dier­king als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter im Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor, des­sen Pro­fil er nach­hal­tig präg­te und das dann auch Sitz der Frie­do-Lam­pe-Gesell­schaft wur­de. Eben­so lan­ge war er Redak­teur und schließ­lich Mit­her­aus­ge­ber der bre­mi­schen Lite­ra­tur­zeit­schrift STINT und ver­fass­te Essays für die horen – 2015 etwa in dem Band Son­ne, Mond und Ster­ne. Von Lite­ra­tur und Musik. Nicht zu ver­ges­sen: 1994 rief Jür­gen den „Über­set­ze­rIn­nen-Treff Bre­men & umzu“ ins Leben, gehör­te 1996/97 in Ber­lin zu den Anre­gern des DÜF (Deut­scher Über­set­zer­fonds) und betä­tig­te sich 2004 als Mit­glied im Grün­dungs­vor­stand des (vir­tu­el­len) Bre­mer Lite­ra­tur­hau­ses.

Jür­gen Dier­king – Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler, Über­set­zer, Rent­ner (so der Ein­trag im Netz­werk XING) – ist ver­stummt. Unser gemein­sa­mer Freund und Kol­le­ge Det­lef Michelers war bei sei­nem letz­ten öffent­li­chen Auf­tritt als Vor­le­ser in Ber­lin zuge­gen, wo Jür­gen aus Johan­nes Schenks Gedich­ten und Roma­nen vor­trug. Er schreibt: „So bleibt mir als lie­be­vol­le und unter­halt­sa­me Erin­ne­rung ein letz­ter Abend mit ihm am 7. Juni im Ber­li­ner Lite­ra­tur­haus. Er hat­te anläss­lich einer Aus­stel­lung von Bil­der Johan­nes Schenks zum wie­der­hol­ten Mal aus den Tex­ten von Johan­nes gele­sen. Wir saßen im Gar­ten des Lite­ra­tur­hau­ses. Er vor dem gelieb­ten Rot­wein, mit einer fri­schen Schach­tel Ziga­ret­ten, die er bis zur Abrei­se am nächs­ten Tag rau­chen woll­te, um als über­zeug­ter und über­zeu­gen­der Nicht­rau­cher nach Hau­se zu kom­men. Neben den Ber­li­ner Autoren Oskar Ansull und Wer­ner Mey­ke waren – für Jür­gen über­ra­schend und mit sei­ner höf­li­chen, zuge­wand­ten Art begrüßt – zwei ehe­ma­li­ge Schul­ka­me­ra­din­nen zu der Ver­an­stal­tung gekom­men, so dass sich die Gesprä­che zunächst um Bre­mer Stadt­vier­tel, Stra­ßen, Plät­ze und Leh­rer dreh­ten. ‚Weißt du noch?… Wie hieß er denn? …Der… Also… Ja!‘ Bren­nend inter­es­sier­te eine frü­he­re Mit­schü­le­rin, wie­so auf dem Ban­ner am Ein­gang zur Ver­an­stal­tung ‘Jür­gen Dier­king, Lite­rat’  stand, wäh­rend er im Pro­gramm als ‘Schau­spie­ler’ ange­kün­digt wur­de. Jür­gen ver­such­te mit Geduld und peni­bler Wort­wahl zu erklä­ren, dass weder Über­set­zer, Autor noch Vor­le­ser pas­send gewe­sen wäre. Lei­der sei sein Vor­schlag ‘Lite­rat’ für das Pro­gramm­heft aber zu spät gekom­men. […] Als Wer­ner und ich gegen Mit­ter­nacht gin­gen bestell­te sich Jür­gen noch ein Glas Wein und Oskar woll­te ihm noch ‚für einen Augen­blick‘ Gesell­schaft leis­ten. Eine Umar­mung, ein letz­ter Blick, ein schwe­rer Mann in einer Art Foto­gra­fen­wes­te, mil­de lächelnd, rau­chend, das Glas zum Abschied erho­ben. Mach es gut, Jür­gen.“

Ich schlie­ße die­sen Nach­ruf eine Zei­le von Jür­gen auf­neh­mend: „Die Gefahr eines unstatt­haf­ten Ver­ges­sens“ besteht gewiss nicht.

Johann-Gün­ther König (2016)

Ruinös‹ von Jörg Kasimir

Jörg Kasi­mir
Foto: pri­vat

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2018

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2018 erhiel­ten Hel­ge Hom­mers und Jörg Kasi­mir.

Lesen Sie an die­ser Stel­le einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Jörg Kasi­mir. Einen Aus­zug aus dem Text von Hel­ge Hom­mers fin­den sie hier».

Jörg Kasimir: ›Ruinös‹

War zuerst die Back­stu­be weg oder war alles vor­bei, als die Kirch­turm­glo­cke nicht mehr erneu­ert wur­de? Schwer zu sagen, sicher ist aber, dass der Strom im Dorf immer häu­fi­ger aus­fiel, spä­tes­tens das war der Weck­ruf, zu gehen. Das Post­amt war vor drei Jah­ren geschlos­sen wor­den. Das hät­te schon frü­her pas­sie­ren kön­nen, aber das nun­mehr auch auf­ge­lös­te Büro für Abwick­lun­gen aller öffent­li­chen Arten tat sich schwer mit dem alten Müll, alles kei­ne ein­fa­che Fra­ge der Ent­sor­gung!

 

Irgend­wann begann man, das Amt voll­stän­dig mit Bret­tern zu ver­na­geln, da war schon alles zuge­wach­sen mit Klet­ter­pflan­zen. Schon kur­ze Zeit danach konn­te sich nie­mand mehr an das alte Post­amt erin­nern.

 

An dem Tag, als Eggert mit der Matrat­ze unterm Arm den Bäcker­berg hin­un­ter­ging, kam ihm der Orts­vor­ste­her ent­ge­gen und fluch­te:

Hey Esel, hast du den Wicht von der Bon­ne gese­hen? Der hat unser Orts­schild weg­ge­nom­men und ein eige­nes auf­ge­stellt.“

Was steht denn drauf?“

Tür zu!“

 

Der Orts­vor­ste­her war der letz­te, der den Esel sah. Der Mann wür­de sich aber nicht mehr an ihn erin­nern müs­sen, denn nur eine Woche spä­ter ver­schwand er nach Ber­lin, wie alle ande­ren auch. Auch die hun­dert im Dorf Ver­blie­be­nen ver­miss­ten den Esel nicht, denn man ging davon aus, dass auch er sich aus dem Staub gemacht hat­te. Aber er stieg durch ein Loch im Hin­ter­ein­gang des alten Post­am­tes, nagel­te es wie­der zu, ließ nur so viel Platz, wie das Essen und Trin­ken sei­ner Schwes­ter brauch­te, um hin­ein­zu­ge­lan­gen, und betrat den Kel­ler, um das Haus nicht mehr zu ver­las­sen. In dem Augen­blick, als der letz­te Post­se­kre­tär es sich zum ers­ten Mal auf der Matrat­ze bequem mach­te, wuss­te er, was man gemein­hin mit dem Wort Glück mei­nen könn­te. Es moch­te die­se Ruhe sein, die er jetzt emp­fand. Sie konn­ten kra­kee­len, wie es mit ihren hei­se­ren Stim­men noch mög­lich war, er wür­de es nicht mehr hören müs­sen. Auch das Licht drang nur noch durch eini­ge Rit­zen im Holz. Die Fens­ter waren schon zuge­wach­sen. Er muss­te sich an den Geruch des Moders und der Fäul­nis gewöh­nen, der grob und tief war, aber er wür­de ler­nen, aus Gego­re­nem Süßes zu schme­cken.

Notiz auf dem Frühstückstisch‹ (AT) von Hans-Hermann Mahnken

Hans-Hermann Mahnken
Hans-Her­mann Mahn­ken

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2017

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2017 gehen an Hans-Her­mann Mahn­ken und Mar­ti­na Rapp.
Lesen Sie an die­ser Stel­le einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Hans-Her­mann Mahn­ken. Einen Aus­zug aus dem Text von Mar­ti­na Rapp fin­den sie hier ».

Hans-Hermann Mahnken: ›Notiz auf dem Frühstückstisch‹ (AT)

Der Gar­ten mei­ner Kind­heit
war umge­ben von einer mäch­ti­gen Hecke
und barg an som­mer­li­chen Tagen ein Geheim­nis
still und unaus­sprech­lich
Die Bir­ke war mein schwan­ken­der Aus­guck
Wie­sen weit wie das Meer
bis hin zum fer­nen Bahn­damm
Wenn spät im Jahr die Feu­er brann­ten
zogen Wild­gän­se über uns hin­weg
lan­ge hör­te man ihr Rufen
Manch­mal saß ein Zwerg auf mei­nem Bett
schlug die Bei­ne über­ein­an­der
sprach Unver­ständ­li­ches mit fis­teln­der Stim­me
wäh­rend die Dun­kel­heit ins Zim­mer kroch
und die Eltern im nahen Gast­haus
zu den Klän­gen des Akkor­de­ons tanz­ten

Flo­ra­lia
Erhebt eure gesenk­ten Häup­ter,
starrt ein­mal nicht auf die Dis­plays
eurer Smart­pho­nes
und seht selbst:
Die For­sy­thi­en ver­schen­ken
ihr leuch­ten­des Blü­ten­gelb
an die­sem son­ni­gen Früh­lings­tag -
ein­fach so!

Gera­ni­en blü­hen auf der Fens­ter­bank,
auf den Kom­mo­den lie­gen Spit­zen­de­cken
und Pup­pen star­ren leer aus allen Ecken
auf alte Kin­der­fo­tos auf dem Schrank.
Und immer fühlt sich Vati wie ein Gast
im eig­nen, abbe­zahl­ten Haus mit Gar­ten,
in dem auf kur­zem Rasen Zwer­ge war­ten.
Wor­auf, ist ihm schon lang egal. Die Last
der uner­füll­ten Jah­re wiegt zu schwer.
Er geht zum Lie­ge­stuhl und legt sich hin,
erträumt sich dann die dicke Nach­ba­rin,
dass sie ihn rie­fe — nackt! — und wild begehr´…
Der Him­mel über ihm ist weit, so weit,
unend­lich wie die alte Ein­sam­keit.

Gewit­ter
Gespann­te Stil­le -
In der Fer­ne ein Grol­len,
rasch rollt es her­an.
Wol­ken bal­len sich
zu einer dunk­len Front. Dann
ein Schlag wie ein Gong.
Trop­fen begin­nen
zu fal­len — Regen bricht los,
rauscht in den Bäu­men.
Ein Blitz zuckt durch die
schwe­fe­li­ge Däm­me­rung,
gefolgt vom Don­ner.
Es gibt kein Hal­ten:
Was­ser schäumt auf dem Asphalt,
Fall­roh­re gur­geln.

Julie‹ von Martina Rapp

Martina Rapp
Mar­ti­na Rapp

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2017

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2017 erhiel­ten Hans-Her­mann Mahn­ken und Mar­ti­na Rapp. Lesen Sie hier einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Mar­ti­na Rapp. Einen Aus­zug aus dem Text von Hans-Her­mann Mahn­ken fin­den sie hier».

Martina Rapp: ›Julie‹

Plötz­lich bemerk­te sie, dass ein Jun­ge sie mus­ter­te. Er lehn­te an einer Pla­kat­wand auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te. Er war unge­fähr in ihrem Alter. Auch er schien weder zu den geschäf­ti­gen Pas­san­ten noch zu den amü­sier­be­rei­ten Nacht­schwär­mern zu gehö­ren. Wie lan­ge hat­te er sie schon beob­ach­tet? Lang­sam kam er zu ihr her­über, quer durch den dich­ten Ver­kehr. Er ließ sie nicht aus den Augen. Als er fast vor ihr stand,wandte er den Blick dem Tabak­la­den zu. Er betrat ihn ziel­stre­big, taxier­te die Rega­le, schau­te nach links zum Tre­sen und als er kein Per­so­nal erblick­te, griff er zu. Esme konn­te sehen, wie er sich eine Hand­voll bun­ter Scho­ko­rie­gel in die Tasche steck­te. Dann rann­te er aus dem Laden.
Esme rann­te, so schnell sie konn­te, hin­ter­her. Er schien sich in der Gegend aus­zu­ken­nen. Bei nächs­ter Gele­gen­heit bog er in eine klei­ne Sei­ten­stra­ße, über­quer­te einen Hin­ter­hof und bei­de erreich­ten keu­chend einen schma­len, kaum beleuch­te­ten Platz, an den ein ein­ge­zäun­ter Spiel­platz grenz­te. Der Jun­ge setz­te sich auf eine Bank. Esme blieb weni­ge Meter neben ihm ste­hen.
Er leer­te sei­ne Taschen und brei­te­te sei­ne Schät­ze auf der Park­bank aus. Süßig­kei­ten, Ziga­ret­ten, Erd­nüs­se, Pis­ta­zi­en in Plas­tik­fo­lie gewi­ckelt.
Mit einer Hand­be­we­gung lud er sie ein, sich zu set­zen.

 

Vergangenheit gegenwärtigen

Brigitte Roettgers
Bri­git­te Roett­gers

Ein Nach­ruf auf die Schau­spie­le­rin und Lyri­ke­rin
Bri­git­te Rött­gers  (2. Febru­ar 1943 — 26. August 2014)
Von Johann-Gün­ther König


Unse­re Kol­le­gin, die Schau­spie­le­rin und Lyri­ke­rin Bri­git­te Rött­gers, war eine unge­wöhn­li­che Frau – eine emp­find­sam kri­ti­sche, hell­wa­che Zeit­ge­nos­sin. Eigen­wil­lig, klar, soli­da­risch, durch­dacht setz­te sie mit ihrer unver­wech­sel­bar ein­dring­li­chen und melo­diö­sen Stim­me gleich­sam Weg­wei­ser in Satz­form – in gelös­ter Stim­mung ger­ne in ihrem köll­schen Hei­mat­dia­lekt. Die seit 2010 zuneh­mend zer­brech­li­cher wir­ken­de Künst­le­rin erlag in Ber­lin einer heim­tü­cki­schen Krank­heit; sie zer­brach im August ›laut­los‹ wie die Scher­ben in ihrem Gedicht ›Um eine Illu­si­on ärmer‹.
Wir noch Leben­den sind nun ärmer um die Illu­si­on, Bri­git­te Rött­gers kön­ne wie­der auf die Bei­ne und die Büh­nen der Welt und des lite­ra­ri­schen Lebens kom­men. Im Spät­som­mer 2012, bei den Nie­der­säch­si­schen Lite­ra­tur­ta­gen in Georgs­ma­ri­en­hüt­te, woll­te sie mit der Kol­le­gin und Lyri­kern Inge Buck in der Luther­kir­che eige­ne Gedich­te vor­tra­gen: ›Inne­hal­ten. Wor­te der Stil­le‹. Sie konn­te die Lesung nicht mehr durch­füh­ren, muss­te sich durch ihren Lebens­part­ner, den Autor Det­lef Michelers, ver­tre­ten las­sen.
Unse­re 1943 gebo­re­ne Kol­le­gin stu­dier­te nach dem Abitur in ihrer Geburts­stadt Köln Thea­ter­wis­sen­schaf­ten und Päd­ago­gik, spiel­te in der Stu­den­ten­büh­ne u.a. mit dem heu­ti­gen Inten­dan­ten der Deut­schen Oper, Ber­lin, Jür­gen Flimm. Nach dem ers­ten Leh­rer­ex­amen ging sie 1966 an die Schau­spiel­schu­le nach Ber­lin. 1968 kehr­te sie nach Köln in den Schul­dienst zurück, arbei­te­te mit lern­be­hin­der­ten Kin­dern und bestand 1970 ihr zwei­tes Staats­ex­amen. Kurz dar­auf erhielt sie ihr ers­tes Enga­ge­ment am West­fä­li­schen Lan­des­thea­ter in Cas­trop-Rau­xel. 1973 wech­sel­te sie ans Schil­ler-Thea­ter in Ber­lin unter Die­ter Dorn. Anfang 1976 hol­te sie der bedeu­ten­de unga­ri­sche Schrift­stel­ler und Thea­ter­ma­cher Geor­ge Tabo­ri (1914–2007) in das Ensem­ble des Bre­mer Thea­ter­la­bors unter dem Inten­dan­ten Peter Stol­zen­berg.
Für Bri­git­te Rött­gers und die ande­ren Mit­glie­der des zehn­köp­fi­gen Tabo­ri-Ensem­bles wur­de das Thea­ter­la­bor im Con­cordia an der Schwach­hau­ser Heer­stra­ße zu einem Raum unge­mein inten­si­ver Erfah­run­gen, zumal dem Thea­ter­ma­cher die Pro­ben wich­ti­ger als die Pre­mie­ren waren und jede Pre­mie­re nur eine wei­te­re Pro­be. Tabo­ri war ein unver­schämt gedul­di­ger Beob­ach­ter sei­ner Schau­spie­ler, ließ sie ihren Weg, ihren Aus­druck suchen und nicht sel­ten kam er mor­gens mit der Ansa­ge in die Pro­be: ›Klei­ne Ände­rung.‹ Die sich häu­fig mona­te­lang hin­zie­hen­den Pro­ben basier­ten auf Grup­pen­ar­beit, beinhal­te­ten geziel­tes Kör­per­trai­ning und Medi­ta­ti­ons­übun­gen und brach­ten dem Regis­seur den Ruf eines Gurus ein. Tabo­ris inten­si­ve Arbeits­wei­se und das Mit­ein­an­der des klei­nen Ensem­bles präg­ten Bri­git­te Rött­gers nach­hal­tig – doch sie ver­stand es, dabei ihre Indi­vi­dua­li­tät zu wah­ren. Sie stand auf der Büh­ne, als im April 1976 die Tra­gö­die ›Die Troerin­nen von Euri­pi­des‹ bei der Bre­mer Pre­mie­re auf lau­te Pro­tes­te stieß und rund 200 Zuschau­er Türen schla­gend das Thea­ter ver­lie­ßen. Sie stand auf der Büh­ne, als die Stü­cke ›Sig­munds Freu­de‹, ›Talk Show‹, ›Ver­wand­lun­gen‹ und ›Die Hun­ger­künst­ler‹ viel Auf­se­hen erreg­ten – und das nicht nur in der Weser­me­tro­po­le. Das letz­te­re, frei nach Kaf­kas Erzäh­lung ›Ein Hun­ger­künst­ler‹ vom Thea­ter­la­bor erar­bei­te­te Stück, ent­zün­de­te bereits vor der Urauf­füh­rung am 10. Juni 1977 kon­tro­ver­se Dis­kus­sio­nen in der Öffent­lich­keit, ließ Tabo­ri das Ensem­ble doch zuvor 40 Tage unter ärzt­li­cher Auf­sicht fas­ten, um die Schwä­che von Hun­gern­den auf der Büh­ne wirk­sam wer­den zu las­sen. Nur Bri­git­te Rött­gers lehn­te damals das Fas­ten ab, und Geor­ge Tabo­ri reagier­te wie immer lako­nisch und der künst­le­ri­schen Arbeit dien­lich: ›Dann spielst du die Kran­ken­schwes­ter, die die Hun­gern­den pflegt.‹ Die Tage des Thea­ter­la­bors ende­ten im Som­mer 1978, als Peter Stolt­zen­berg aus dem Amt schied und auch Geor­ge Tabo­ri die Han­se­stadt ver­ließ.
Unse­re von 1976 bis 2012 über­wie­gend in Bre­men leben­de Kol­le­gin Bri­git­te Rött­gers hat­te vie­le Auf­trit­te als Schau­spie­le­rin – u.a. auch an den Büh­nen in Frank­furt a. M. und Düs­sel­dorf, gas­tier­te in der Sowjet­uni­on, Polen und West­eu­ro­pa. Dar­über hin­aus war sie Lehr­be­auf­trag­te an meh­re­ren Hoch­schu­len – nicht zuletzt für bel­le­tris­ti­sches Schrei­ben an der Bre­mer Uni. Neben der Thea­ter­ar­beit ver­öf­fent­lich­te sie ihre eigen­wil­lig bild­rei­chen Gedich­te in vie­len Antho­lo­gi­en und Zeit­schrif­ten wie ›Akzen­te‹ und ›Mer­kur‹. Sie wur­den teils auch ins Eng­li­sche und Pol­ni­sche über­tra­gen. 2006 publi­zier­te der Bre­mer Sujet-Ver­lag ihren bestechen­den Gedicht­band ›Dra­chen­ta­ge‹.
Bri­git­te Rött­gers lieh ihre Stim­me Dut­zen­den von Hör­spie­len und Fea­tures, von denen ab der Jahr­tau­send­wen­de vie­le als Hör­bü­cher erschie­nen. Das mit­ver­fass­te Hör­buch ›In Frei­heit leben. Jean-Paul Sart­re und sei­ne Zeit‹ z. B. wur­de 2006 für den Deut­schen Hör­buch­preis (Bes­te Infor­ma­ti­on) nomi­niert. Für die Inter­es­sen der bre­mi­schen und nie­der­säch­si­schen Autorin­nen und Autoren enga­gier­te sich Bri­git­te Rött­gers seit Beginn der 1980er Jah­re nach­hal­tig. Sie nahm maß­geb­lich an der Pla­nung und Grün­dung des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor e.V. teil und war von 1993 bis 2006 Mit­glied des Vor­stands. Von 2006 bis 2010 wirk­te sie in unse­rem VS-Lan­des­ver­bands­vor­stand Nie­der­sa­chen-Bre­men mit, betreu­te die neu­en Mit­glie­der, prüf­te die Kas­sen und hat­te immer einen hilf­rei­chen Rat parat. Für den VS und den För­de­rer­kreis über­nahm sie zudem mehr­mals die künst­le­ri­sche Lei­tung von Schrift­stel­l­er­tref­fen und – zusam­men mit Det­lef Michelers – der Nie­der­säch­si­schen Lite­ra­tur­ta­ge in Sta­de (2005) und Dan­gast (2009). In bes­ter Erin­ne­rung blei­ben ihre bei eini­gen unse­rer Tref­fen durch­ge­führ­ten Work­shops für Autor/innen: ›Ich, mein Text, mei­ne Lesung – wie prä­sen­tie­re ich mei­ne Tex­te‹.
Bri­git­te Rött­gers berei­cher­te jahr­zehn­te­lang das (nord-)deutsche Kul­tur­le­ben – auf der Büh­ne und im Rah­men lite­ra­ri­scher Ver­an­stal­tun­gen, im VS, För­de­rer­kreis, Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor und im enge­ren und wei­te­ren Kol­le­gin­nen- und Kol­le­gen­kreis. Ihr Tod reißt eine Lücke. Wie heißt es in den ers­ten Zei­len ihres Gedichts ›Nach­mit­tag‹:  ›Him­mel­wärts stür­men / Mit wehen­dem Haar / Mit wei­nen­dem Her­zen / Mit gebro­che­nen Bei­nen / Mit glü­hen­der Haut / Der Neu­gier­de nach / Bis in die Milch­stra­ße…‹

Bremer Autorenstipendien 2018 vergeben

Zur För­de­rung des lite­ra­ri­schen Nach­wuch­ses ver­gibt der Sena­tor für Kul­tur jähr­lich zwei Sti­pen­di­en zu je 2500,- Euro an Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler, die ihren Wohn­sitz in Bremen/ Bre­mer­ha­ven oder dem angren­zen­den Umland haben.

2018 gehen die Sti­pen­di­en an Hel­ge Hom­mers und Jörg Kasi­mir.

Begrün­dung der Jury:
Der Aus­zug aus Hel­ge Hom­mers’ Roman­pro­jekt ›Die Boom­gar­dens‹ erzählt unter der Über­schrift ›Das letz­te Paar Schnür­schu­he‹ zunächst die Geschich­te der Urgroß­mutter des Erzäh­lers, die 1933 kurz­fris­tig von den Nazis ver­haf­tet wur­de, weil sie bei einem jüdi­schen Schuh­ma­cher ein­kauf­te. Die­se Fami­li­en­ge­schich­te von ver­meint­li­cher Zivil­cou­ra­ge und bäu­er­li­cher Nai­vi­tät gegen­über dem NS-Herr­schafts­sys­tem ahmt ein bekann­tes Mus­ter nach, doch Hom­mers’ Text  stellt sich schließ­lich als Ver­such eines jun­gen Man­nes her­aus, die Erin­ne­run­gen sei­nes Groß­va­ters auf­zu­schrei­ben. Die­ser reflek­tier­te Umgang mit dem eige­nen Schrei­ben und den Mög­lich­kei­ten, von der Ver­gan­gen­heit zu erzäh­len, hat die Jury eben­so über­zeugt wie die sprach­li­che Qua­li­tät des Text­aus­zugs.

Aus einem Buch­pro­jekt mit 6 Erzäh­lun­gen über ver­las­se­ne Orte legt Jörg Kasi­mir ›Rui­nös‹ vor. In einem Ort nahe der pol­ni­schen Gren­ze wird nach der Wen­de ein Post­amt geschlos­sen und dann sich selbst über­las­sen. Der letz­te ver­blie­be­ne Post­haupt­se­kre­tär beschließt, sich in sein Post­amt zu bege­ben und mit ihm zusam­men den end­gül­ti­gen Ver­fall zu leben. Im Lau­fe der Jah­re lösen sich bei­de auf. Ihr zu Schutt- und Asche­wer­den schlingt sich inein­an­der. Das beschreibt der Autor als Sym­pho­nie des Ver­falls, die er mit orga­ni­schen Sprach­tö­nen und natür­li­chen Meta­phern instru­men­tiert.

Hel­ge Hom­mers
Foto: Sas­kia Perter­sen

Hel­ge Hom­mers wur­de 1989 in Emden gebo­ren. Nach dem Abitur leis­te­te er sei­nen Zivil­dienst in Bre­men, wo er im Anschluss ein Stu­di­um der Lin­gu­is­tik und Sport­wis­sen­schaf­ten begann. Danach mach­te er sei­nen Mas­ter in Trans­na­tio­na­le Lite­ra­tur­wis­sen­schaf­ten in Bre­men und Prag. Nach­dem Hom­mers bereits als frei­er Autor für den Weser Kurier gear­bei­tet hat­te, begann er dort im Herbst 2017 ein Volon­ta­ri­at.
Eini­ge sei­ner Kurz­ge­schich­ten wur­den in Lite­ra­tur­an­tho­lo­gi­en ver­öf­fent­licht und mit Prei­sen aus­ge­zeich­net.

Jörg Kasi­mir
Foto: pri­vat

Jörg Kasi­mir, 1964 in Wol­fen­büt­tel gebo­ren, hat zunächst als Ver­lags­kauf­mann gear­bei­tet, spä­ter dann an der Uni­ver­si­tät Bre­men Kul­tur­wis­sen­schaf­ten und Phi­lo­so­phie stu­diert. Nach dem Stu­di­um war er an der Pla­nung und Durch­füh­rung diver­ser Kunst- und Kul­tur­pro­jek­te in Bre­men betei­ligt, u.a. für die Schwank­hal­le. Für die Städ­ti­sche Gale­rie hat er im Bereich Aus­stel­lungs­or­ga­ni­sa­ti­on gear­bei­tet. Seit 2013 ist er zudem im sozia­len Bereich tätig.
Kasi­mir schreibt Erzäh­lun­gen und Essays sowie Bei­trä­ge für Kunst­ka­ta­lo­ge und Aus­stel­lun­gen.

Zur Jury 2018 gehör­ten Jan Gerst­ner (Uni­ver­si­tät Bre­men), Ulri­ke Marie Hil­le (VHS Bre­men / Autorin), Bernd Gosau (Frei­er Lek­tor) und Regi­na Weber (Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor / Redak­teu­rin, Lek­to­rin).

Die Lesung der Sti­pen­dia­ten 2018 fin­det Diens­tag, den 15. Janu­ar 2019, 20 Uhr, im Café Ambi­en­te, Oster­deich 69a, statt. Die Mode­ra­ti­on des Abends über­neh­men Jan Gerst­ner und Bernd Gosau.

Aus­zü­ge aus den Manu­skrip­ten der Sti­pen­dia­ten fin­den Sie hier» und hier».

Ob es reicht‹ (AT) von Bettina Beutler-Prahm

Bettina Beutler-Prahm
Bet­ti­na Beut­ler-Prahm

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2016

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2016 gehen an Bet­ti­na Beut­ler-Prahm und Sabi­ne Breit­bach.
Lesen Sie an die­ser Stel­le einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Bet­ti­na Beut­ler-Prahm. Einen Aus­zug aus dem Text von Sabi­ne Breit­bach fin­den sie hier ».

Bettina Beutler-Prahm: ›Ob es reicht‹ (AT)

Oktav­sprung

Er hat­te sei­nen Pan­zer ange­zo­gen und war raus. Die Tür zuge­schla­gen, Beats auf und abge­taucht. Es begann gera­de hell zu wer­den, die ers­ten Geschäf­te mach­ten schon auf, aber Paul hat­te vor­ge­sorgt. In sei­nem Turn­beu­tel, den er über die Schul­tern gehängt hat­te, befand sich genug Pro­vi­ant, mehr wür­de er nicht brau­chen. Bloß kei­nen Kon­takt. Zu nie­man­dem.

Jetzt nicht.

Als er sie das ers­te Mal traf, im Super­markt, zusam­men mit Felix – du weißt doch, Mama, Felix, Felix aus dem Kin­der­gar­ten – hat­te er sie im ers­ten Moment für Felix’ Bru­der gehal­ten, mit dem komi­schen Haar­schnitt und den wei­ten Kla­mot­ten. Hat­te sie für sei­nen Bru­der gehal­ten und, weil sie so klein war und ihn so breit angrins­te, geglaubt, der sei irgend­wie nicht ganz rich­tig im Kopf. Das hat­te er nicht gewusst, dass Felix einen Bru­der hat­te, der nicht ganz rich­tig im Kopf war, im Kin­der­gar­ten hat­te er den jeden­falls noch nicht gehabt. Jetzt aber auch nicht. Anna war nicht sein Bru­der, und sie hat­te erst recht kei­ne Mei­se – jeden­falls nicht mehr als die meis­ten ande­ren und er selbst auch. Eigent­lich sogar noch deut­lich weni­ger als er selbst.

Anna. ANNA. Trot­zig schal­te­te Paul die Musik lau­ter. Sie hat­ten rich­tig viel Spaß mit­ein­an­der gehabt. Anna. War­um hat­te es nicht so blei­ben kön­nen. Lachen, bis man kei­ne Luft mehr bekam und wirk­lich Angst hat­te, zu ersti­cken, aber dann auch wie­der kei­ne Angst, weil, es wäre ein guter Zeit­punkt gewe­sen, es war gera­de so schön. Schei­ße bau­en, sich zusam­men stark füh­len, Geheim­nis­se haben, den gan­zen Tag zusam­men auf dem Bett lie­gen und zocken, aus dem Fens­ter gucken, läs­tern, Vide­os anse­hen, boxen, den Kopf strei­cheln, die sei­di­gen Haa­re, die blon­den Locken. Ey Alter, was geht.

Irgend­wann wur­de es schwie­rig. Damit hat­te er nicht gerech­net, war nicht vor­be­rei­tet gewe­sen, was auch immer. Die bren­nen­de Röte, die es Paul bei dem Gedan­ken an die letz­ten Begeg­nun­gen mit Anna vor Weih­nach­ten ins Gesicht trieb, bahn­te sich sofort – instant, Alter – einen Weg zu dem leich­ten Gefühl von Übel­keit wei­ter unten im Kör­per, ver­band sich, schoss hin­ein, hob die Übel­keit an, die in einer gera­de­zu orga­ni­schen Wel­le ins Gehirn zurück­schwapp­te und alles ande­re dar­aus ver­dräng­te. Wie Hirn­frost, nur in heiß. Hirn­brand. Instink­tiv schob Paul die geball­ten Hän­de tie­fer in die Taschen sei­nes Ano­raks und beschleu­nig­te sei­nen Gang.

Anna war anders gewe­sen als die ande­ren Mäd­chen, hat­te er gedacht. Anna war doch anders.

Aber dann eben doch wie­der nicht. (…)

 

Das Foto‹ von Sabine Breitbach

Sabine Breitbach
Sabi­ne Breit­bach

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2016

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2016 erhiel­ten Bet­ti­na Beut­ler-Prahm und Sabi­ne Breit­bach. Lesen Sie hier einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Sabi­ne Breit­bach. Einen Aus­zug aus dem Text von Bet­ti­na Beut­ler-Prahm fin­den sie hier».

Sabine Breitbach: ›Das Foto‹

Eines Tages, vie­le Jah­re spä­ter, wird sie an einem frü­hen Mor­gen, noch vor dem Wecker­klin­geln wach wer­den und vor ihrem inne­ren Auge, auf der Lein­wand, auf der gera­de noch die nächt­li­chen Traum­fil­me lie­fen, wird immer noch ein Bild zu sehen sein. Die­ses Stand­bild wird nach dem Auf­ste­hen nicht ver­schwin­den, auch nicht beim Duschen oder beim Früh­stück und selbst am Abend wird es immer noch nicht ver­blasst sein. Sie wird es nicht mehr ver­ges­sen, nun, nach­dem sie damit begon­nen hat, sich dar­an zu erin­nern. Es ist die Erin­ne­rung an ein Foto, das sie schon seit Jahr­zehn­ten nicht mehr gese­hen hat und sie wird sich erin­nern, dass sie dabei war als die­ses Foto ent­stand. Jeden­falls wird sie glau­ben, sich dar­an zu erin­nern.

Das Schwarz-Weiß-Foto zeigt zwei Per­so­nen vor einer Zie­gel­mau­er und eine Bret­ter­tür im wei­chen Licht eines ver­reg­ne­ten Vor­mit­tags. Die zwei, eine jun­ge Frau und ein etwas jün­ge­rer Bur­sche, sind Bru­der und Schwes­ter, es sind ihre Geschwis­ter. Die Schwes­ter schaut direkt in die Kame­ra und krümmt sich vor Lachen, der Bru­der rechts dane­ben sieht betre­ten grin­send zum Foto­gra­fen. Dort hin­ter der Tür neben den bei­den steckt der Anlass für ihr Geläch­ter, eine drit­te Per­son, unsicht­bar. Die­se Per­son, der klei­ne­re Bru­der, wür­de ger­ne das ungast­li­che Che­mie­klo ver­las­sen, das er wegen Durch­falls an die­sem Vor­mit­tag schon vie­le Male auf­su­chen muss­te, kann es aber nicht, denn von außen ist der Rie­gel vor­ge­scho­ben. Spä­ter wird sie, die jüngs­te Schwes­ter, sich an sein wüten­des Getram­pel und Geheu­le hin­ter der Bret­ter­tür zu erin­nern mei­nen, aber was bedeu­tet das schon? Sie meint, sich auch zu erin­nern, als die­ses Foto ent­stand, rechts knapp hin­ter ihrem Vater gestan­den zu haben, gera­de erst hin­zu­ge­lau­fen, als er sei­ne alte Bal­gen­ka­me­ra geho­ben hat­te, um die letz­ten Fotos auf dem Film aus­zu­nut­zen. Viel­leicht, und das ist eben­so wahr­schein­lich, hat er jedoch mit der klei­nen Sucherka­me­ra foto­gra­fiert, die ihre Schwes­ter zur Kon­fir­ma­ti­on bekom­men hat­te. Sie ist ziem­lich sicher, hin­ge­lau­fen zu sein, weil gelacht wur­de, meint sich außer­dem zu erin­nern, auch jenes Mal wie­der nicht ver­stan­den zu haben, wor­über eigent­lich gelacht wur­de. Sie hät­te eben ger­ne mit­ge­lacht.

Es war eine kur­ze Pau­se im Dau­er­re­gen einer Rei­he tris­ter Tage. Für ein paar Minu­ten hiel­ten die Wol­ken, die sich schwer und grau­schwarz und grün­lich über den Him­mel wälz­ten, dicht. Wahr­schein­lich waren sie alle ein­fach nur erleich­tert, jetzt end­lich wie­der nach Hau­se zu fah­ren. Und viel­leicht bedeu­te­te die­ses Lachen auch nichts ande­res als Erleich­te­rung, nur Rolf kam nicht her­un­ter von die­sem Plumps­klo in dem Bret­ter­ver­schlag.

Spä­ter wird sie sich fra­gen, ob sie damals auch gelacht hat, ihren nur wenig älte­ren Bru­der aus­ge­lacht hat in sei­ner Not­la­ge und sei­ner Wut, und sie wird sich wün­schen, nicht gelacht zu haben, und wenn doch, wür­de sie sich heu­te noch dafür schä­men, über vier­zig Jah­re spä­ter, denn wie auf dem Foto ist die­ser Bru­der auch in der heu­ti­gen Wirk­lich­keit nicht sicht­bar, son­dern seit Jah­ren ver­schwun­den. Und sie wird sich fra­gen, was da in die­sen Jah­ren eigent­lich so schief gelau­fen ist, dass er so gründ­lich hat­te ver­schwin­den müs­sen. Sicher war es nicht nur die­se eine Sze­ne und der Vater, der nichts Bes­se­res zu tun hat­te, als ein Foto davon zu machen, wäh­rend Rolf hin­ter der Tür ran­da­lier­te. Und sie wird die­ses Foto im Kopf mit sich her­um­tra­gen und es nicht ver­ste­hen, wie­der ein­mal nicht ver­ste­hen, was vor sich ging und war­um eigent­lich gelacht wur­de. So wie sie damals oft dabei gestan­den hat und sich ein Bild, einen Satz, einen Gesichts­aus­druck zu mer­ken ver­such­te, um ihn spä­ter zu ver­ste­hen, spä­ter, wenn sie grö­ßer wäre.

 

Ich kann dich hören‹ von Katharina Mevissen

Katharina Mevissen
Katha­ri­na Mevis­sen

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2015

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2015 gehen an Katha­ri­na Mevis­sen und Gian­na Lan­ge.
Lesen Sie an die­ser Stel­le einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Katha­ri­na Mevis­sen. Einen Aus­zug aus dem Text von Gian­na Lan­ge fin­den sie hier ».

Katharina Mevissen: ›Ich kann dich hören‹

(Pro­log)

Zuerst und vor allem sollst du zuhö­ren. Denn so habe ich ange­fan­gen, und nach allem, was wir erlebt haben, kann ich dir mit gera­dem Blick in dein Gesicht sagen, dass das Zuhö­ren etwas unfass­bar Schö­nes ist.

Ella hat mir die­ses Zuhö­ren bei­gebracht, auch wenn ich schon vor­her gar nicht so übel dar­in war. Ich hab sie gehört, oft, lan­ge, gründ­lich, hab ihr zuge­hört, ihre Sät­ze fast aus­wen­dig gelernt. Ich wür­de sagen, dass ich sie ken­ne. Obwohl ich kein Bild von ihr habe, kei­nen Geruch. Das ist nicht so wich­tig. Ohne Ella hät­te ich nicht ange­fan­gen.

(…)

Ich schlei­che auf der Rad­spur ent­lang, das Cel­lo auf mei­nem Rücken ist schwe­rer als sonst. Müll und Pfand auf dem Weg. Loses Laub und lee­re Bäu­me. Ich will Kaf­fee jetzt, Kaf­fee mit Zucker, zum mit­neh­men und weg­lau­fen. Ich füh­le mich ver­klumpt. Mein Kopf ist ver­stopft vom Wochen­en­de im Ruhr­ge­biet, dem völ­lig dane­ben gespiel­ten Noten­matsch von der Prü­fung, dazwi­schen geis­tert Ellas Stim­me her­um. Die Tage wue­den kür­zer, es däm­mert schnell, das Tages­licht über­holt mich und ver­schwin­det. Die gewis­sen­haf­ten Rad­fah­rer fah­ren mit Licht und klin­geln mich vom Fahr­strei­fen. Ich rege mich heu­te noch nicht mal auf über die­se beknack­ten Ver­kehrs­klug­schei­ßer, ich star­re nach vor­ne und die Ampel­lich­ter star­ren glim­mend zurück, durch die lee­ren Bäu­me. Nach Hau­se. Ich muss zumin­dest die­ses beschis­se­ne Cel­lo los­wer­den.

Ich kom­me nach Hau­se, oder zumin­dest nach dort, wo ich woh­ne.

Das Licht ist noch an, es ist schon wie­der ver­ges­sen wor­den.

Abwe­send puh­le ich mir die Kon­takt­lin­sen aus den Augen. Ansons­ten las­se ich alles so, wie es ist. Den Belag auf den Zäh­nen, den Zucker, das Schlech­te. Das Licht bren­nen, ich kann heu­te nicht, kann heu­te wirk­lich nicht der Letz­te sein, der, der es aus­macht.

Jetzt bin ich bei dir, Ella. Setz­te mir Kopf­hö­rer auf, damit ich dich nicht tei­len muss, damit ich mit dir allei­ne bin. Knip­se dei­ne Stim­me an. Ich höre dich.

Track 8:

Wir gucken in die Wol­ken, lie­gen im kal­ten Sand, die Wol­ken sind dick und quel­lig, wir gucken ihnen nach, wie schnell sie zie­hen.

Auf Wol­ken kann man nicht lie­gen. Das ist nur Was­ser­dampf. Das hast du mir damals wirk­lich gesagt, als ich dir erzählt hab, dass ich mich gera­de oben auf die Wol­ken legen wür­de, und flie­gen. Nein, mein­test du, hast, auf Wol­ken kannst du nicht lie­gen, die sind aus Was­ser­dampf, nur Was­ser­dampf, da fällst du ein­fach durch.“

Track 9:

Hel­lo, hi. Thank you for taking us. Yes, Gal­way is per­fect. And… oh, sor­ry. I am Ella, my name is Ella. That’s my sis­ter, Jo. (Geräu­sche: iri­sches Auto­ra­dio, undeut­li­che Män­ner- stim­me) Yes, yes, from Ger­ma­ny, you know Ham­burg, of cour­se? We are from Ham­burg. (Wie­der Män­ner­stim­me, unver­ständ­lich, Radio wird lau­ter gedreht). „I don’t know that song, but I like it. Yes, the music is good. (Män­ner­stim­me) Oh, no, she can’t hear it. My sis­ter is deaf. (Musik wird noch lau­ter gedreht) No, no, she won’t hear it, only the beat, some­ti­mes.“

Ich drü­cke auf Pau­se. Hal­te die Augen geschlos­sen. Höre hal­be Sät­ze Musik, die in mei­nen Ohren anschwel­len, und sehe den rie­si­gen, dicken Wol­ken zu, auf denen ich nicht lie­gen kann. Ich pres­se mei­ne Hand­flä­chen fest in die Matrat­ze.

 

Elise‹ von Gianna Lange

Gianna Lange. Foto: Franziska Evers
Gian­na Lan­ge. Foto: Fran­zis­ka Evers

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2015

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2015 erhiel­ten Katha­ri­na Mevis­sen und Gian­na Lan­ge. Lesen Sie hier einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Gian­na Lan­ge. Einen Aus­zug aus dem Text von Katha­ri­na Mevis­sen fin­den sie hier ».

Gianna Lange: ›Elise‹

Sie waren sich alle so sicher. Selbst Eli­se. Sprach und hus­te­te Blut. Und dann rie­fen sie an und sag­ten, dass sie gelo­gen hat­ten. Dass sie gestor­ben war. Letz­te Nacht, völ­lig uner­war­tet, denn an Tuber­ku­lo­se stirbt heu­te nie­mand mehr. Und es stimm­te auch nicht, dass ein totes Gesicht aus­sieht wie ein schla­fen­des. In einem schla­fen­den Gesicht ist das wache noch sicht­bar. Es legt sich unter die obers­te Haut­schicht und war­tet und schim­mert durch den Schlaf. Und mit ihm sein Lachen, sein Wei­nen, sei­ne Wut, die Fal­ten, die dazu gehör­ten. Die Anstren­gun­gen, die ein jeder Tag brach­te, die die Kno­chen klei­ner drück­ten und die Fal­ten fal­te­ten. All das war jetzt weg. Es war aus die­sem Gesicht gewi­chen und hat­te etwas Far­be mit­ge­nom­men. Hier lag ein Gesicht, das kei­ne Spu­ren mehr hat­te. Durch die Haut, dabei war sie jetzt so hell, schim­mer­te nichts mehr hin­durch. Ursprüng­lich sah es aus. Wie ein Gesicht, das kein Leid kann­te, Unge­rech­tig­kei­ten und Trau­er noch nicht ken­nen­ge­lernt hat­te. Die Lach­fal­ten um die Augen hat­ten ihre Arbeit ver­lo­ren und lagen hilf­los und untä­tig um die Augen mei­ner Mut­ter, die oft gelacht hat­te. Mit dem Mund und den Fal­ten und den Grüb­chen, aber nicht immer mit den Augen. So als müss­te es rei­chen, der Welt zu zei­gen: ‘Sieh, ich lache noch. Aber sieh nicht so genau hin. Sieh nur auf den Mund und die Fal­ten und die Grüb­chen. Siehst du? Ich lache noch. Siehst du, Sohn? Ich lache noch. Also sor­ge dich nicht.’ Das hab ich nie, war­um soll­te ich jetzt damit anfan­gen? Sag mir, Eli­se, war­um soll ich?

Als mein Unter­be­wusst­sein fest­stell­te, dass Emma mei­ner Mut­ter ähnel­te, begann es umge­hend, mir Sig­mund Freuds Weis­hei­ten an den Kopf zu wer­fen. ‘Was soll denn das wer­den, Ödi­pus?’ Und ich sah Emma an und sie lächel­te mit den Augen. Anders als Eli­se, deren Augen schon lan­ge nicht mehr gewusst hat­ten, wie das ging. Und wenn ich sie ansah, hielt alles in mir end­lich die Schnau­ze.

 

Elektrisches Pferd am Himmel über Berlin‹ von Philipp Böhm

Philipp Böhm
Phil­ipp Böhm

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2014

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2014 gehen an Phil­ipp Böhm und Ben­ja­min Tiet­jen.
Lesen Sie an die­ser Stel­le einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Phil­ipp Böhm. Einen Aus­zug aus dem Text von Ben­ja­min Tiet­jen fin­den sie hier ».

Philipp Böhm: ›Elektrisches Pferd am Himmel über Berlin‹

Zunächst war da ein Brum­men in der Luft, ein Brum­men so tief, dass es in den Ein­ge­wei­den spür­bar war, womit pri­mär der Magen gemeint war und ver­mut­lich auch der Darm, der nun schwang, in Schwin­gung gesetzt. Zunächst war da ein Brum­men, es war zuerst da und dann kam erst der Schat­ten, der nicht recht zu loka­li­sie­ren war, es muss­te hin­ter den Wol­ken sein, aber kön­nen wir über­haupt Din­ge sehen, die hin­ter den Wol­ken flie­gen? Beant­wor­tet wur­de der Klang zuerst von den Hun­den und die drei wei­ßen Möp­se mit schwar­zen mit­tel­gro­ßen Fle­cken, die von der älte­ren Dame in der hell­blau­en Wind­ja­cke geführt wur­den, deren offen prä­sen­tier­te Arsch­lö­cher kei­ne drei Meter vor uns bis­her mei­ne Auf­merk­sam­keit auf sich gezo­gen hat­ten, setz­ten zu heu­len an, schick­ten lang­ge­zo­ge­ne Kla­ge­lau­te dem Him­mel ent­ge­gen, wo sich der gro­ße Schat­ten beweg­te, den wir nicht recht fin­den konn­ten. Wir wuss­ten nur: Er war da. Etwas flog da oben über dem Maja­kow­s­ki­ring, über Ber­lin. Es war ein Herbst­tag, der dem Ende ent­ge­gen schritt, so wie das Jahr uner­bitt­lich gen Weih­nach­ten ging. Maja­kow­s­ki­ring, Ber­lin, Bäu­me ohne Blät­ter, trop­fend vom letz­ten Regen­fall, der noch nicht so lan­ge zurück lag. Wir stan­den dort auf dem Trot­toir zu dritt und vor uns heul­ten die Möp­se, miss­ach­te­ten die älte­re Dame, die an den Lei­nen riss, um sie zum Wei­ter­ge­hen zu ermun­tern, das Gesicht gerö­tet, pein­lich berührt. Doch auch sie konn­te den Klang hören und warf ängst­li­che Bli­cke in den Him­mel, den Wol­ken ent­ge­gen. Wir wuss­ten nicht recht, ob wir ste­hen­blei­ben oder wei­ter­ge­hen soll­ten, wuss­ten auch nicht, ob wir bereits an Lot­te Ulb­richts Haus vor­bei waren. Kei­ner von uns kann­te sich aus in Ber­lin: Hart­mann nicht, auch nicht die Frau vom Mond, und ich schon gar nicht. Rat­los harr­ten wir aus und ich zog die schwar­ze Woll­müt­ze über mei­ne Ohren, doch es war nicht mög­lich, das Geräusch drau­ßen zu hal­ten, die Schwin­gung war durch­drin­gend. Gera­de hat­te Hart­mann noch gesagt, er habe jetzt gera­de ein Gedicht über Maja­kow­ski gele­sen. Er hat­te gesagt: Es han­delt von Maja­kow­skis Waf­fe, sei­ner Pis­to­le, die irgend­wer ver­kau­fen möch­te. Sei das nicht wun­der­lich? Maja­kow­skis Kopf wur­de selbst mit einer Kugel ver­gli­chen. Kano­nen­ku­gel­kopf, sag­te Hart­mann, wur­de er damals auch genannt. Und gera­de als er sag­te, Mat­thew Dick­man, es sei Mat­thew Dick­man gewe­sen, der das Gedicht geschrie­ben habe, brach der Huf durch die Wol­ken. (…)

Mister Gute Miene‹ von Benjamin Tietjen

Benjamin Tietjen
Ben­ja­min Tiet­jen

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2014

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2014 erhiel­ten Phil­ipp Böhm und Ben­ja­min Tiet­jen. Lesen Sie hier einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Ben­ja­min Tiet­jen. Einen Aus­zug aus dem Text von Phil­ipp Böhm fin­den sie hier ».

Benjamin Tietjen: ›Mister Gute Miene‹

Fei­er­abend. Die Men­schen dräng­ten sich auf dem Bahn­steig. Beleuch­tet vom künst­li­chen Licht. Unter der Erde. Sie schau­ten auf ihre Arm­band­uh­ren. Sie tipp­ten in ihre Han­dys. Sie lasen Zei­tung. Eini­ge unter­hiel­ten sich.
Er stieg die Trep­pen zum Bahn­steig tän­zelnd run­ter. Ganz so, als wären die Stu­fen die Tas­ten eines Kla­viers, das er mit sei­nen Stie­fe­let­ten bespiel­te. Bei­na­he in Tran­ce. Ganz in Schwarz. Im Rhyth­mus zu der Musik, die aus sei­nem Walk­man kam.
Er schrieb mit einem schwar­zen Mar­ker ›Ima­gi­ne there’s no Hea­ven‹ an die Flie­sen der U-Bahn­sta­ti­on. Sei­ne Hand­schrift war nicht die eines Wri­ters. Er schrieb Buch­sta­be für Buch­sta­be in sau­be­rer Druck­schrift. Hier und da ver­lief die Far­be. Er mal­te einen Schräg­strich hin­ter ›Hea­ven‹ und schrieb ›It’s easy if you try‹.
Die Men­schen lasen Zei­tung. Ein Mann strei­chel­te sei­nen ver­un­si­cher­ten Hund. Die Luft stand.
Er schrieb ›No hell below us‹. Ein Schräg­strich. Dahin­ter ›Above us only sky‹.
Die ers­te Stro­phe war fer­tig. Am Ende stand ›Living for today‹, und dann kam das Wer­be­pla­kat für ›Hugo Woman‹. Geschaf­fen aus einer neu­en unge­zähm­ten Lust am Leben.

Er ging zurück und schrieb unter die ers­te Stro­phe die zwei­te. Dar­un­ter die Drit­te, die Vier­te, den Schluss. Dann mal­te er dem weib­li­chen Model auf dem Wer­be­pla­kat eine run­de Son­nen­bril­le. Dort­hin, wo zuvor ihre bestechen­den Augen waren. Und über ihren erns­ten Mund mal­te er einen lachen­den Mund.
Dann kam die Bahn. Er setz­te sich ans Fens­ter und schau­te auf die Wand. Alex nick­te ihr zu. Ganz so, als kom­mu­ni­zie­re sie mit ihm. Als bestä­ti­ge er zufrie­den ihren neu­en Look.

(…)

MiniLit Nr. 9

Druck­frisch! Das neun­te Heft unse­rer Rei­he ›Mini­Lit — Tex­te aus der jun­gen Bre­mer Schreib­sze­ne‹ ist da!
Der Titel lau­tet: ›Dann leben sie noch heu­te…!‹ Es han­delt sich um ein Werk­statt­heft, das aus der gleich­na­mi­gen Schreib­werk­statt mit Jani­ne Lancker her­vor­ge­gan­gen ist. Mit­ge­wirkt haben die Teilnehmer*innen Vio­la Bau­er, Rol­lo Heinsch, Mela­nie Hes­se­ni­us, Knut-Alex­an­der Höhn, Lui Kohl­mann und Lau­ra Mül­ler-Hen­nig.
Die Mini­Lit-Hef­te sind kos­ten­los. Sie lie­gen im Lite­ra­tur­kon­tor, in den Bre­mer Buch­hand­lun­gen und an ande­ren Lite­ra­tur- und Kul­tur­or­ten aus. Viel Spaß beim Lesen!

MiniLit Nr. 8

Im ach­ten Heft unse­rer Rei­he ›Mini­Lit — Tex­te aus der jun­gen Bre­mer Schreib­sze­ne‹ sind wie­der zwei Schrei­ben­de aus Bre­men mit ihrem Tex­te ver­tre­ten: Kars­ten Red­mann ist mit sei­ner Kurz­ge­schich­te ›Brü­der‹ dabei und Lena Mare­en Bruns trägt mit ›Moa­bi­ter Schwei­ne‹ ihren Teil zu der Aus­ga­be bei.

MiniLit Nr. 7

Das sieb­te Heft unse­rer Rei­he ›Mini­Lit‹ trägt den Titel ›Fins­te­re Son­ne — Glut­ro­ter Mond‹ und ist ein Werk­statt­heft mit Tex­ten aus zwei Lit­Ko-Schreib­work­shops mit Mar­lis Thiel. Mit­ge­wirkt haben Rol­lo Heinsch, Lau­ra Mül­ler-Hen­nig, Ane­ta Potry­kus sowie Nico­le Tews.

MiniLit Nr. 6

Beim sechs­ten ›MiniLit‹-Heft han­delt es sich um ein Werk­statt­heft mit Arbei­ten aus unse­rer Schreib­werk­statt ›An Bord‹ mit Jani­ne Lancker. Mit­ge­wirkt haben Vio­la Bau­er, Johan­na Schwarz, Chris­ti­na Sachs, Sarah Maria Thies und Ane­ta Potry­kus.

MiniLit Nr. 5

Zum fünf­ten Heft unse­rer Rei­he ›Mini­Lit — Tex­te aus der jun­gen Bre­mer Schreib­sze­ne‹ haben Hel­ge Hal­ling (›Auf wack­li­gen Bei­nen‹) und Madi­ta Krüg­ler (›Der Jäger‹) jeweils eine Kurz­ge­schich­te bei­gesteu­ert.

MiniLit special

Aus dem Pro­jekt »Bre­men Kam­pa­la — spaces of trans­cul­tu­ral wri­ting« ist eine Son­der­aus­ga­be unse­rer Mini­Lit-Heft­rei­he ent­stan­den. Die zwei­spra­chi­ge Antho­lo­gie ver­sam­melt Aus­zü­ge aus den Wer­ken drei­er Autor*innen aus Kam­pa­la und drei­er aus Bre­men. Die Tex­te sind von Debo­rah Asi­im­we, Nora Bossong, S. Ronald Sse­gu­jja, Niko­las Hop­pe, Nya­na Kako­ma und Jens Laloire.

Die Mini­Lit-Hef­te sind kos­ten­los. Sie lie­gen im Lite­ra­tur­kon­tor, in den Bre­mer Buch­hand­lun­gen und an ande­ren Lite­ra­tur- und Kul­tur­or­ten aus.

30 Jahre Bremer Literaturkontor

Titel 30 Jahre Bremer LiteraturkontorZu unse­rem Jubi­lä­um 2013 erschie­nen: Das Buch mit Fotos, Berich­ten, Anek­do­ten und Doku­men­ten unter­schied­lichs­ter Art von 1983 bis heu­te. Zusam­men­ge­tra­gen von Jochen Grün­waldt, gestal­tet vom Design­bü­ro Möh­len­kamp, geför­dert vom Sena­tor für Kul­tur und von der Spar­kas­se Bre­men, erhält­lich im Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor. 

LiteraturSzene Bremen, Bremerhavern & umzu – Autorinnen und Autoren

Titel  »LiteraturSzene Bremen, Bremerhavern & umzu – Autorinnen und Autoren«Das von Peter Hom­beck 2007 zusam­men­ge­stell­te Buch »Lite­ra­tur­Sze­ne Bre­men, Bre­mer­ha­vern & umzu – Autorin­nen und Autoren« ver­zeich­net weit über 100 in der Han­se­stadt und im Bre­mer Umland leben­de Schrift­stel­ler. Mit Fotos des Medi­en­künst­lers Micha­el Weis­ser, Kurz­bio­gra­phi­en, aktu­el­len Ver­öf­fent­li­chun­gen und Aus­zeich­nun­gen sind Roman­au­toren und Lyri­ker eben­so ver­tre­ten wie Essay­is­ten, Über­set­zer, Sach- und Kin­der­buch­au­toren.
Die »Lite­ra­tur­Sze­ne Bre­men, Bre­mer­ha­vern & umzu« ist im Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor, Vil­la Ichon, Goe­the­platz 4 (Tel. 32 79 43) erhält­lich.