BREMER ERKLÄRUNG DER VIELEN

Ende Janu­ar 2019 hat ein brei­tes Bünd­nis von Kunst- und Kul­tur­ein­rich­tun­gen und Inter­es­sens­ver­tre­tun­gen der frei­en Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­den die ›Bre­mer Erklä­rung der Vie­len‹ der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt und sich damit der bun­des­wei­ten Initia­ti­ve Die Vie­len ange­schlos­sen.

BREMER ERKLÄRUNG DER VIELEN
Kunst und Kul­tur schaf­fen einen Raum zur Ver­än­de­rung der Welt

Als Akti­ve in der Kul­tur­land­schaft haben wir eine aus der Geschich­te Deutsch­lands erwach­sen­de Ver­ant­wor­tung, da von unse­rem Land die größ­ten Staats­ver­bre­chen der Mensch­heits­ge­schich­te began­gen wur­den. Mil­lio­nen Men­schen wur­den ermor­det oder gin­gen ins Exil, unter ihnen auch vie­le Künstler*innen. Kunst wur­de als „ent­ar­tet“ dif­fa­miert und Kul­tur flä­chen­de­ckend zu Pro­pa­gan­da­zwe­cken miss­braucht. Als Kul­tur­schaf­fen­de in Deutsch­land tra­gen wir des­halb eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung und wol­len die­se wahr­neh­men.

Heu­te begrei­fen wir die Kunst- und Kul­tur­ein­rich­tun­gen als offe­ne Räu­me, die Vie­len gehö­ren. Unse­re Gesell­schaft ist plu­ral. Vie­le unter­schied­li­che Inter­es­sen tref­fen auf­ein­an­der und fin­den sich oft im Dazwi­schen. Das Zusam­men­le­ben in einer Demo­kra­tie muss täg­lich neu gestal­tet wer­den – aber immer unter einer Vor­aus­set­zung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n als Wesen der vie­len Mög­lich­kei­ten!

Der rech­te Popu­lis­mus, der die Kul­tur­ein­rich­tun­gen als Akteur*innen die­ser gesell­schaft­li­chen Visi­on angreift, steht der Kunst der Vie­len feind­se­lig gegen­über. Rech­te und natio­na­lis­ti­sche Grup­pie­run­gen und Par­tei­en stö­ren Ver­an­stal­tun­gen, wol­len in Spiel­plä­ne und Pro­gram­me ein­grei­fen, pole­mi­sie­ren gegen die Frei­heit der Kunst und arbei­ten an einer Rena­tio­na­li­sie­rung der Kul­tur.

Am Bei­spiel ihres ver­ächt­li­chen Umgangs mit Men­schen auf der Flucht, mit enga­gier­ten Kul­tur­schaf­fen­den, mit Men­schen diver­ser Her­kunft, diver­ser Kul­tu­ren, Lebens­ent­wür­fen oder Reli­gio­nen und mit Anders­den­ken­den wird deut­lich, wie sie mit der Gesell­schaft beab­sich­ti­gen umzu­ge­hen, sobald sich die Macht­ver­hält­nis­se zu ihren Guns­ten ver­än­dern.

Wir, die Unter­zeich­nen­den, begeg­nen die­sen Ver­su­chen mit einer kla­ren Hal­tung.

Wir, die Unter­zeich­nen­den, ver­ste­hen das Land Bre­men als offen, bunt, viel­fäl­tig und libe­ral. Die­se tole­ran­te Viel­stim­mig­keit zu erhal­ten und für sie ent­schie­den zu kämp­fen, wo es not­wen­dig ist, dazu ver­pflich­ten sich die Kunst ‑und Kul­tur­ein­rich­tun­gen und die Inter­es­sens­ver­tre­tun­gen der frei­en Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­den die­ser Stadt und die­ses Lan­des.

– Wir, die Unter­zeich­nen­den, füh­ren die offe­ne und kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung über rechts­po­pu­lis­ti­sche und jede ande­re Form von popu­lis­ti­schen Stra­te­gi­en, die demo­kra­ti­sche Grund­wer­te unter­gra­ben. Aus der Über­zeu­gung her­aus, dass wir den Auf­trag haben, unse­re Gesell­schaft als eine demo­kra­ti­sche fort­zu­ent­wi­ckeln und zu ver­tei­di­gen gestal­ten wir die­sen Dia­log gemein­sam mit den Akteur*innen der Kunst und Kul­tur­sze­ne und der Öffent­lich­keit.

– Wir, die Unter­zeich­nen­den för­dern Debat­ten, bie­ten aber kein Forum für rechts­na­tio­na­le und ande­re Pro­pa­gan­da.

– Wir, die Unter­zeich­nen­den, weh­ren die Ver­su­che der Rechts­po­pu­lis­ten und ande­rer Popu­lis­ten ab, Kul­tur für ihre Zwe­cke zu instru­men­ta­li­sie­ren.

– Wir, die Unter­zeich­nen­den, soli­da­ri­sie­ren uns mit Men­schen, die durch extre­mis­ti­sche Ideo­lo­gi­en aus­ge­grenzt und bedroht wer­den und wen­den uns gegen jede Form der Dis­kri­mi­nie­rung.

– Ras­sis­mus begeg­net uns täg­lich. Wir set­zen uns des­we­gen mit den eige­nen Struk­tu­ren aus­ein­an­der und stel­len sie zur Dis­kus­si­on. Wir müs­sen die Kunst- und Kul­tur­räu­me, sowie unse­re Gesell­schaft öff­nen, damit wir wirk­lich Vie­le wer­den!

SOLIDARITÄT STATT DISKRIMINIERUNG. ES GEHT UM ALLES. DIE KUNST BLEIBT FREI!