Do 5. September

Foto: Vale­rie-Siba Rous­pa­rast

 

 

 

 

 


›Eure Hei­mat ist u
nser Alb­traum‹
Lesung mit Fat­ma Ayd­e­mir & Hen­g­a­meh Yag­hoo­bi­fa­rah
Mode­ra­ti­on: Kia­na Ghaf­fa­rizad
20 Uhr
Kuko­on, Bun­ten­tor­stein­weg 29

Die Autorin­nen Fat­ma Ayd­e­mir und Hen­g­a­meh Yag­hoo­bi­fa­rah sind mit ihrem im Früh­jahr erschie­nen Essay­band “Eure Hei­mat ist unser Alb­traum” zu Gast in Bre­men. In einer Lesung und im Gespräch mit der Bre­mer Kul­tur­wis­sen­schaft­le­rin Kia­na Ghaf­fa­rizad stel­len sie das Buch vor, das Essays von 14 Autor_innen ver­sam­melt.
Wie fühlt es sich an, tag­täg­lich als „Bedro­hung“ wahr­ge­nom­men zu wer­den? Wie viel Ver­trau­en besteht nach dem NSU-Skan­dal noch in die Sicher­heits­be­hör­den? Was bedeu­tet es, sich bei jeder Kri­se im Namen des gesam­ten Hei­mat­lan­des oder der Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit der Eltern recht­fer­ti­gen zu müs­sen? Und wie wirkt sich Ras­sis­mus auf die Sexua­li­tät aus?
Die­ses Buch ist ein Mani­fest gegen Hei­mat – einem völ­kisch ver­klär­ten Kon­zept, gegen des­sen Nor­ma­li­sie­rung sich 14 deutsch­spra­chi­ge Autor_innen weh­ren. Zum ein­jäh­ri­gen Bestehen des soge­nann­ten „Hei­mat­mi­nis­te­ri­ums“ sam­meln Fat­ma Ayd­e­mir und Hen­g­a­meh Yag­hoo­bi­fa­rah scho­nungs­lo­se Per­spek­ti­ven auf eine ras­sis­ti­sche und anti­se­mi­ti­sche Gesell­schaft. In per­sön­li­chen Essays geben sie Ein­blick in ihren All­tag und hal­ten Deutsch­land den Spie­gel vor: einem Land, das sich als vor­bild­li­che Demo­kra­tie begreift und gleich­zei­tig einen Teil sei­ner Mit­glie­der als »anders« mar­kiert, kaum schützt oder wert­schätzt.
„Eure Hei­mat ist unser Alb­traum“ ver­sam­melt 14 Essays, die sich u.a. mit All­tags­ras­sis­mus, Dis­kri­mi­nie­rung und Natio­na­lis­mus aus­ein­an­der­set­zen, aber auch Ide­en ent­wer­fen, wie ein bes­se­res Zusam­men­le­ben in der Zukunft mög­lich wer­den könn­te.

Es ist schön, dass es immer mehr von uns gibt, die es durch das ras­sis­ti­sche Schul­sys­tem schaf­fen und das Pri­vi­leg genie­ßen, eine Uni schon mal von innen gese­hen zu haben. Trotz­dem gehen die begehr­ten Pos­ten am Ende meis­tens an unse­re wei­ßen Kommiliton_innen. Jene von uns wie­der­um, die es den­noch irgend­wie in einen ‚welt­of­fe­nen‘, wenn auch weiß domi­nier­ten Betrieb geschafft haben, erle­ben lei­der zu oft den Effekt des Toke­nism: ‚Natür­lich sind wir divers. Wir haben doch Fat­ma!‘“ (Fat­ma Ayd­e­mir)

Natür­lich sehen nicht alle wei­ßen Deut­schen aus wie das Kind auf der Rot­bäck­chen-Saft­fla­sche. Doch sobald jemand dunk­le Haa­re hat, die mehr als ein Kamm­strich dick sind, die Nase nicht nur ein klei­ner run­der Knopf ist und die Haut­far­be um eine Nuan­ce von Mayo abweicht, fin­det ein Pro­zess statt, der sich Othe­ring im All­ge­mei­nen und Ras­si­fi­zie­rung im Kon­kre­ten nennt. Bli­cke scan­nen dich ab, und du merkst: The kanak is pre­sent.“ (Hen­g­a­meh Yag­hoo­bi­fa­rah)

ver­an­stal­tet & geför­dert von
Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor, Rosa-Luxem­burg-Initia­ti­ve, Bre­mer Rat für Inte­gra­ti­on, ADA — Anti­dis­kri­mi­nie­rung in der Arbeits­welt, ver.di Jugend Bre­men, Kuko­on

Hin­weis
Für Peop­le of Color, Juden_Jüdinnen und Men­schen mit Migra­ti­ons­be­zü­gen gibt es am 6. Sep­tem­ber von 10 bis 14:30 Uhr einen Schreib­work­shop mit den bei­den Autor_innen – und zwar unter dem Titel “Schrei­ben als Selbst­er­mäch­ti­gung ~ Schrei­ben als Wider­stand”
Alle wei­te­ren Infos dazu unter: www.literaturkontor-bremen.de

Infos zu den Autorin­nen
Fat­ma Ayd­e­mir, 1986 in Karls­ru­he gebo­ren, ist Kolum­nis­tin und Redak­teu­rin bei der taz. 2017 erschien ihr Debüt­ro­man Ell­bo­gen, für den sie mit dem Franz-Hes­sel-Preis aus­ge­zeich­net wur­de. Als freie Autorin schreibt sie u.a. für das Mis­sy Maga­zi­ne. 2019 ist sie Sti­pen­dia­tin der Vil­la Auro­ra in Los Ange­les.

Hen­g­a­meh Yag­hoo­bi­fa­rah, gebo­ren 1991 in Kiel, ist freie_r Redakteur_in beim Mis­sy Maga­zi­ne und bei der taz, schreibt für deutsch-spra­chi­ge Medi­en, u.a. die Kolum­ne „Habi­bi­tus“ für die taz sowie für Spex, an.schläge und für das Lite­ra­tur­jour­nal poli­tisch schrei­ben. Yag­hoo­bi­fa­rahs Essay Ich war auf der Fusi­on, und alles, was ich bekam, war ein blu­ti­ges Herz erschien 2018.

Infos zum Buch
Eure Hei­mat ist unser Alb­traum
hrsg. v. Fat­ma Ayd­e­mir und Hen­g­a­meh Yag­hoo­bi­fa­rah
Mit Bei­trä­gen von Sasha Mari­an­na Salz­mann, Sharon Dodua Otoo, Max Czol­lek, Mit­hu San­y­al, Mar­ga­re­te Sto­kow­ski, Olga Grjas­no­wa, Rey­han Şahin, Deniz Utlu, Simo­ne Dede Ayivi, Enri­co Ippo­li­to, Nadia She­ha­deh, Vina Yun, Hen­g­a­meh Yag­hoo­bi­fa­rah und Fat­ma Ayd­e­mir. Sto­kow­ski uvm.
Ull­stein Ver­lag, Ber­lin 2019, 208 Sei­ten (20,- Euro)

Pres­se­stim­me zum Buch
“Das Buch erreicht drei­er­lei:
Men­schen, die selbst von Aus­gren­zung betrof­fen sind, erfah­ren, dass es Ande­ren ähn­lich geht, auch erfolg­rei­chen Kul­tur­schaf­fen­den. Sie erhal­ten mit die­sem Buch nicht nur eine, son­dern 14 ver­schie­de­ne Stim­men.
Leser ohne eige­ne Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­rung ler­nen durch die Lek­tü­re aus ers­ter Hand, wie ver­brei­tet und wie tief­grei­fend sol­che Erfah­run­gen sind – und sie kön­nen dar­aus Leh­ren zie­hen: ihre Wahr­neh­mung und ihre Pri­vi­le­gi­en hin­ter­fra­gen und ihr Han­deln ändern.
Hori­zont­er­wei­ternd für Alle ist die kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit den gera­de zur­zeit wie­der all­ge­gen­wär­ti­gen Kon­zep­ten von Hei­mat und Inte­gra­ti­on – die eben kei­nes­wegs alter­na­tiv­los sind. Ein klu­ges und deut­li­ches Buch zur rech­ten Zeit.” (Rita Fock, Deutsch­land­funk)