Nachruf auf Dr. Martin Rooney

Martin Rooney
Mar­tin Roo­ney

Wir trau­ern um unser lang­jäh­ri­ges Mit­glied, Dr. Mar­tin Roo­ney, des­sen schöp­fe­ri­sches Leben der deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur und bedeu­ten­den Ver­tre­tern der anti­fa­schis­ti­schen und anti­to­ta­li­tä­ren Bewe­gung gewid­met war.

1948 in Man­ches­ter gebo­ren, stu­dier­te er Ger­ma­nis­tik und Phi­lo­so­phie in Mainz, Ber­lin und Bre­men, wo er an der hie­si­gen Uni­ver­si­tät sei­ne­For­schungs­ar­beit zu Leben und Werk des inter­na­tio­nal ange­se­he­nen Schrift­stel­lers und Publi­zis­ten Armin T. Wege­ner zum Dr. phil. krön­te. Mar­tin Roo­ney hat sich in zahl­rei­chen Vor­trä­gen im nord­deut­schen Raum wie auch in Nord­rhein-West­fa­len zur tra­gi­schen Rol­le von bedeu­ten­den euro­päi­schen Schrift­stel­lern und Publi­zis­ten geäu­ßert, die von der ortho­do­xen kom­mu­nis­ti­schen Ideo­lo­gie ver­führt wur­den und sich nach ihrer Läu­te­rung als Chro­nis­ten und Auf­klä­rer einer staats­tra­gen­den Zwangs­ideo­lo­gie erwie­sen.

Sei­ne Bei­trä­ge zum Wir­ken von Arthur Koest­ler und Jor­ge Sem­prun rie­fen stets die Auf­merk­sam­keit der kri­ti­schen Öffent­lich­keit her­vor; sei­ne Auf­sät­ze zum Schaf­fen von Gün­ter Grass, Peter Weiss und Ralph Gior­da­no  fan­den stets Wider­hall; sei­ne Aus­stel­lung „Mensch­heits­däm­me­rung“ in Bre­men zur lite­ra­ri­schen Bedeu­tung des deut­schen Expres­sio­nis­mus lock­te ein zahl­rei­ches Publi­kum an; sei­ne Vor­trä­ge im Rah­men der Lan­des­zen­tra­le für Poli­ti­sche Bil­dung wie auch der Böll-Stif­tung waren stets aktu­el­len The­men gewid­met. Mar­tin Roo­ney war auch ein von Lei­den­schaft und Enga­ge­ment gepräg­ter Mensch, der sich nicht nur für den eng­li­schen Fuß­ball inter­es­sier­te, son­dern sich in scherz­haf­ter Wei­se sogar als naher Ver­wand­ter des berühm­ten Mit­tel­stür­mers Way­ne Roo­ney­aus Man­ches­ter „oute­te“, was ihm für Tage die über­re­gio­na­le Auf­merk­sam­keit der Medi­en ein­brach­te.

Die letz­ten Mona­te und Jah­re sei­nes schaf­fens­rei­chen Lebens waren von einer nicht heil­ba­ren Krank­heit gezeich­net. Nicht zuletzt aus die­sem Grund muss­te er sich auch aus der Bre­mer Öffent­lich­keit zurück­zie­hen. Wir wer­den Mar­tin Roo­ney als leb­haf­ten, enga­gier­ten Ver­tre­ter eines auf­ge­klär­ten Huma­nis­mus und als Strei­ter für die Idea­le einer libe­ral-demo­kra­ti­schen Gesell­schaft stets in Erin­ne­rung bewah­ren.

Prof. Dr. Wolf­gang Schlott im Namen des Bre­mer Lite­ra­tur­kon­tor
Bre­men, im Juni 2017