Julie‹ von Martina Rapp

Martina Rapp
Mar­ti­na Rapp

Bre­mer Autoren­sti­pen­di­um 2017

Die Bre­mer Autoren­sti­pen­di­en 2017 erhiel­ten Hans-Her­mann Mahn­ken und Mar­ti­na Rapp. Lesen Sie hier einen Aus­zug aus dem ein­ge­reich­ten und prä­mier­ten Manu­skript von Mar­ti­na Rapp. Einen Aus­zug aus dem Text von Hans-Her­mann Mahn­ken fin­den sie hier».

Martina Rapp: ›Julie‹

Plötz­lich bemerk­te sie, dass ein Jun­ge sie mus­ter­te. Er lehn­te an einer Pla­kat­wand auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te. Er war unge­fähr in ihrem Alter. Auch er schien weder zu den geschäf­ti­gen Pas­san­ten noch zu den amü­sier­be­rei­ten Nacht­schwär­mern zu gehö­ren. Wie lan­ge hat­te er sie schon beob­ach­tet? Lang­sam kam er zu ihr her­über, quer durch den dich­ten Ver­kehr. Er ließ sie nicht aus den Augen. Als er fast vor ihr stand,wandte er den Blick dem Tabak­la­den zu. Er betrat ihn ziel­stre­big, taxier­te die Rega­le, schau­te nach links zum Tre­sen und als er kein Per­so­nal erblick­te, griff er zu. Esme konn­te sehen, wie er sich eine Hand­voll bun­ter Scho­ko­rie­gel in die Tasche steck­te. Dann rann­te er aus dem Laden.
Esme rann­te, so schnell sie konn­te, hin­ter­her. Er schien sich in der Gegend aus­zu­ken­nen. Bei nächs­ter Gele­gen­heit bog er in eine klei­ne Sei­ten­stra­ße, über­quer­te einen Hin­ter­hof und bei­de erreich­ten keu­chend einen schma­len, kaum beleuch­te­ten Platz, an den ein ein­ge­zäun­ter Spiel­platz grenz­te. Der Jun­ge setz­te sich auf eine Bank. Esme blieb weni­ge Meter neben ihm ste­hen.
Er leer­te sei­ne Taschen und brei­te­te sei­ne Schät­ze auf der Park­bank aus. Süßig­kei­ten, Ziga­ret­ten, Erd­nüs­se, Pis­ta­zi­en in Plas­tik­fo­lie gewi­ckelt.
Mit einer Hand­be­we­gung lud er sie ein, sich zu set­zen.