Bremer Autorenstipendien 2018 vergeben

Zur Förderung des literarischen Nachwuchses vergibt der Senator für Kultur jährlich zwei Stipendien zu je 2500,- Euro an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die ihren Wohnsitz in Bremen/ Bremerhaven oder dem angrenzenden Umland haben.

2018 gehen die Stipendien an Helge Hommers und Jörg Kasimir.

Begründung der Jury:
Der Auszug aus Helge Hommers’ Romanprojekt ›Die Boomgardens‹ erzählt unter der Überschrift ›Das letzte Paar Schnürschuhe‹ zunächst die Geschichte der Urgroßmutter des Erzählers, die 1933 kurzfristig von den Nazis verhaftet wurde, weil sie bei einem jüdischen Schuhmacher einkaufte. Diese Familiengeschichte von vermeintlicher Zivilcourage und bäuerlicher Naivität gegenüber dem NS-Herrschaftssystem ahmt ein bekanntes Muster nach, doch Hommers’ Text  stellt sich schließlich als Versuch eines jungen Mannes heraus, die Erinnerungen seines Großvaters aufzuschreiben. Dieser reflektierte Umgang mit dem eigenen Schreiben und den Möglichkeiten, von der Vergangenheit zu erzählen, hat die Jury ebenso überzeugt wie die sprachliche Qualität des Textauszugs.

Aus einem Buchprojekt mit 6 Erzählungen über verlassene Orte legt Jörg Kasimir ›Ruinös‹ vor. In einem Ort nahe der polnischen Grenze wird nach der Wende ein Postamt geschlossen und dann sich selbst überlassen. Der letzte verbliebene Posthauptsekretär beschließt, sich in sein Postamt zu begeben und mit ihm zusammen den endgültigen Verfall zu leben. Im Laufe der Jahre lösen sich beide auf. Ihr zu Schutt- und Aschewerden schlingt sich ineinander. Das beschreibt der Autor als Symphonie des Verfalls, die er mit organischen Sprachtönen und natürlichen Metaphern instrumentiert.

Helge Hommers
Foto: Saskia Pertersen

Helge Hommers wurde 1989 in Emden geboren. Nach dem Abitur leistete er seinen Zivildienst in Bremen, wo er im Anschluss ein Studium der Linguistik und Sportwissenschaften begann. Danach machte er seinen Master in Transnationale Literaturwissenschaften in Bremen und Prag. Nachdem Hommers bereits als freier Autor für den Weser Kurier gearbeitet hatte, begann er dort im Herbst 2017 ein Volontariat.
Einige seiner Kurzgeschichten wurden in Literaturanthologien veröffentlicht und mit Preisen ausgezeichnet.

Jörg Kasimir
Foto: privat

Jörg Kasimir, 1964 in Wolfenbüttel geboren, hat zunächst als Verlagskaufmann gearbeitet, später dann an der Universität Bremen Kulturwissenschaften und Philosophie studiert. Nach dem Studium war er an der Planung und Durchführung diverser Kunst- und Kulturprojekte in Bremen beteiligt, u.a. für die Schwankhalle. Für die Städtische Galerie hat er im Bereich Ausstellungsorganisation gearbeitet. Seit 2013 ist er zudem im sozialen Bereich tätig.
Kasimir schreibt Erzählungen und Essays sowie Beiträge für Kunstkataloge und Ausstellungen.

Zur Jury 2018 gehörten Jan Gerstner (Universität Bremen), Ulrike Marie Hille (VHS Bremen / Autorin), Bernd Gosau (Freier Lektor) und Regina Weber (Bremer Literaturkontor / Redakteurin, Lektorin).

Die Lesung der Stipendiaten 2018 findet Dienstag, den 15. Januar 2019, 20 Uhr, im Café Ambiente, Osterdeich 69a, statt. Die Moderation des Abends übernehmen Jan Gerstner und Bernd Gosau.

Auszüge aus den Manuskripten der Stipendiaten finden Sie hier>> und hier>>.